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Spaziergang mit dem Nabu-Experten Andreas Beulting durch den Emsauenpark

Es summt und brummt an allen Ecken

Telgte

Der Emsauenpark ist ein Paradies für selten gewordene Wiesenpflanzen und Insekten. Was dort so alles blüht und grünt, weiß Andreas Beulting vom Nabu.

Nabu-Naturschutzexperte Andreas Beulting vor einem blau blühenden Gewöhnlichen Natternkopf. Der Fachmann ist bei seinen Rundgängen immer wieder selbst fasziniert von der Vielfältigkeit der Natur. Foto: Hannah Frie/NABU-Naturschutzstation

Bunte Blüten, fleißige Bienen und schöne Schmetterlinge: Der Emsauenpark ist ein Paradies für selten gewordene Wiesenpflanzen und Insekten. Denn zu der idyllisch anmutenden Auenlandschaft gehören zahlreiche Wiesenflächen, die bis in den Spätsommer hinein einem Blütenmeer gleichen.

Mit dem Emsauenpark hat die Stadt Mitte der 1980er Jahre gebündelt Ausgleichsflächen geschaffen, die sich über etwa 25 Hektar erstrecken. Aus den einstigen Ackerflächen ist heute ein abwechslungsreicher, naturnaher Landschaftspark geworden, durch den ein 6,5 Kilometer langer Rundwanderweg nördlich und südlich der Ems an Wiesen, Teichen und Waldstücken vorbeiführt. Bei der Umgestaltung und Pflege der Flächen steht die Nabu-Naturschutzstation Münsterland der Stadt Telgte seit vielen Jahren tatkräftig zur Seite.

Was hier so alles blüht und grünt, weiß Andreas Beulting, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Naturschutzgebietsbetreuer beim Nabu. Um besondere Wiesenpflanzen genau in Augenschein zu nehmen, wählt er den Weg durch die sogenannte Nordschleife, wo standorttypische Magerwiesen zu finden sind. An diesen trockenen Standorten wachsen etwa Hasen-Klee, Heide-Nelke, Arznei-Thymian, Berg-Sandglöckchen und Gewöhnlicher Natternkopf.

Nicht nur der Anblick der rosafarbenen, violetten und blauen Blüten ist ein Genuss, auch der Duft, etwa des Thymians, ist ein Erlebnis für die Sinne. Für weitere Farbtupfer sorgen typische Wiesenpflanzen wie Acker-Witwenblume, Wiesen-Bocksbart und Wiesen-Pippau. An Gräsern gedeihen hier unter anderem Sand-Straußgras, Nelken-Haferschmiele und Mäuseschwanz-Federschwingel.

Flächen sind vielschichtig zusammengesetzt

Wiese ist im Park nicht gleich Wiese: Vielmehr sind die Flächen je nach Standort vielschichtig zusammengesetzt. Dementsprechend zeigt Beulting auf einer feuchteren Wiesenfläche in einer Senke am Waldrand auf hier typische Pflanzen wie den Großen Klappertopf, die Wasserminze, das Echte Mädesüß, die Gelbe Schwertlilie, den Gewöhnlichen Blutweiderich und heimische Orchideenarten wie das Breitblättrige Knabenkraut. Daneben fühlen sich Seggen und Binsen als Gräser in diesen Feuchtwiesen und in den Sumpfzonen entlang der Böschung zur Emsterrasse wohl.

Sind die passenden Pflanzen vorhanden, ziehen sie entsprechende Insektenarten an. Sofort fallen die vielen Wildbienen auf, die – wie die Weiden-Sandbiene und die Frühjahrs-Seidenbiene – überall um die Blüten herum brummen und summen. „Das ist ein Eldorado für Wildbienen“, sagt Andreas Beulting mit Blick auf die Blütenvielfalt.

Auch Schmetterlinge profitierten

Auch die Schmetterlinge profitieren von der bunten Pflanzenvielfalt. Am Waldrand fliegt gerade ein großer orangefarbener Falter mit dunklen Flecken vorbei: Es ist ein Kaisermantel, ein Schmetterling, für den ein schmales, silbriges Band auf der Unterseite der Hinterflügel typisch ist. In trockeneren Bereichen kommen Schmetterlingsarten wie der Hauhechel-Bläuling, der Kleine Feuerfalter und das Kleine Wiesenvögelchen vor. Während sich die Wildbienen und Schmetterlinge am Nektar laben, ernähren sich die verschiedenen Heuschreckenarten wie Gefleckte Keulenschrecke, Bunter Grashüpfer, Großes Heupferd und Roesels Beißschrecke von den Gräsern. „Für die Heuschrecken sind vor allem die passenden Strukturen und das Mikroklima entscheidend“, erläutert der Naturschutzgebietsbetreuer.

Um einer Verbuschung und letztlich einer Waldentstehung entgegenzuwirken, werden Wiesenflächen seit einigen Jahrtausenden vom Menschen gemäht beziehungsweise von Weidetieren abgeweidet. „Die Wiese an sich ist ein von Menschen gemachter Lebensraum“, so Andreas Beulting. Während Wiesenflächen jedoch früher nur wenig gedüngt wurden, änderte sich dies im Zuge ihrer heute üblichen intensiven Nutzung. Dies ging auf Kosten der Artenvielfalt. Die Wiesen im Emsauenpark werden daher extensiv bewirtschaftet und somit seit Jahren nicht mehr gedüngt. Dennoch muss auch hier mit Bedacht eingegriffen werden, um die Pflanzenvielfalt zu erhalten.

Nabu setzt auf Mahdgut-Übertragung

Zunächst gilt es, die Wiesen artenreich zu gestalten. Hierzu setzt der Nabu eine sogenannte Mahdgut-Übertragung ein. Dabei gilt es laut Beulting, bislang artenarmes Grünland mit standorttypischen Arten anzureichern. Dafür wird zunächst der Boden einer Wiesenfläche bei kurzer Grasnarbe, am besten nach dem Abmähen, gefräst. Anschließend kommt das gesammelte Mahdgut von artenreichen Wiesen, den sogenannten Spenderflächen, hinzu, und die Samen werden auf diese Weise ausgestreut.

Zudem ist eine durchdachte Pflege der Wiesenflächen wichtig, damit nicht nur bestimmte Gräser und Pflanzen dominieren. Dies könne ansonsten bei wüchsigen Wiesen relativ rasch geschehen, weiß Andreas Beulting. Folglich umfasst das Konzept der Weidewirtschaft in den Emsauen je nach Bewuchs jährlich eine ein- bis zweimalige Mahd oder eine Beweidung. Darüber hinaus wird zeitlich versetzt gemäht, sodass einige Flächen ab Ende Mai, andere erst zum Spätsommer hin geschnitten werden. Wo es sehr schwach wüchsig ist, betreiben im Herbst Schafe die Weidepflege.

Mähen auf insektenfreundliche Weise

Um die Wiesenbewohner nicht zu stark zu gefährden, mäht der Landwirt Manfred Fockenbrock auf insekten- und amphibienfreundliche Weise mit einem Doppelmessermähwerk. „Die Tiere können darüber springen“, erklärt Beulting. Dies gelinge ihnen bei herkömmlichen Geräten nicht.

Während man in der intensiven Grünlandwirtschaft im Regelfall eine Wiesenfläche im Ganzen an einem Tag mäht, wird hier mit Absicht nicht alles gleichzeitig geschnitten. Grundsätzlich bleiben immer etwa zehn Prozent stehen. Darüber hinaus werden Teilbereiche jährlich abwechselnd gar nicht geschnitten. Wenn immer etwas Ungemähtes verbleibt, profitieren späte Insekten beziehungsweise deren Entwicklungsstadien davon, wie bei der Schmetterlingsart Schwalbenschwanz, deren Puppen an Pflanzen überwintern.

Die differenzierte Mahd lässt sich an den Wiesen erkennen, wo überständige und neu gewachsene Bereiche direkt nebeneinanderstehen. Im neuen Aufwuchs gedeiht als erstes das Labkraut, ihm folgen Wiesen-Platterbse, Bibernelle, Wilde Möhre und Wiesen-Flockenblume.

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