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Alexander Krichel sorgte für einen bemerkenswerten Klavierabend

Besonderes Faible für Rachmaninoffs Oeuvre

Telgte

Für einen beeindruckenden Klavierabend mit Werken von Sergej Rachmaninoff sorgte Alexander Krichel im Telgter Bürgerhaus.

Von Chr. Schulte im Walde

Alexander Krichel sorgte im Bürgerhaus für einen ebenso bemerkenswerten wie beeindruckenden Klavierabend Foto: Christoph Schulte im Walde

Was um Himmels willen hat den Pianisten Alexander Krichel geritten, einen ganzen Klavierabend lang Sergej Rachmaninoff zu spielen? Ganz einfach: Der im Nordwesten Russlands zur Welt gekommene Komponist würde im kommenden Jahr seinen 150. Geburtstag feiern. Und da Alexander Krichel schon immer ein besonderes Faible für Rachmaninoffs Oeuvre hat, liegt es nahe, sich gerade jetzt mit ihm intensiv zu beschäftigen. Ein aktuelles Ergebnis seiner bereits seit Jahren laufenden Arbeit präsentierte der in Hamburg lebende Pianist am Sonntag mit einem ebenso bemerkenswerten wie beeindruckenden Klavierabend im vollbesetzten Bürgerhaus Telgte.

Drei Rachmaninoff-Préludes, die Corelli-Variationen und der neunteilige Zyklus „Études-Tableaux“ – das war ein Mammut-Programm, das enorme physische Ansprüche stellte, ebenso aber auch nach geistiger Durchdringungskraft, die Entwicklung von Spannungsbögen und dramaturgischer Klugheit verlangt. Alexander Krichel ist mit all diesen Attributen gesegnet, ganz gleich, ob es um Rachmaninoffs urgewaltiges Schäumen geht oder dessen lyrisch fließende Melodien. Diese ganze Bandbreite steckt etwa in den Variationen op. 42, des Komponisten letztes Solo-Werk für Klavier, in dem er das uralte „La Follia“-Thema aufgreift. Fälschlicherweise Arcangelo Corelli zugeschrieben, ging es Jahrhunderte lang durch ganz Europa und inspirierte zahllose Meister. Eben auch Rachmaninoff. Da wird mitunter spanisches Kolorit spürbar – oder das sengende Flirren eines heißen Windes. Ein Kosmos voller Stimmungen, ähnlich wie in den unglaublich farbigen „Études-Tabeaus“. Darin steckt so viel Abwechslung, so viel Fantasie, dass man gern zuhört und über den Facettenreichtum staunt.

Nicht jeder Ton, den Alexander Krichel vor allem im ersten Programmteil anschlug, war von Rachmaninoff, was aber der immensen Leistung des Interpreten in keiner Weise Abbruch tat, im Gegenteil: Krichels Risikobereitschaft sorgte für einen ganz unmittelbaren Zugang zu diesen Gipfeln der Klavierliteratur des 20. Jahrhunderts. Der Funke sprang unmittelbar auf das Publikum über. Das ist das Beste, was im Konzert passieren kann. Jubel und eine Zugabe. Von Rachmaninoff.

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