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Stadt reagiert auf Leserbrief von Christian Mende

„Diffamierend und herabwürdigend“

Telgte

Christian Mende hat in einem Leserbrief Kritik an der Schulleitung und am Kollegium geäußert und damit für viel Wirbel gesorgt. Mendes Aussagen findet die Stadt Telgte als Schulträger „diffamierend und herabwürdigend“. In einem offenen Brief bezieht die Stadtverwaltung Stellung.

Stefan Flockert

Ein Leserbrief hat in Gymnasium und Stadtverwaltung für Aufregung gesorgt. Foto: Stefan Flockert

Hohe Wellen hat der Leserbrief von Christian Mende mit dem Titel „Bildungsauftrag verfehlt – Note 6?“, der am 27. März in den WN erschienen ist, geschlagen. Mende hatte darin unter anderem kritisiert, dass die Meinungsfreiheit der Schüler sofort dann ende, wenn die Meinung von der von Schulleitung und Lehrern abweiche, dass die Abizeitung zensiert worden sei und dass die für die Mottowoche geplanten Aktionen ohne jede Diskussion zu weit eingeschränkt worden seien.

In einem offenen Brief an die Schulleitung und an das Kollegium des Maria-Sibylla-Merian-Gymnasiums nehmen Bürgermeister Wolfgang Pieper, Schulamtsleiterin Tanja Schnur, Stephan Herzig, Fachbereichsleiter Steuerung/Zentrale Dienste, und Gregor Stewing von der Musikschule zu dem Inhalt des Mende-Leserbriefes Stellung. Dabei schicken sie voraus, dass Christian Mende „diesen sehr polarisierenden Leserbrief als Privatperson verfasst“ habe. Gleichzeitig sei er aber Mitarbeiter der Stadt, die ihrerseits Schulträger des Gymnasiums sei. Es habe auf den Leserbrief irritierte und zum Teil empörte Reaktionen gegeben. Deshalb sehe sich die Stadt zu einigen Feststellungen veranlasst.

„Freiheit – und insbesondere die Meinungsfreiheit – ist immer die Freiheit des/der Anderen“, heißt es in dem Brief aus dem Rathaus. Deshalb sei der Leserbrief von Christian Mende als freie Meinungsäußerung hinzunehmen, auch wenn er in Diktion und Inhalt als diffamierend und respektlos bezeichnet werden müsse. Mende habe seinen Leserbrief nicht in der Funktion als Mitarbeiter der Stadt Telgte geschrieben. Er unterstelle der Schulleitung und Teilen des Kollegiums, kritische Diskussionen und damit die freie Meinungsäußerung von Schülern zu unterbinden und Zensur auszuüben. „Auch wenn es sich bei diesem Vorwurf um eine interne Schulangelegenheit handelt, weist die Stadt Telgte als Schulträger diese Pauschalunterstellung klar und deutlich zurück und distanziert sich von den Aussagen des Leserbriefes“, heißt es in dem Brief aus dem Rathaus.

Unterschiedliche Auffassungen von Schülern und Lehrern und die Austragung damit verbundener Konflikte gehörten zum Lernfeld einer Schule – und nur dort gehören sie ausgetragen. Wenn Christian Mende in seinem Leserbrief schreibe „Warum lässt man die Schülerinnen und Schüler nicht schreiben, was sie an diesem wichtigen Punkt ihres Lebens gerne wollen?“, dann stelle sich hier eher die Frage, warum sich Christian Mende in dieser Form als vermeintlicher Interessensvertreter der Schülerschaft äußert, statt die Schüler selbst für ihre Anliegen sprechen zu lassen.

Der Umgang mit der immer noch akuten Pandemielage und die konkreten Regelungen einer Schule stellten, so die Verwaltung weiter, selbstverständlich immer eine Abwägung zwischen verschiedenen Zielsetzungen, Risiken, Chancen und Notwendigkeiten dar. Die Schulleitung des Telgter Gymnasiums sei mit den großen Herausforderungen zur Begegnung und Bekämpfung der Corona-Pandemie nach Wahrnehmung des Schulträgers sehr umsichtig und verantwortungsvoll umgegangen. Es gebe aus Sicht der Stadt Telgte keinerlei Anlass zur Kritik an diesem Vorgehen – und schon „gar keinen Anlass für eine derart pauschale, diffamierende und herabwürdigende Kritik“.

Die kritische Diskussion, das Austragen von Meinungsverschiedenheiten, die Lösung von Konflikten – all das gehöre ganz selbstverständlich zum innerschulischen Leben. Und es gehöre natürlich auch zum Austausch zwischen Elternschaft und Schule. Ein solcher Austausch setze aber immer Offenheit, Zuhören, Argumente zulassen und gegenseitigen Respekt voraus. Dies sei aus Sicht des Schulträgers die unverzichtbare Grundlage eines gedeihlichen Miteinanders.

„Der Leserbrief hat in diesem Sinne keinen guten Beitrag zum Miteinander geleistet“, heißt es in dem offenen Brief abschließend.

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