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Ole Glahn brilliert auf den Kartbahnen

Auf dem Weg in die Top Ten

Telgte

Eigentlich alle 14 Tage ist Ole Glahn auf bundesdeutschen Kartbahnen unterwegs. Mit bis zu 120 Sachen rast der 13-Jährige über die Strecken.

Von Bernd Pohlkamp

Sie sind eine kartsportbegeisterte Familie: Der Kartrennsport ist aufwendig. Neben den Rennen gilt es immer, an an den Rennfahrzeugen Verbesserungen vorzunehmen. Foto: privat

Der Motor brummt, sein Kart ist vollgetankt, und los geht die Fahrt. Mit einer maximalen Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometern rast der 13-jährige Ole Glahn über die Kartbahn. Natürlich nicht allein. Viel Konkurrenz fährt vor und hinter ihm. Seine Eltern beobachten jede Szene, passen auf, geben Tipps. Durchschnittlich alle 14 Tage ist er auf den bundesdeutschen Kartbahnen unterwegs gewesen: In der Juniorenklasse fuhr er bei vier Meisterschafts- und drei Clubrennen mit.

Ohne Fleiß gibt es keinen Preis. Das hat der Siebtklässler der Sekundarschule gelernt. Jeder Anfang ist auch mit Hindernissen verbunden. Daher ist die regelmäßige Trainingsarbeit für die Entwicklung eines Nachwuchsfahrers entscheidend. Diese Übungseinheiten fanden an zwölf Wochenenden auf unterschiedlichen Kartbahnen in Niedersachsen, im belgischen Genk und in Nordrhein-Westfalen statt. Die Eltern sind immer dabei.

In die Wiege gelegt

Wie und weshalb wurde Ole Glahn ein so begeisterter Kartfahrer? Sein Vater erzählt: „Zum Kartfahren ist er durch mich gekommen. Ich selbst fahre schon seit meiner Jugendzeit. Durch meinen Vater bin ich an dieses Hobby gelangt, weil er in den 1980erJahren durch meinen Onkel ,infiziert’ wurde. Letztendlich sind alle in der Familie kartverrückt. Auch die Familie meiner Frau Stephanie. Ich habe sie auf einer Kartbahn kennengelernt.“

So saß Ole bereits mit sechs Jahren in einem Kart. Sein Vater hat ihm ein ganz altes Kinderkart gekauft, mit dem er erst einmal üben sollte. Mit diesem Fahrzeug war er auf Anhieb so schnell unterwegs, dass nicht nur die Familie staunte, sondern auch die anderen erwachsenen Kartfahrer an der Strecke. Das bewegte die Glahns dann dazu, dass sie Ole ein aktuelles Rennkart kauften. „Mit dem war er dann auch so fix unterwegs, dass uns unser heutiger Teamchef Achim Beule vom Beule-Kart-Racing-Team aus Hagen ermutigte, Ole unbedingt Rennen fahren zu lassen, weil er viel Talent und Potenzial habe“, erzählt Vater Alexander. So startete er nicht in den kleinen Anfängerklassen, sondern direkt in der Deutschen Rotax-Max-Meisterschaft.

So ist ein Rennwochenende

Wie die Familie Glahn so ein Rennwochenende gestaltet, schildert Alexander Glahn. „Zwei Wochen vor dem eigentlichen Rennen fahren wir die entsprechende Strecke schon einmal für ein Wochenende an, um dort zu testen. Bei diesen Test stellen wir die grobe Einstellung des Karts fest. Dabei ermitteln wir das richtige Übersetzungsverhältnis des Motors: also eine Balance zu finden zwischen maximaler Beschleunigung und der richtigen Höchstgeschwindigkeit. Außerdem müssen wir die einzelnen Chassiskomponenten testen und Ole fährt sich auf der Strecke ein.“

Bevor es dann zum eigentlichen Rennwochenende losgeht, werden das Fahrzeug und das Equipment von Alexander Glahn in der heimischen Werkstatt gewartet, vorbereitet und natürlich geputzt. Dabei hilft auch Ole mit, etwa beim Auf- und Abziehen der Rennreifen von den Felgen.

Freitags frei

Wenn ein Rennwochenende ansteht, geht es donnerstags nach der Schule los. Dann sind Wohnmobil und Werkstattanhänger mit dem Kart schon gepackt. Für den Freitag erhält Ole nach Absprache mit seiner Schule frei. Nach der Ankunft an der Strecke werden das Fahrerlager mit Werkstattzelt, Anhänger, Wohnmobil und ein kleines Verpflegungszelt aufgebaut. „Den Freitag nutzen wir für letzte Einstellungen und Tests am Kart. Die freie Zeit verbringt Ole mit seinem Teamkollegen Rafael Baltzer. „Wir reden über das Kartfahren und tauschen unsere Erfahrungen vom Tag aus“, berichtet Ole. Vater Alexander ergänzt: „Die meiste Zeit spielt er mit den anderen Jungs aus dem Fahrerlager Fußball auf der Rennstrecke. Das finde ich schon bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass sie tagsüber auf der Strecke Rad an Rad gegeneinander fahren.“

Am Samstag wird es dann ernst. Dann finden das Zeittraining und die Vorläufe statt. Während das Team am Vormittag das Kart und die Werkstatt vorbereitet, frühstückt Ole ganz in Ruhe im Wohnmobil. Wichtig ist den Eltern, dass Ole immer genügend Zeit und Ruhe findet, sich auf die Rennen vorzubereiten. So kann er die Zeit für sich nutzen. Ole Glahn: „Meistens sitze ich im Wohnmobil und schaue noch etwas TV, um mich abzulenken. 20 Minuten vor den Rennen ziehe ich den Rennanzug an, und wir gehen mit dem Kart zum Vorstartbereich. Dann wünschen mir alle von meinem Team viel Glück, denn in den Vorstartbereich dürfen nur mein Kart, mein Vater als Mechaniker und natürlich ich.“

Die richtige Startposition

Und Ole fährt fort: „Im Vorstart wird mein Kart vom technischen Kommissar noch einmal auf die Regeleinhaltung gecheckt, und ich schiebe das Kart in die richtige Startposition. Ich setze mich dann ganz schnell hinein, um mich zu konzentrieren.“ Alexander Glahn, der Mechaniker, bespricht mit seinem Sohn die nötigsten Details und lässt ihn dann allein. Dann heißt es: „Achtung, fertig, los!“

Als Mechaniker darf sich Alexander Glahn das Rennen in der Boxengasse anschauen. Der Rest vom Team schaut von den Tribüne aus zu. Wenn das Rennen beendet ist und die Fahrer nach der Auslaufrunde zurück in die Boxengasse fahren, erkennt Alexander Glahn bereits durch das offene Helmvisier an Oles Augen, wie zufrieden er ist.

Sonntags finden die Wertungsrennen statt. Diese entscheiden über den Tagessieg. Der Ablauf ist wie am Vortag. Einziger Unterschied: Nach dem letzten Rennen wird alles schnell abgebaut, verstaut, und bevor es nach zurück nach Telgte geht, gibt es die Siegerehrung.

Die Jahresbilanz

Die Jahresbilanz von Ole Glahn fällt positiv aus. Dennoch habe es, so Alexander Glahn, häufig ein Wechselbad der Gefühle gegeben: „Ole hat sich in diesem Jahr prima entwickelt und Erfahrungen gesammelt. Bei der Deutschen Rotax-Max Challenge-Meisterschaft, die über vier Rennwochenenden lief, fehlte uns gegenüber den routinierten Fahrern und Mechanikern noch die notwendige Erfahrung, um das Rennfahrzeug in kürzester Zeit exakt einzustellen und Ole in die vorderen Startaufstellungen zu schieben.“

Alexander Glahn ist der Auffassung, dass Ole vom reinen Speed her weiter vorne stehen könnte. Das habe er in den Rennen bewiesen, wenn er die schlechten Startpositionen mit tollen Zweikämpfen und Überholmanövern ausgleichen konnte und sich so um einige Positionen nach vorne zu schieben vermochte. „Leider“, so Alexander Glahn, „bedeutet das aber auch immer sehr viel Risiko. Denn im hart umkämpften Mittelfeld passieren auch die meisten Unfälle. Oft war Ole in unverschuldeten Karambolagen verwickelt, die gute Ergebnisse zunichte machten, oder sogar zu Ausfällen führten.“

Erfreuliche Einzelergebnisse

Dennoch gab es erfreuliche Einzelergebnisse. Dieses bestätigt auch Oles Teamchef Achim Beule vom Beule Kart Racing Team aus Hagen. „Ole hat dieses Jahr gezeigt, dass in ihm viel Potenzial steckt und er gut mithalten kann. Denn er stand sehr oft im Wettbewerb mit Teilnehmern, die einige Jahre mehr Rennerfahrung haben.“ Optimistisch zeigt sich der Teamchef, wenn es um das nächste Jahr geht: „Dann sehe ich ihn regelmäßig in den Top Ten.“

Auf welchem Niveau Ole fährt, bewies der 13-Jährige bei einem nicht zur Deutschen Rotax-Meisterschaft zählenden Rennen des ADAC-Youngster-Cups in Harsewinkel. Dort gelang ihm auf Anhieb ein Doppelsieg. Die beiden Pokale, die er mit nach Hause nahm, dürften ausreichend Motivation liefern, die Trainingsarbeit auch in den Herbst- und Wintermonaten mit großer Begeisterung fortzusetzen. Ole: „Ich freue mich auf das nächste Jahr. Dann greife ich wieder an.“

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