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Praxiswerkstatt

Demenzpatienten im Krankenhaus: Zuwendung ist entscheidend

Telgte

„Krankenhaus-Patienten mit Nebendiagnose Demenz sind Hochrisiko-Patienten“. Diese These von Eva Anslinger – Pädagogin, Fachtherapeutin für kognitives Training und Demenz-Expertin – fand im St. Rochus-Hospital uneingeschränkte Zustimmung. Rund 50 Praktiker aus Medizin und Pflege aus ganz Nordrhein-Westfalen kamen dort zur ersten „Praxiswerkstatt Demenzsensibles Krankenhaus“ zusammen.

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Annette Wernke (l.) vom Demenz-Servicezentrum Münsterland begrüßte rund 50 Praktiker aus Medizin und Krankenpflege zur Praxiswerkstatt im St.-Rochus-Hospital. Foto: Franziskus-Stiftung

„Krankenhaus-Patienten mit Nebendiagnose Demenz sind Hochrisiko-Patienten“. Diese These von Eva Anslinger – Pädagogin, Fachtherapeutin für kognitives Training und Demenz-Expertin – fand im St. Rochus-Hospital uneingeschränkte Zustimmung. Rund 50 Praktiker aus Medizin und Pflege aus ganz Nordrhein-Westfalen kamen dort zur ersten „Praxiswerkstatt Demenzsensibles Krankenhaus“ zusammen. Sie bekräftigten die Auffassung der deutschlandweit bekannten Fachfrau Anslinger: „Der Weg zu einem Krankenhaus, das für demente Patienten wirklich geeignet ist, ist noch lang – und alle Berufsgruppen müssen ihn mitgehen.“

Die Praxiswerkstatt beschäftigte sich mit Möglichkeiten zur Verbesserung von Abläufen und Umgebungsbedingungen für Demenzpatienten im Krankenhaus. Veranstalter waren die Franziskus-Stiftung, größte konfessionelle Krankenhausträgerin Nordwestdeutschlands, und das Demenz-Servicezentrum Münsterland. Im vergangenen Jahr hatten sie bereits gemeinsam eine erste Fachtagung zum Thema „Demenzsensibles Krankenhaus“ durchgeführt, ebenfalls im St. Rochus-Hospital.

Heute gibt es 1,2 Millionen Demenzkranke in Deutschland. „Die Risikogruppen für Demenz nehmen deutlich zu: die der 60- bis 80-Jährigen und die der Hochaltrigen“, so Anslinger. Daher werde das Thema in den nächsten Jahren massiv an Bedeutung gewinnen. Für demenziell Erkrankte berge ein Krankenhausaufenthalt immer Gefahren von kognitiver Verschlechterung, körperlichem Abbau, Stürzen oder Delir. Ein verstehender Umgang und eine einfühlsame Kommunikation von Ärzten und Pflegenden seien wichtig; ebenso eine klare, verständliche Sprache. Schulungen könnten mehr Kompetenz im Umgang mit Demenzkranken vermitteln. „Entscheidend sind aber menschliche Zuwendung und Betreuung“, so die Expertin.

Dr. Christine Riesner vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen machte die Teilnehmer mit der „Rückentwicklungstheorie“ bei Alzheimer vertraut, die die Krankheit als Rückkehr auf eine frühe Stufe im Lebenszyklus versteht. „Dabei bilden Demenz, Delir und Depression oft eine Einheit und lassen sich nicht immer klar voneinander abgrenzen“, betonte die Medizinwissenschaftlerin.

Johannes Beermann, Pflegedirektor am St. Marien-Hospital Lüdinghausen, zeigte Möglichkeiten und Grenzen der Übertragbarkeit von Konzepten aus der Altenhilfe auf das Krankenhaus auf. Auch er unterstrich, dass „einfühlendes Verstehen, Echtheit und Wertschätzung einen Weg zum demenziell Erkrankten bahnen können“.

Am Nachmittag stellte Eva Anslinger „Maßnahmen zur Milieugestaltung einer demenzfreundlichen Station“ vor. Julia Bringemeier, Gerontologin im Evangelischen Krankenhaus Bielefeld, erläuterte das Programm „HELP“. Die Abkürzung – sie steht für „Hospital Elder Life Program“ – bezeichnet ein Maßnahmenbündel zur intensiven Vorbeugung, Diagnostik und Therapie des Klinik-Delirs.

Zu Beginn der Tagung hatte Annette Wernke vom Demenz-Servicezentrum Münsterland deren Ziel umrissen: „Es geht um den Austausch von Erfahrungen und darum, neue Erkenntnisse in den praktischen Klinik-Alltag zu übersetzen.“ So könne langfristig auch auf strukturelle Entwicklungen Einfluss genommen werden. Moderiert wurde die Praxiswerkstatt von Marita Ortmann, Pflegedienstleiterin im St. Franziskus-Hospital Münster. „Mit dieser Veranstaltung haben wir ein Forum für Praktiker etabliert, in dem ganz konkrete Fragen aus der Praxis behandelt werden. Der hohe Zuspruch zeigt, dass das Konzept funktioniert“, resümierte Anika Schilder, Referentin für Pflege bei der Franziskus-Stiftung. Die nächste Praxiswerkstatt ist für Juli geplant, wiederum in Telgte.

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