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Diamantene Hochzeit im Hause Theilmeier

„Gegenseitige Rücksichtnahme ist wichtig“

Telgte

Vor sechzig Jahren haben Karola und Wilhelm Theilmeier die Ringe ausgetauscht. Was Liebe auf den ersten Blick war, hält damals wie noch heute. Das Geheimnis ist ganz banal.

Andreas Große-Hüttmann

Karola und Wilhelm Theilmeier sind seit genau sechs Jahrzehnten verheiratet. Gefeiert wird, wegen Corona, in den nächsten Tagen gleich fünf Mal. Foto: Andreas Große Hüttmann

Karola Theilmeier überlegt keine Sekunde: „Gegenseitige Rücksichtnahme ist ganz wichtig“, sagt die Telgterin auf die Frage, was das Erfolgsrezept für die Ehe ist, die seit genau 60 Jahren besteht. Und ihr Mann nickt zustimmend. Die beiden Jubilare müssen es wissen, denn sie sind nicht nur seit sechs Jahrzehnten ein Paar, sondern haben auch beruflich stets Hand in Hand gearbeitet. Wilhelm Theilmeier als Chef im Garten- und Landschaftsbaubetrieb, seine Frau als Chefin im Büro der Firma.

Dass sie in Telgte ansässig würden, daran haben Karola und Wilhelm Theilmeier vor sechs Jahrzehnten noch nicht gedacht. Denn gebürtig stammt er aus Rietberg und sie aus Gelsenkirchen-Buer.

Nach der Schule und einer Ausbildung zum Gärtner wechselte Wilhelm Theilmeier in den Folgejahren einige Male die Stelle, um Erfahrungen in verschiedenen Bereichen seines Handwerks zu sammeln. Ob Baumschulen oder der Botanische Garten in Gütersloh – der Wahl-Telgter erwarb auf diese Weise ein umfangreiches Wissen, das ihm beim späteren Schritt in die Selbstständigkeit half.

„Liebe auf den ersten Blick“

Seine Frau Karola stammt aus einer Beamtenfamilie und nahm nach dem Realschulabschluss eine Ausbildung zur Verwaltungsangestellten bei der AOK auf. Mit Pflanzen und Bäumen hatte sie bis zum 28. Februar 1959 nicht viel zu tun. Doch an diesem Tag änderte sich das schlagartig. Denn ein guter Bekannter nahm sie mit zum Meisterkommers der Gärtner. Dort lernte sie Wilhelm Theilmeier kennen, der zusammen mit anderen gerade seine bestandene Prüfung feierte. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt das Paar auch noch nach 60 Jahren.

Dass es die beiden wenige Jahre später nach Telgte verschlagen würde, daran dachten die Theilmeiers am 22. September 1960 noch nicht, als sie sich zuerst standesamtlich und einen Tag später kirchlich das Ja-Wort gaben. Doch 1966 tat sich eine Chance auf, den lang ersehnten Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen. In Telgte wurde in der Bauerschaft Berdel eine Siedlerstelle mit zwei Hektar Land angeboten. Der Vertrag wurde unterschrieben, und zwei Jahre später wurde auf der Fläche der Traum vom eigenen Garten- und Landschaftsbaubetrieb wahr.

Zweites Standbein in Alverskirchen

Das Unternehmen florierte, und bereits 1981 wurde das Areal im Berdel für den Betrieb, der bereits rund 15 Mitarbeiter beschäftigte, zu klein. Aufgrund fehlender Expansionsmöglichkeiten in der Emsstadt entschied sich Wilhelm Theilmeier nach reiflicher Überlegung schließlich für ein großes Gewerbegrundstück im nahen Alverskirchen.

Dort baute er einen zweiten Betrieb auf, denn der „Telgter Gartenbau“ blieb dem Standort Telgte treu, in Alverskirchen entstand „Theilmeier Garten- und Landschaftsbau“. Schnell gehörte das Unternehmen zu einem der großen in der Region.

Ein Glücksfall ist für Karola und Wilhelm Theilmeier, dass die Nachfolge generationenübergreifend gesichert ist. Seit etlichen Jahren führt Edgar Theilmeier den Betrieb in Alverskirchen, seine Schwester Hildegard das Unternehmen „Telgter Gartenbau“. Und auch die nächste Generation steht bereits in den Startlöchern. Vier Kinder gingen aus der Ehe hervor. Sieben Enkel gehören bereits zur Familie.

Kreis-Gärtnermeister

Für seinen Berufsstand engagierte sich Wilhelm Theilmeier jahrelang auf verschiedene Weise, unter anderem als Kreis-Gärtnermeister. Zudem war er jahrzehntelang Mitglied der Kolpingsfamilie und der Karnevalsgesellschaft Schwarz-Gold. Und für die CDU hat er einige Zeit im Stadtrat gesessen.

Um sich geistig fit zu halten, findet im Hause Theilmeier seit Jahren allabendlich ein Spieleabend statt. Mit Schach geht es los, danach werden die Karten gekloppt, oder andere Spiele stehen auf dem Programm, die die Konzentration fördern.

Gefeiert wird, wegen Corona, übrigens fünf Mal. Und dabei natürlich auch mit den Nachbarn, denn daran lassen Karola und Wilhelm Theilmeier keinen Zweifel: „Wir sind seinerzeit in Telgte hervorragend aufgenommen worden, und wir fühlen uns hier pudelwohl.“

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