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Herbert Berges feiert runden Geburtstag

Ein Poahlbürger wird 90

Telgte

Mit Herbert Berges feiert am heutigen Samstag (27.11.) ein echtes Telgter Urgestein seinen 90. Geburtstag.

Von Bernd Pohlkamp

Herbert Berges Foto: Bernd Pohlkamp

Er ist jemand, den man mit Fug und Recht einen „waschechten Telgter“ oder auch Poahlbürger nennt. Seine Geburtsstunde schlug am 27. November 1931 an der Schleifstiege/Mühlenstraße. Neun weitere Geschwister gehörten noch zur zwölfköpfigen Familie. Seinen 90. Geburtstag feiert am heutigen Samstag Herbert Berges.

Im Schatten der Wallfahrtskirche verbrachte er sein ganzes Leben. 1938 wurde Herbert Berges in der nur von Knaben besuchten Volksschule an der Felderstraße eingeschult. An seinen Klassenlehrer erinnert er sich noch recht gut, weil dieser nicht nur Wissen vermittelte, sondern seinen Schülern täglich mit einem Rohrstock den Hintern versohlte. Gehorsam, Fleiß und Disziplin standen auf der Tagesordnung. Mit 42 Klassenkameraden teilte sich Herbert Berges einen Raum. „Das war alles nicht einfach zur damaligen Zeit. Ich war froh, als ich an einem Apriltag 1946 auf dem Schulhof an der Felderstraße – am heutigen VHS-Gebäude am Baßfeld – mein Abschlusszeugnis erhielt“, erzählt das Geburtstagskind.

Als Zwölfjähriger musste er sich 1943 bei der Hitlerjugend anmelden. Im Führernachwuchslager in Nottuln wurde er ausgebildet. Den Weg dorthin legte er in einer Gruppe zu Fuß zurück.

Den Zweiten Weltkrieg verbrachte er mit seiner Familie fast jede Nacht im Luftschutzkeller, der sich zwischen Mühlenstraße und Schleifstiege befand. Mit 14 Jahren trat Herbert Berges eine dreijährige Lehre beim Schneidermeister Maiwald (heute Biergarten vom Wilden Mann) an. Dort arbeitete bereits seine Großmutter. Seine Handwerkskunst als Schneidermeister übte er in den folgenden Jahren an unterschiedlichen Orten aus. Die längste Zeit verbrachte er beim Schneidermeister Wilhelm Hotte.

Mit 23 Jahren lernte Herbert Berges im großen Saal des Kolpinghauses beim Tanzen die Näherin Luise Dietz kennen. Drei Jahre später heiratete das Paar standesamtlich. Die kirchliche Trauung war jedoch mit Hindernissen verbunden. Weil der damalige Propst Clemens Bringemeier samstags keine Trauung zuließ, entschloss sich das Paar, in der Dyckburg-Kirche zu heiraten. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: Andrea (*1961) und Christian (*1963). Bis 1972 übte Herbert Berges den Schneiderberuf aus.

Weil die Einnahmen nicht mehr für den Lebensunterhalt reichten, entschied er sich für eine Anstellung bei der Provinzial Versicherung in Münster. 23 Jahre hielt er diesem Unternehmen die Treue, ehe er 1991 in den Ruhestand eintrat.

Das Leben danach gestalteten die Eheleute Berges sehr abwechslungsreich: Sport, Musik und Urlaubsreisen mit der Kolpingsfamilie. Gerne zog es das Paar nach Bayern und Dänemark. Von 1958 bis 2019 war Herbert Berges Teil des Männergesangverein „Lyra“. Der Verein hatte sich vor zwei Jahren aus Altersgründen aufgelöst. Seitdem singt Herbert Berges im Seniorenchor der Musikschule. Zu seinen Hobbys gehören das Spazierengehen an der frischen Luft, das Kochen mit Freunden und das tägliche Lesen der Westfälischen Nachrichten.

Zu den Gratulanten zählen auch drei Enkelkinder, Freunde und Nachbarn.

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