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Lesung von Christian Nachtigäller begeistert die Anwesenden

Alltagsheld des feinen Humors

Telgte

Bei der Vorstellung seines Buches „Alltagsheld“ begeisterte Christian Nachtigäller seine Zuhörerschaft.

Von Axel Engels

Mit charmanten Plaudereien knüpfte Christian Nachtigäller sofort einen direkten Kontakt zum Publikum und begeisterte die Anwesenden. Foto: Axel Engels

Gleich zu Beginn seiner Lesung widerlegte der Schriftsteller und Geschichtenliebhaber Christian Nachtigäller das Vorurteil, dass der Prophet im eigenen Lande nichts gilt. Denn über 200 Liebhaber feinsten in Worte gekleideten Humors ließen es sich nicht nehmen, den Telgter bei der Premierenlesung seines Buches „Alltagsheld“ persönlich zu erleben.

Der Aschendorff-Verlag hat es vor fast zwölf Monaten herausgebracht, und eine frühere Erstvorstellung konnte pandemiebedingt nicht erfolgen. Dass eine Lesung oftmals akademisch und trocken erscheint, gilt für die Geschichten vom alltäglichen Wahnsinn und wahnsinnigen Alltag sicherlich nicht. Denn mit feinstem Humor ist jedes Kapitel aus der Feder des Künstlers durchzogen.

Mit charmanten Plaudereien knüpfte Christian Nachtigäller sofort einen direkten Kontakt zum Publikum, fühlte sich im Saal des Bürgerhauses sichtlich wohl. Zwischen barock anmutendem Ohrensessel und einem Damenfahrrad, das er in einem Kreuzworträtsel gewonnen hatte, stand er hinter einem Stehpult, das von dem Lehrer Lämpel aus „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch hätte stammen können.

Natürlich ging es nicht um Schulweisheiten, sondern mit Akribie und Feinsinn hatte Christian Nachtigäller drei Geschichten aus seinem nunmehr achten Buch ausgewählt, die mit autobiografischem Anstrich jedem Besucher ein Lächeln ins Gesicht zauberten.

Die Geschichte „Lukullus“ zeigte sofort ihr wahres Kultpotenzial. Denn bei „Alltagsheld“ geht es ja nicht um die großen Weltverbesserer oder Superhelden, sondern da stolpert ein ganz „normaler Mann“ in skurrile Fettnäpfchen. Aus dem gemütlichen Abend zu zweit im italienischen Feinschmeckerrestaurant zur Feier des „Einjährigen“ mit Sabine wurde ein grandioses Spektakel. Bei den Schilderungen der verköstigten Spezialitäten lief einem schon das Wasser im Munde zusammen.

Die an Jacques Tati erinnernde Schilderung diverser fast absurd anmutender Missgeschicke war einfach grandios. Da entwickelte sich der zwischen Toilette und Küche gelegene beste Tisch des Lokals zu einem Hotspot für Notdürftige, und auch dem Beziehungswahnsinn hatte Christian Nachtigäller bei dieser Geschichte ein literarisches Denkmal gesetzt.

Sein Ausflug „Guter Rat oder Tour mit Franz“ war an Köstlichkeit kaum zu überbieten. Mit seinem gewonnenen Damenfahrrad, das lange Zeit im heimischen Flur sein Dasein fristete, begab er sich mit drei Freunden auf eine mehrtägige Landpartie, die mit einem wahren Knalleffekt begann. Denn während drei der Freunde supermoderne Zweiräder ihr Eigen nennen, hatte der furchtlose Franz ein legendäres Rixe-Klappfahrrad parat, das mit diversen Umbauten als Titelbild das Buch ziert. So eine „unmögliche Landpartie“ kann man sich selbst mit größter Fantasie nicht ausdenken, die muss man erlebt haben!

Da kann man dankbar sein, dass Christian Nachtigäller gerade diese Geschichte ausgesucht hat. Aber an diesem Abend hielt der Autor noch eine weitere literarische Köstlichkeit für das begeistert lauschende Publikum bereit. Süffisant lächelnd machte er Reklame für ein weiteres Buch aus seiner Feder, den Gedichtband „Wort-Walzer: Gereimtes zu Ungereimtheiten“. Da zeigte es sich, dass dem umtriebigen Künstler nicht nur die „größere“ Form liegt. Seine Wortspielereien erinnerten in spritzig-lebendiger Weise an den großen Heinz Erhardt, dessen Gedichte ja ihren speziellen Reiz haben.

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