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KG „Schwarz-Gold“ Telgte

Frau übernimmt die Macht

Telgte

Prinzessin „Ingrid I. von Reisedrang mit Walzerklang“ eroberte am 11.11. im Rathaus die Herzen der Telgter im Sturm. Sie ist die erste Frau an der Spitze der Karnevalsgesellschaft „Schwarz-Gold“. Beim Karnevalsauftakt durfte die traditionelle Schlüsselübergabe nicht fehlen.

Bernd Pohlkamp

Prinzessin Ingrid I. Amshoff präsentierte sich mit dem Elferrat und dem Präsidium, nachdem die Narren am Montagabend Bürgermeister Wolfgang Pieper den Rathausschlüssel entrissen hatten. Foto: Pohlkamp

Premiere in der Krippenstadt: Erstmals seit 53 Jahren steht mit Ingrid Amshoff eine Frau an der Spitze der Karnevalsgesellschaft „Schwarz-Gold“. Prinzessin „Ingrid I. von Reisedrang mit Walzerklang“ eroberte am 11.11. im Rathaus die Herzen der Telgter im Sturm. Ihr zur Seite steht ein Elferrat mit Männern und Frauen.

Selten war das Geheimnis um den neuen Prinzen, respektive in diesem Fall die neue und erste Prinzessin, so gehütet worden wie dieses Mal. Alles deutete im Vorfeld bereits auf Veränderung hin. Vor allem haben es die Frauen im Elferrat geschafft, in die seit 1966 nur von Männern dominierte Prinzenriege vorzustoßen. Präsident Franz Winkels, gerade als Prinz abgelöst, machte es besonders spannend. Er sorgte minutenlang für eine Achterbahn der Gefühle, als er den neuen Prinzen im Publikum suchte. Dann endlich öffnete sich die gläserne Tür und – begleitet vom Vadruper Fanfarenzug – folgte der triumphale Einmarsch: Erstmals bejubelte das Publikum eine Prinzessin. Ingrid Amshoff wurde mit Begeisterung und Beifall empfangen. So­gleich nahm sie ihre erste Amtshandlung vor: Die Ordensverleihung an den scheidenden Prinzen Franz Winkels, an Bürgermeister Wolfgang Pieper und an den Elferrat. Inmitten des schwarz-gold gekleideten Gremiums machte Ingrid I. eine gute Figur und punktete nicht nur mit ihrem rot leuchtenden Kleid, sondern wählte auch die richtigen Worte: „Seit 1988 lebe ich mit meiner Familie in Telgte. Mein Herz schlägt für die Stadt. Wir stehen vor einer tollen Session“, sagte sie an das Narrenvolk gerichtet.

Das abendfüllende Programm hatte mit einem Umzug durch die Altstadt und mit dem Einmarsch aller Karnevalisten und des Vadruper Fanfarenzuges ins Rathaus begonnen. Präsident Franz Winkels eröffnete die Session. Sowohl die Telgter Stadtgarde als auch Stadtlore Leonie Düttmann erfreuten das Publikum.

Ein weiterer Höhepunkt war die symbolische Schlüsselübergabe. Doch zuvor musste sich der Hausherr als Flötenspieler beweisen. Denn die Karnevalisten stellte den Bürgermeister an den Pranger. Die Geschichte dabei: Wolfgang Pieper, an diesem Abend, sorge zwar seit neun Jahren für das Wohlergehen der Stadt. Nur eine kleine Gruppierung namens KG „Schwarz-Gold“ wolle nicht nach seiner Flöte tanzen. Alle Versuche dieser Gruppierung, das Rathaus für immer zu übernehmen, scheiterten, weil sich der Bürgermeister geschickt und wortgewandt wehrte. Am Montagabend war es soweit, die altertümlich gekleideten „grauen Gestalten“ stellten ihn an den „Telgter Pranger“, um dann den Schlüssel mit Gewalt an sich zu reißen. Pieper konnte sich nur mit einer Flöte befreien. Und das gelang ihm, weil er sich an die Sage vom „Rattenfänger von Hameln“ erinnerte: Mit seinem faszinierenden Flötenspiel lockte er die Narren vom Pranger weg.

Der Karnevalsauftakt war gelungen, gefeiert wurde natürlich weiter im „Mittendrin“. Und bei den kommenden Auftritten wird Prinzessin Ingrid I. wohl eine besondere Aufmerksamkeit erfahren. Übrigens: Am 2. Dezember beginnt der Kartenvorverkauf für den Galaabend am 14. Februar. Am 10. Januar ist die Herrensitzung. Der Prinzenfrühschoppen findet am 9. Februar statt. Abschließender Höhepunkt wird der erste Telgter Straßenkarneval am 22. Februar sein.

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