1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Telgte
  6. >
  7. Gaststätte Osthues-Brandhove geschlossen

  8. >

Tränen in den Augen

Gaststätte Osthues-Brandhove geschlossen

Telgte

Christa und Dieter Osthues haben mit Wehmut die Traditionsgaststätte Osthues-Brandhove für immer geschlossen. Der Familienbetrieb – in vierter Generation geführt – stand rund neun Jahrzehnte für westfälische Gemütlichkeit.

Von Bernd Pohlkamp

Christa und Dieter Osthues haben die Gaststätte Osthues-Brandhove kurz vor Weihnachten geschlossen. Unter anderem die Pandemie hat mit zu diesem Schritt geführt. Foto: Bernd Pohlkamp

Christa und Dieter Osthues haben mit Wehmut die Traditionsgaststätte Osthues-Brandhove für immer geschlossen. Der Familienbetrieb – in vierter Generation geführt – stand rund neun Jahrzehnte für westfälische Gemütlichkeit. Die vielen Stammgäste schätzten das Ambiente, den Service und natürlich die Küche mit westfälischen Speisen.

Kurz vor Weihnachten Zapfhahn zugedreht

Als kurz vor Weihnachten der Zapfhahn für immer zugedreht wurde, waren zuvor der letzte Tropfen Bier und auch viele Tränen geflossen. Die guten Wünsche, Überraschungen und Präsente zum Abschied machten es Christa und Dieter Osthues mit ihrer Tochter Jaqueline und den Söhnen Daniel und Timo in den letzten Tagen und Stunden nicht leicht, Abschied zu nehmen. „Wir sind sehr gerührt von der überwältigenden Anteilnahme. Einige Stammgäste erschienen sogar im schwarzen Anzug“, so Christa Osthues.

Alle hätten die Schließung bedauert: „Wo sollen wir jetzt hin“, hätten viele Gäste in den letzten Wochen immer wieder gefragt. Vereine und Clubs stehen nun ohne Saal dar, 24 Kegelclubs verlieren ihre „Heimat“, die St. Anna-Bruderschaft und der Hegering ihr Vereinslokals und auch der 1956 gegründete Sparclub Heide hört auf.

Oft kam die Frage nach dem Warum. Immer wieder antworteten Christa und Dieter Osthues: „Aus gesundheitlichen Gründen, weil wir das Rentenalter erreicht haben und Corona uns die Entscheidung erleichtert hat. Zu sehr waren wir von der Pandemie betroffen. Wir haben viel Personal verloren und nicht wieder zurück gewinnen können.“

Volles Haus am letzten Arbeitstag

Am letzten Arbeitstag gab es noch einmal ein volles Haus. Viele nahmen Abschied. Dazu gehörten auch die Jagdhornbläser des Hegerings, für die seit Jahrzehnten Osthues-Brandhove zu einer Art Heimat geworden war. Sie spielten ein Abschiedsständchen. „Mir standen die Tränen in den Augen“, freuten sich Christa und Dieter Osthues, die 28 Jahre lang den Familienbetrieb führten.

Dieter Osthues sorgte als gelernter Koch für die Speisen. Christa Osthues entwickelte sich zu einem Multitalent. Von der Organisation und Durchführung von Veranstaltungen über die Terminvergabe bis hin zu Tisch- und Saaldekoration – sie hatte alles im Griff.

Erinnerungen

Christa erinnert sich an die vielen Begegnungen. „Glücklich war ich immer, wenn die Gäste den dekorierten Saal betraten und vor Freude weinten. Diese Momente haben mir immer wieder Auftrieb gegeben.“

Tochter Jaqueline unterstütze ihre Eltern seit 1996 und absolvierte wenige Jahre später eine Ausbildung zur Restaurant-Fachfrau. Seitdem übernahm sie die Serviceleitung, den Schriftverkehr und die Dienstplanung von bis zu 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Für viele Gäste und für die Vereine war sie erste Ansprechpartnerin.

Sohn Daniel Osthues stand als gelernter Koch seinem Vater insbesondere an Wochenenden zur Seite. Timo Osthues als Betriebswirt übernahm Büro- und Verwaltungsaufgaben. „Wir waren immer ein gutes Team“, sind sich alle einig.

Und dennoch kam eines Tages der Moment, wo die Familie vor der Entscheidung stand, den Betrieb zu schließen. „Die Gesundheit und Corona haben diesen Entscheidungsprozess sicherlich beschleunigt“, so Christa und Dieter Osthues.

Was passiert jetzt mit Osthues-Brandhove? Darauf wollten viele Gäste eine Antwort. „Wir wissen es noch nicht. Es gibt mehrere Optionen. Für die Entscheidung lassen wir uns Zeit“, sagt das Wirte-Ehepaar.

Doch ganz verschwinden Christa und Dieter Osthues nicht aus der Gastronomie. Seit 1965 betreibt die Familie nämlich den Waldschwimmbad-Kiosk. Traute Hass, die Mutter von Christa Osthues, hatte 40 Jahre lang im Freibad den Kiosk geführt. In diese Fußstapfen werden Christa und Dieter Osthues nun treten und dort in den kommenden Jahren zumindest an den warmen Tagen Gäste bedienen. Dann kann es auch passieren, dass sich das eine oder andere beliebte Speiseangebot aus der Gaststätte auf der Menükarte des Kiosk wiederfindet.

Startseite
ANZEIGE