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Julia Plötzgen gibt einen Einblick in das Stadtarchiv

Der kommunale Schatzkeller

Telgte

Das Stadtarchiv Telgte verwahrt alle rechtlich und stadtgeschichtlich wichtigen Unterlagen, wie Urkunden, Rechnungen, Amtsbücher und Akten, die aus der Tätigkeit der Stadtverwaltung entstanden sind. Archivarin Julia Plötzgen gewährt einen Einblick.

Von Stadtarchivarin Julia Plötzgen

Alle rechtlich und stadtgeschichtlich wichtigen Unterlagen werden im Stadtarchiv verwahrt. Foto: privat

Vor annähernd drei Jahren hat Julia Plötzgen als Archivarin Klaus Schwinger abgelöst, der bislang die historischen Schriftstücke, Urkunden und anderen Dokumente gesichtet, geordnet und aufbewahrt hat. Das Stadtarchiv Telgte verwahrt alle rechtlich und stadtgeschichtlich wichtigen Unterlagen, wie Urkunden, Rechnungen, Amtsbücher und Akten, die aus der Tätigkeit der Stadtverwaltung entstanden sind.

Darüber hinaus sammelt das Stadtarchiv Bücher, Festschriften, Chroniken, Karten und Pläne, Zeitungen, Plakate, Fotos und Ansichtskarten, Nachlässe sowie Vereins- und Privatunterlagen.

Es dient nicht nur der Verwaltung, vielmehr kann es von jedem zur Forschung und Information genutzt werden. Es unterstützt Schüler, Studenten, Heimat- und Familienforscher oder auch Vereine, die Festschriften oder Veranstaltungen vorbereiten. Auch schriftliche Anfragen zur Familiengeschichte, Stadtgeschichte oder zur historischen Hausforschung werden beantwortet.

Julia Plötzgen

Julia Plötzgen gibt daher im Folgenden einen Einblick in den „kommunalen Schatzkeller“: „Jedes Archiv bewahrt das schriftliche Kulturerbe in seinem Zuständigkeitsbereich. Es sichert Rechts- und Kulturgüter von hohem Wert und dient den Bedürfnissen der Gesellschaft nach historischer Information, der Transparenz des Verwaltungshandelns und der Rechtssicherheit. Als Kommunalarchiv verwahrt das Stadtarchiv Telgte ausgewähltes Schriftgut der Stadtverwaltung sowie Nachlässe und Sammlungen aus mehreren Jahrhunderten. Archivarische Kernaufgaben sind das Bewerten, Übernehmen, Ordnen, Erschließen und dauerhafte Sichern des Archivguts. Im Rahmen des Benutzerdienstes werden die Archivbestände für die Forschung bereitgestellt, durch Findmittel erschlossen und damit öffentlich zugänglich gemacht.“

Das städtische Archivgut gliedert sich zurzeit in vier Bestände:

Die ältesten Dokumente befinden sich in Bestand A. Hierzu gehören 454 Urkunden aus den Jahren 1238 bis 1804 und 906 Akten von 1434 bis 1804.

Stadtgründungsurkunde aus dem Jahr 1238

Das bekannteste Archivale aus Bestand A und das älteste im Stadtarchiv ist die sogenannte „Stadtgründungsurkunde“ aus dem Jahr 1238. Es handelt sich um die einzige vorhandene Urkunde, in der die Verleihung der Stadtrechte an die Bürger von Telgte thematisiert wird. Bischof Ludolf von Münster verteilt hierin das Ackerland des bischöflichen Hofes zu Telgte unter den ansässigen Ministerialen (privilegierte aber unfreie Dienstleute im Hof-, Verwaltungs- und Kriegsdienst) und Bürgern, damit die Stadt sich erweitert. Die Stadtrechte selbst werden in nur einem Satz erwähnt.

Detaillierte Informationen zur Ortsgeschichte

Zu Bestand A gehören auch die Telgter Ratsprotokolle (1624 bis 1799) und die Rechnungen der Stadtkasse. Diese Dokumente sind besonders wertvoll für wissenschaftliche Forschungen, da sie detaillierte Informationen zur Ortsgeschichte, zu einzelnen Personen oder Familien und zur Stadtentwicklung enthalten.

In Bestand B, der 162 Akten beinhaltet und eine Laufzeit von 1803 bis 1815 umfasst, wurden die Dokumente der sogenannten „Übergangszeit“ oder „Franzosenzeit“ zusammengeführt. Der Akteninhalt liest sich also vor dem Hintergrund der Säkularisierung des Fürstbistums Münster und der territorialen Neuordnung durch Napoleon. Auffallend, aber passend zu den zeitlichen Umständen, ist eine beachtliche Menge an Militär- und Steuerakten, die vorrangig zur Erfassung der wehrfähigen Männer angelegt wurden. Erkennbar ist auch, dass die Bevölkerungslisten mit einer zunehmenden bürokratischen Sorgfalt geführt wurden.

Historische Ereignisse des 19. Jahrhunderts

Die Archivalien des Bestandes C, knapp 4000 Akten aus den Jahren 1815 bis 1950, erstrecken sich über die „preußische Zeit“. Die Dokumente entstanden also in Zusammenhang mit den historischen Ereignissen des 19. Jahrhunderts, dem Wiener Kongress, der Restaurationszeit, Bismarcks Politik und seinen Einigungskriegen, der Kaiserproklamation in Versailles, über den Ersten Weltkrieg bis hin zum Niedergang Preußens im Nationalsozialismus. Unter anderem findet sich in diesem Bestand die Überlieferung des Knickenberg‘schen Instituts, einer höheren Jungenschule mit angegliedertem Internat, die sogar über die Landesgrenzen hinaus bekannt war. Außerdem verfügt der Bestand C mit den sogenannten „Häuserbüchern“ über reichhaltige personengeschichtliche und genealogische Quellen. Die Archivalien aus der Zeit des Nationalsozialismus wurden bisher überwiegend zur Erforschung der Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Telgte genutzt.

Jahre 1947 bis 1975 noch nicht vollständig erschlossen

Der Bestand D umfasst die Jahre 1947 bis 1975, ist allerdings noch nicht vollständig erschlossen. Eine Bewertung, also eine Feststellung der Archivwürdigkeit, steht bei vielen Akten noch aus. Unter anderem sind Unterlagen zu Flüchtlingen aus Ostpreußen oder zum Rathausbau am Baßfeld vorhanden.

Weil sich die Geschichte einer Stadt nicht nur in den Verwaltungsakten widerspiegelt, gibt es im Archiv auch Sammlungen. Die Unterlagen werden unter inhaltlichen Gesichtspunkten zusammengestellt und sollen die amtlichen Bestände durch weitere Überlieferungen ergänzen. Lokale Ereignisse und alltägliche Geschichte lassen sich so besonders gut nachverfolgen. Die zeitgeschichtliche Sammlung wird laufend ergänzt und soll für nachfolgende Generationen Alltägliches aus der (jüngeren) Vergangenheit dokumentieren. Weitere Sammlungen sind die Fotosammlung, die Kartensammlung und die Zeitungssammlung. Zum nicht-städtische Archivgut zählen außerdem zahlreiche Nachlässe von Bürgern und Vereinen sowie Hofesarchive.

Bürger können die Bestände einsehen

Die Bestände des Stadtarchivs Telgte können von allen Bürgern eingesehen werden, sofern die Archivalien nicht durch daten- beziehungsweise personenschutzrechtliche Regelungen gesperrt sind, sonstiger Geheimhaltung unterliegen oder aus konservatorischen Gründen nicht vorgelegt werden können. „Ein Besuch lohnt sich, denn es finden sich einige historische Schätze und es kommen laufend neue hinzu“, betont Julia Plötzgen.

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