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Herbert Knebel-Gastspiel

Affentheater war nichts heilig

Telgte

Das Publikum war begeistert: Herbert Knebel und sein Affentheater sorgten bei ihrem Auftritt im Bürgerhaus für jede Menge guter Laune.

Von Axel Engels

Herbert Knebel (2.v.l.) und seine Kollegen vom Affentheater sorgten nicht nur musikalisch für gute Laune. Foto: Axel Engels

Vor drei Tagen feierte Herbert Knebel seinen 67. Geburtstag. Da darf man nach über 30 Jahren als Botschafter des Kohlenpott-Humors wie auch die übrigen Mitglieder seines Affentheaters in die Jahre kommen. Aber beim bestens besuchten Auftritt im Bürgerhaus ließen sich die vier „älteren Herren“ von solchen Kleinigkeiten bei ihrem ultimativen Ritt durch Rock und Humor nicht bremsen.

Zwar ist der Hüftschwung des Mannes mit dem Kassengestell auf der Nase und der Helmut-Schmidt-Kappe auf dem schütteren Haar nicht mehr so wild wie in den Anfangszeiten, aber das tat dem Vergnügen des begeisterten Publikums keinen Abbruch.

Der „ehemalige Bergmann mit Staublunge“ ließ das Bürgerhaus in seinen Grundfesten erzittern. Seine permanenten Angriffe auf die Lachmuskulatur des Publikums wechselten mit exquisit präsentierten Welthits aus Rock und Pop, sogar Ausflüge wie zum deutschen umgedichteten Kunstlied mit dem „Das Laufen ist des Knebels Lust“ frei nach Franz Schubert erlebte man.

Nur Produkte aus den Niederungen des deutschen Schlager durfte man von den Musikern nicht erwarten. Nach so langer Corona-Zwangspause drehten Ernst Pichel (Martin Alfi Breuer) am Bass, Ozzy Ostermann (Georg Göbel) als Gitarrist und der begnadete Tenor sowie Trainer (Detlef Hinze) am Schlagzeug so richtig auf. Diese Urgesteine wuchsen an diesem Abend über sich hinaus.

Herbert Knebel (Uwe Lyko) kann sich eben auf seine Jungs verlassen. Und Ozzy Ostermann lief bei seinem „Schönes Fräullein“ zur Höchstform als verkappter Macho auf. Natürlich mussten sich die Künstler zwischendurch auf kleinen plüschbezogenen Stühlen ausruhen, schließlich nagt an der Gruppe der „anonymen Bußgeldbescheid-Geschädigter“ auch der Zahn der Zeit.

Bei dem Treffen ging es um ganz normale Dinge eines vom Testosteron gesteuerten Mannes aus den nördlichen Stadtteil der Ruhrmetropole, um Frauen, Autos und den Kampf mit den Behörden. Schließlich ist Ozzy Ostermann ein begnadeter Rennfahrer in Tempo-30-Zonen, und seine Fehltritte nutzte das Quartett zu einer musikalischen Verballhornung der „Another brick in the Wall“-Hymne von Pink Floyd.

Bewusst eingegangene geistige Tiefflüge und musikalisches Können paarten sich an diesem Abend in einzigartiger Art. So etwas können einfach nur solche Männer ohne Nerven, wenn sie in einer spritzigen Show mit wahrem Kultpotenzial losgelassen werden. Dabei bedienten sie alle nur denkbaren Klischees, ließen kein noch so skurriles Fettnäpfchen aus. Im Leben Herbert Knebels gibt es neben Bier, Fernsehen und ständigen Nörgeleien über seine bessere Hälfte Guste wohl noch so manches zu entdecken.

Sicherlich war auch für seine Kollegen fremd, dass er in seiner Jugend Förster werden wollte. Aber da hätte er wohl noch früher aufstehen müssen, wurde daher lieber Frührentner.

Aber seine Pilztour ins Hohe Venn war ganz große Kunst: Wenn sich nach dem Genuss der selbst gekochten Pilzsuppe Realität und Traumwelt vermischten, war dies die wohl fantasievollste Schilderung eines Trips.

Moderner Technik verweigert sich Herbert Knebel, fütterte da lieber beim Kaffeekränzchen mit seinem Kollegen dessen Staubsaugerroboter mit Tortenstücken. Dem Affentheater war nichts heilig!

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