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Zahl der Wohnungslosen steigt von Jahr zu Jahr

Besorgniserregende Werte

Telgte

Obwohl in Telgte derzeit 23 Menschen als obdachlos gelten, so sind sie dennoch nicht ohne ein Dach über dem Kopf auf der Straße unterwegs. Der Stadt Telgte ist es gelungen alle Betroffenen in verschiedenen Unterkünften unterzubringen.

Stefan Flockert

In anderen Kommunen – hier ein Archivbild aus Münster – werden Wohnanlagen zu Unterkünften für Wohnungslose und für Obdachlose umgebaut. Foto: Matthias Ahlke

Von „besorgniserregenden Zahlen bei den Wohnungslosen“ sprach Stefanie Münsterkötter vom Fachbereich Soziale Dienste in der Sitzung des Sozialausschusses. „Die Zahlen haben sich massiv geändert“, stellte auch Sozialpädagogin Martina Kantel fest, die die Vergleichsdaten der vergangenen Jahre mitgebracht hatte. War 2016 nur eine Person wohnungslos, so waren es 2017 bereits fünf, 2018 zehn und 2019 19. Derzeit gibt es in der Stadt 23 Menschen ohne ein festes Dach über dem Kopf. Dabei handelt es sich um elf Männer, fünf Frauen und sieben Kinder. Untergebracht sind sie über das Stadtgebiet verteilt in sechs verschiedenen Wohnungen oder Unterkünften.

Hinzuzählen wären, so die bei der Stadt mit einer 12,5-Stunden-Stelle beschäftigte Sozialpädagogin, eigentlich auch noch zwei Familien, für die die Stadt die Miete bezahlt, „die sonst in die Wohnungslosigkeit abgerutscht“ wären. Bei anderen übernehme die Stadt Mietschulden, damit sie in ihren Wohnungen bleiben könnten. Ziel sei es, Wohnungslosigkeit zu vermeiden.

Auslöser für Obdachlosigkeit sind der Verlust der eigenen Wohnung zum Beispiel durch Zwangsräumung oder der Verweis aus den eigenen vier Wänden zum Beispiel wegen häuslicher Gewalt in der Familie. Trennung ist hier ein weiterer Faktor. In vielen Fällen spielen Alkohol, Drogen, psychische Probleme und fehlende Ausbildung oder Schulabschlüsse ein Rolle. Der wichtigste Grund für Martina Kantel ist aber, dass es in Telgte keinen Wohnraum gibt. „Die wenigen Wohnungen, die es in Telgte gibt, werden dann auch nicht gerade an Wohnungslose vermietet“, stellte sie fest.

Johannes Fleer (CDU) fragte in die Runde, ob die Stadt nicht eigenes Geld in die Hand nehmen müsse, um Wohnraum für den betroffenen Personenkreis zu schaffen. Dem hielt Bürgermeister Wolfgang Pieper entgegen, dass er das nicht als Aufgabe der Stadt ansehe. Die Verwaltung verfolge hier andere Ziele. So werde für das Baugebiet Telgte-Süd die Schaffung von 30 Prozent sozial gefördertem Wohnraum festgeschrieben. Auch auf dem ehemaligen Wulff-Gelände gehe man diesen Weg.

Die Obdachlosen Mario (l) und Stefan sitzen Dienstagnacht (06.01.2009) in Düsseldorf in ihrer "Edel-Platte" an der Tonhalle unter dem Glasmosaik "Der Rhein als Träger des Lebens" von Heinrich Nauen. Trotz der eisigen Temperaturen schlafen die Männer im Freien. Mit zwei Schlafsäcken und einer Decke trotzen sie den Minusgraden. Foto: Achim Scheidemann dpa/lnw (zu dpa Korr: "«Platte machen» bei minus 20 Grad - Mit Schlafsäcken gegen den Frost" vom 07.01.2009) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: A2902 Achim Scheidemann

Klaus Beck stellte in der Folge drei in Trägerschaft der Telgter Kirchengemeinden befindliche Einrichtungen für Ratsuchende und Bedürftige vor, die ehrenamtlich geführt und zusammen den Kontakt-Punkt bilden: das Sozialbüro, den Telgter Teiler und die Kleiderstube. Am Ende stellte Beck eines fest: Eigentlich sollte es diese Einrichtungen nicht geben müssen. Eigentlich müsste von staatlicher Seite für die Versorgung dieser Menschen gesorgt werden.

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