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Christoph Tiemann & das Theater Ex Libris im Bürgerhaus

Ein schaurig-schöner Abend

Telgte

Die Geschichte von Ebenezer Scooge, dem kautzigen und knauserigen Geschäftsmann, ist vielen bekannt. Doch in dieser einzigartigen Version kennt man die Story nicht. Das war keine der oft angestaubten Lesungen, sondern höchst unterhaltsame Rezitation, bei der die Bilder in den Köpfen der Besucher sicherlich genauso farben- und stimmungsreich entstanden.

Von Axel Engels

Christoph Tiemann & das Theater Ex Libris begeisterten im Bürgerhaus mit einer besonderen Weihnachtsgeschichte. Foto: Axel Engels

Jacob Marley ist tot – so beginnt Charles Dickens großartige „A Christmas Carol“ aus dem Jahre 1843, und das ist auch bei der Inszenierung von Christoph Tiemann und dem „Theater ex Libris“ nicht anders. Aber sonst war dieser Abend wohl auf vielen Gebieten für die Besucher überraschend anders.

Eine stimmungsvollere Vorbereitung auf die Festtage kann man sich schwerlich vorstellen als solch eine so liebevolle Inszenierung der allseits bekannten Geschichte. Man erlebte einen schaurig-schönen Abend, der durch große Schauspielkunst und Bühnenpräsenz weit über ein reines Erzählen hinausging. Dazu braucht es eben so versierte Künstler wie Christoph Tiemann, Carola von Seckendorf, Stefan Nászay, Alban Renz, Markus von Hagen, die musikalisch von Johannes Kraas exquisit unterstützt wurden.

Viele Bearbeitungen der Geschichte um den geizigen, hartherzigen Ebenezer Scrooge, Geschäftspartner des verstorbenen Marley, haben seit der Veröffentlichung für Furore gesorgt, da steh das Theater von Christoph Tiemann und dem „Theater ex libris“ in einer großen Tradition. Ob als Kinoklassiker, Theater- oder Musicalversion, diese Geistergeschichte zum Christfest ist quasi ein Klassiker mit stark sozialkritischen Elementen. Am Freitag gab es ihn mit dem bestens agierenden Christoph Tiemann als Ebenezer Scooge und dem Ensemble des „Theater ex Libris“ in einer Form, die man so noch nicht erlebt hat.

Als „Geist der vergangenen Weihnacht“ sowie als Schwester von Ebenezer Scrooge konnte Carola von Seckendorf ihre ganzen Qualitäten einbringen. Markus von Hagen gab mit ausdrucksstarker Stimme sowohl den „Geist der gegenwärtigen Weihnacht“ als auch einen Geschäftsmann. Alban Renz bereicherte die Rezitation mit tiefer Bassstimme und auch Stefan Nászay wusste den Protagonisten ein ganz lebendiges Gewand zu verleihen. Aber die rezitatorische Kunst dieses Quintetts allein machte noch nicht alles aus, was an diesem Abend so verzauberte.

Für klanglich-musikalische Atmosphäre war der Jazzpianist Johannes Kraas zuständig, der für jede stimmungsmäßige Schattierung den passenden Klang zauberte. Auf einer großen Leinwand erblickte man Bilder, die wie aus der Erstausgabe entnommen schienen, die ja auch damals von John Leech illustriert war. Aber diesmal waren es Bilder, die Christoph Tiemann mit Akribie und Feinsinn extra für diese Weihnachtsgeschichte zusammengestellt hat. Da lenkte nichts vom eigentlichen Geschehen ab. Die Bilder intensivierten den Eindruck der Worte, animierten zur eigenen Reise ins Land der Fantasie.

Bei Christoph Tiemann und seinen wortgewandten Gefährten ging es nicht plakativ zu. Mit Esprit und Leidenschaft schlüpften sie in die 20 Rollen, hielten in jeder Szene den Spannungsbogen hoch, und der Intensität dieser Inszenierung konnte man sich nicht entziehen. Das war keine der oft angestaubten Lesungen, sondern höchst unterhaltsame Rezitation, bei der die Bilder in den Köpfen der Besucher sicherlich genauso farben- und stimmungsreich entstanden.

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