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Kältekammer bei Vartmann

Glücksgefühl bei minus 85 Grad

Telgte

Auf in die Kältekammer: Dieses Verfahren wurde ursprünglich 1980 in Japan für die Behandlung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen entwickelt. Nachdem es sich in Kliniken sowie im Leistungs- und Wettkampfsport seit längerer Zeit zwecks Rehabilitation und Regeneration etabliert hat, wird es nun zunehmend auch in anderen Bereichen wie Fitness, Wellness und Schönheit angewandt.

Von Hannah Frie

Das Team von Profi-Boxtrainer Ole Barth vom Box-Leistungsstützpunkt Münster, darunter Deutsche Meister und Bundesligaboxer, haben „Kälteglück“ bereits ausprobiert. Foto: Hannah Frie

Schon der Gedanke lässt einen frösteln: Minus 85 Grad zeigt das Thermometer. Doch wer denkt, dass die Nutzer der Kältekammer, einer neuen Sparte des Umzugsunternehmens Vartmann im Kiebitzpohl, für eine Arktisexpedition trainieren, liegt falsch: Denn die Kälte wird gezielt therapeutisch eingesetzt.

Was zunächst unglaublich klingt, soll sich nach Auskunft von Unternehmenschef Michael Vartmann in vielerlei Hinsicht positiv auf Körper und Geist auswirken – und durch die Ausschüttung von Endorphinen zudem glücklich machen. Das Team von „Kälteglück“ Telgte, so hat der Unternehmer dieses Projekt getauft, ist Teil des „RemediCool Kältekammer Forschungs- und Testzentrums“ in Köln, bestehend aus Medizinern und Wissenschaftlern, die sich mit Kryotherapie, also dem gezielten therapeutischen Einsatz von Kälte, befassen.

Ganzkörperkältetherapie

Zur Kryotherapie gehört die sogenannte Ganzkörperkältetherapie, bei der kurzzeitig extreme Kälte in einer Kältekammer auf den ganzen Körper einwirkt. Dieses Verfahren wurde ursprünglich 1980 in Japan für die Behandlung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen entwickelt. Nachdem es sich in Kliniken sowie im Leistungs- und Wettkampfsport seit längerer Zeit zwecks Rehabilitation und Regeneration etabliert hat, wird es nun zunehmend auch in anderen Bereichen wie Fitness, Wellness und Schönheit angewandt.

Die Einzelkältekammer wirkt wie eine raumhohe Duschkabine, deren Front komplett verglast ist und die sich in einem separaten Raum befindet, den jeder Besucher nach vorheriger Einweisung alleine aufsucht. Das Gerät wird elektrisch betrieben, was zu 90 Prozent über die eigene Photovoltaikanlage des umweltzertifizierten Betriebs erfolgt.

Bei der Anwendung trägt man Unterwäsche – lediglich besonders kälteempfindliche Körperbereiche wie Nase, Ohren, Füße und Hände müssen geschützt werden. Entsprechendes Schutzmaterial wird bereitgestellt. Zudem kann sich der Kunde vorab Musik auswählen, die während der Kälteanwendung über Kopfhörer zu hören ist und das Wohlbefinden steigern soll.

Gut zu ertragen

„Die minus 85 Grad sind gut zu ertragen, da nur eine ganz geringe Luftfeuchtigkeit, also trockene Kälte, herrscht“, versichert Michael Vartmann. So haben es auch zwei seiner Mitarbeiterinnen bei ihren ersten Anwendungen empfunden. „Es war eine angenehme Kälte. Man konzentriert sich auf sich selbst, auf das Wesentliche“, berichtet Isabel Genius, die in der Verwaltung tätig ist. Diese Eindrücke bestätigt Susanna Vartmann, zuständig für das Personalwesen sowie das Qualitäts- und Umweltmanagement. Die Schwester von Michael Vartmann beschreibt gerade die Kombination mit Musik als entspannend. Dadurch, dass die Kabine geräumig, verglast und ihre Tür jederzeit zu öffnen sei, habe sie sich darin wohl und nicht eingeengt gefühlt.

Die Ganzkörperkältetherapie regt den Zellstoffwechsel an, wirkt durchblutungsfördernd und entzündungshemmend sowie durch die Ausschüttung von Endorphinen stimmungsaufhellend. Michael Vartmann zufolge hilft sie zum Beispiel dabei, Schmerzen zu lindern, Hauterkrankungen abzuheilen, die Regeneration nach dem Sport zu beschleunigen, die Gewichtsreduktion anzuregen und die Haut zu straffen. „Aber auch bei psychischen Problemen wie Angst und Depression kann die Kältekammer begleitend eingesetzt werden“, so Vartmann. Darüber hinaus sei man nach der Kälteanwendung konzentrierter und fokussierter bei der Arbeit, was das Verfahren, neben anderen gesundheitlichen Aspekten, für das betriebliche Gesundheitsmanagement interessant mache.

Anamnese mittels einer App

Kontraindikationen gebe es nur wenige, beispielsweise einen aktiven Tumor oder eine fortgeschrittene Schwangerschaft. Um diese persönlichen gesundheitlichen Faktoren zu ermitteln, wird beim ersten Besuch eine Anamnese mittels einer App durchgeführt. Daraufhin werden individuell Dauer und Intervall errechnet, wobei eine Anwendung durchschnittlich zwischen dreieinhalb und viereinhalb Minuten dauert und bei Bedarf auch mehrfach am Tag erfolgen kann.

In wenigen Wochen steht laut Michael Vartmann zusätzlich „die weltweit erste mobile Variante“ der Einzelkältekammer zur Verfügung. Diese wurde in Zusammenarbeit mit der Firma Bolle System- und Modulbau entwickelt. Zum Transport wird die mobile Version auf einen Lkw gesetzt und zum jeweiligen Einsatzort transportiert. Für die mobile Kältekammer gebe es bereits Anfragen von Veranstaltern großer internationaler Profisport-Turniere.

Interessierte sind bei der Eröffnung der Kältekammer am 21. Mai von 10 bis 18 Uhr auf dem Gelände der Firma Vartmann International dazu eingeladen, selbst ihr „Kälteglück“ auszuprobieren.

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