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Kunstaktion in ehemaliger Rossmann-Filiale

Insel im alltäglichen Stadtleben

Telgte

Für Kunstaktionen im öffentlichen Raum sind die Kulturnomaden Telgte bekannt. Michel M. ließ sich nun beim Zeichnen beobachten.

wn

Dem Künstler Michel M. konnten Passanten am vergangenen Wochenende über die Schulter schauen. Er zeichnete in den Abendstunden in der ehemaligen Rossmann-Filiale. Foto: privat

Eine großformatige Zeichnung auf transparenter Folie entstand in den Abendstunden der vergangenen Tage, von Samstag bis Montag, in der ehemaligen Rossmann-Filiale im Zentrum Telgtes. Von hinten war die Folie beleuchtet, so dass die Bezeichnung mit Faserschreibern von Passanten zu beobachten war. Das war auch die ausdrückliche Absicht der Aktion „re:sehen_polyimmersion“: das unmittelbare Erleben des Entstehens der Zeichnung, das Verfolgen der zeichnerischen Spuren in der Entwicklung. Sozusagen dem Künstler bei seiner Tätigkeit über die Schulter zu schauen. Das Projekt war ganz im Sinne der Kulturnomaden Telgte, deren Mitglied Michel M. ist: „Kultur braucht und schafft Raum.“ Deshalb tragen die Kulturnomaden immer wieder Kunstaktionen in den öffentlichen Raum.

Bei der Aktion „re:sehen_polyimmersion“ wurde die Schwelle zwischen Innen und Außen aufgehoben und eine Kontaktstelle zwischen dem Realem und dem Artifiziellen gebildet. Es entstand ein künstlicher Bereich, eine Insel im alltäglichen Ablauf des Stadtlebens.

Spontan entstandene Motive

Was auf der leeren Zeichenfläche entstehen sollte, war zu Beginn völlig offen. Die Motive entstanden spontan im Moment des Zeichnens aus den inneren Gemütsregungen des Künstlers. Seine zeichnerische Geste übertrug innere Impulse in eine für den Betrachter sichtbare Spur. Und so entwickelte sich letztendlich auf etwa 22 Quadratmetern aus Linienzügen und Schraffuren eine wild bewegte Szene aus verdrehten, verzerrten und zerrissenen Gestalten. Abgerissene Federn wirbeln umher. Es ist ein allgemeines Straucheln und Taumeln. Der Betrachter ist zu Recht an einen Totentanz erinnert. Ein wiederkehrendes Motiv in den Zeichnungen von Michel M.. Aber es ist ein Tanz ohne Ziel und ohne Opfer – ein sinnloser Tanz. Ob es ein Sinnbild der aktuellen Zeit ist, muss jeder Betrachter selbst entscheiden.

Zeichnung bleibt bis Monatsende

Der Künstler Michel M. ist den Telgter Bürgern kein Unbekannter. Als langjähriges Mitglied der Kulturnomaden wurde er 2015 von der Stadt Telgte als künstlerischer Vertreter mit Michael B. Ludwig nach Viljandi in Estland zu den Hansetagen entsandt. Neben verschiedenen Ausstellungen, Aktionen mit den Kulturnomaden und der internationalen Performancegruppe Sintos in Telgte, konnten schon ähnliche Zeichenperformances in der ehemaligen Schlecker-Filiale in Telgte und im La Folie in Ostbevern erlebt werden.

Bis zum Ende des Monats wird die Zeichnung – weiterhin in den Abendstunden hinterleuchtet – im Schaufenster verbleiben und kann noch besichtigt werden. Bereits im Mai gibt es dann schon die nächste Aktion von Mitgliedern der Kulturnomaden (siehe Bericht in der Mitte).

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