1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Telgte
  6. >
  7. Eine große und starke Gemeinschaft

  8. >

Johannes Markmann und Reinhold Brockamp erinnern sich an 70 Jahre Kolpingsfamilie

Eine große und starke Gemeinschaft

Telgte

Johannes Markmann und Reinhold Brockamp halten seit 70 Jahren der Kolpingsfamilie die Treue. Viele tolle Erinnerungen haben sie an diese sieben Jahrzehnte. Die beiden sehen aber die Gefahr, dass die einst so starke Gemeinschaft massiv an Bedeutung verliert.

Von Bernd Pohlkamp

Johannes Markmann (l.) und Reinhold Brockamp genießen seit rund 70 Jahren das Vereinsleben in der Kolpingsfamilie. Vor ziemlich genau 70 Jahren wurde Johannes Markmann nach bestandener Gesellenprüfung das Familienbuch der Kolpingsfamilie überreicht, dass er noch heute in Erinnerung hält. Foto: Bernd Pohlkamp

Wenn sie von der Kolpingsfamilie erzählen, kommen Johannes Markmann und Reinhold Brockamp regelrecht ins Schwärmen. Viele schöne Erlebnisse, rauschende Feste und vor allem jede Menge Bekanntschaften verbinden sie mit der Gruppierung. Beide sind nämlich seit 70 Jahren Kolpingbrüder und der Gemeinschaft immer eng verbunden gewesen.

Dabei gab es vor der Aufnahme eine Hürde zu bewältigen: Mitglied konnten beide erst werden, als sie ihre Gesellenprüfungen bestanden hatten. Johannes Markmann hatte eine dreijährige Tischlerlehre absolviert. Der damals 17-jährige Reinhold Brockamp war stolz auf seinen frisch erworbenen Kürschner-Gesellenbrief. Mit diesen Dokumenten in der Hand war der Weg dann endlich frei, die Aufnahme konnte beantragt werden.

Familienbuch hat noch heute Bedeutung

Mitglied waren sie allerdings erst, als sie ihr Familienbuch überreicht bekamen. Hans Markmann und Reinhold Brockamp halten diese noch heute in Ehren. „Damals war dieses Familienbuch gleichsam unsere Eintrittskarte zur Kolpingsfamilie und vielen Verbindungen und Aktivitäten“, so Johannes Markmann. Am 2. Dezember 1951 überreichte Präses Vikar Dr. von Hülsen ihm dieses Dokument, das mittlerweile längst vergilbt ist, für ihn aber nichts an Bedeutung verloren hat. Heute ist es eine Erinnerung an eine Zeit, in der der Zusammenhalt in der Gemeinschaft „lebensfroh und kameradschaftlich“ war, betont der Telgter.

Die örtlichen Kolpingsfamilien gehören dem Kolpingwerk Deutschland an. Von der Jugendarbeit mit Freizeitaktionen bis hin zu sozialen Projekten profitieren die Mitglieder von einem breiten Programm. Menschen zusammenführen und in der Gemeinschaft aktiv werden waren vor allem die Ziele.

Voträge unterschiedlicher Art waren auf dem Programm

Viele gleichaltrige Telgter traten seinerzeit ebenfalls der Kolpingsfamilie bei. Mittelpunkt des Vereinslebens war das Kolpinghaus an der Steinstraße. Einmal im Monat fanden im kleinen Saal im Obergeschoss Treffen statt.

Gut kann sich der heute 87-jährige Johannes Markmann noch an seine Anfangsjahre erinnern, als bei den Zusammenkünften Vorträge unterschiedlicher Art stattfanden. „In erster Linie ging es uns aber um Geselligkeit und Kameradschaft. Doch auch Themen wie Bausparen oder Kirche im Wandel standen mehrfach auf dem Programm.

Unter anderem das Thema Bausparen hatte für viele eine Bedeutung, denn in den Nachkriegsjahren entwickelte sich auch die Kolpingsiedlung. Viele Mitglieder nutzten das Angebot seinerzeit und begannen dort, in Eigenleistung ihre Wohnhäuser zu errichten.

Für eigenes ehrenamtliches Engagement in der Kolpingsfamilie fanden Johannes Markmann und Reinhold Brockamp wenig Zeit. Beruf und Familie hatten seinerzeit einen höheren Stellenwert. Die angebotenen Veranstaltungen wie Kolping-Gedenktage und Josefsfeste haben sie aber immer mitgemacht.

Der Monatsbeitrag betrug 80  Pfennige

An die verschiedenen Geistlichen an der Spitze der Kolpingsfamilie, dabei fallen Namen wie Vikar Dr. von Hülsen und Vikar Johannes Askemper, können sie sich noch gut erinnern. Und natürlich an die Feste: „Unsere Sommer- und Karnevalsfeste füllten das Kolpinghaus bis auf den letzten Platz.“ Der monatliche Mitgliedsbeitrag betrug damals übrigens 80 Pfennige.

Reinhold Brockamp ist in Billerbeck der Kolpingsfamilie beigetreten. Der Grund dafür: Weil er ab dem 1. April 1948 eine dreijährige Lehre zum Kürschner bei seinem Onkel in Billerbeck absolvierte.

Von Billerbeck zog es den Kürschnergesellen anschließend nach Albersloh. Seinen Wohnsitz verlegte er nach Telgte und schloss sich der Kolpingsfamilie dort an. Von 1953 bis 1955 arbeitete Reinhold Brockamp als Kürschner in Aachen. In dieser Zeit nutzte er die Mitgliedschaft, um Kontakte zu knüpfen und mit Gleichgesinnten die Freizeit zu gestalten.

Im Aachener Kolpinghaus bekam er zudem für zwei Jahre eine Wohnung. 1956 führte ihn der Kürschnerberuf dann nach Hamm. Auch dort lebte er ein Jahr im Kolpinghaus und sang im Kolpingchor.

Mit 34 Jahren hatte er seine „Wanderjahre“ beendet. Er übernahm 1968 den elterlichen Betrieb an der Münsterstraße. Ab diesem Tag gehörte er endgültig der Kolpingsfamilie Telgte an. Ein Jahr lang war er auch im Vorstand aktiv.

Fehlender Nachwuchs bereitet Sorgen

Neben den Aktivitäten vor Ort waren auch Verbandseinrichtungen wie das Bildungswerk und die Familienferienstätten immer wieder ein Argument für Interessierte, sich der Gemeinschaft anzuschließen. Denn das Kolpingwerk verstand sich zunehmend als gesellschaftspolitischer Akteur mit Schwerpunkt in den Bereichen Gesellschafts-, Sozial- und Familienpolitik.

„Heute“, so bedauern die beiden langjährigen Mitglieder, „findet die Kolpingsfamilie leider keinen oder kaum nach Nachwuchs.“ Sie sehen die Gefahr, dass die einst starke Gemeinschaft an Bedeutung verliert. Eines kann ihnen aber trotzdem keiner mehr nehmen – viele schöne Erinnerungen an die Zeit.

Startseite
ANZEIGE