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Interview mit Fachmann Marco Imberge

Klimaschutz ist alternativlos

Telgte

Im Interview verrät Marco Imberge, langjähriger Klimaschutzmanager der Stadt, was seine größten Herausforderungen im Rahmen seiner Arbeit in den vergangenen Jahren waren.

Nach zehn Jahren in Diensten der Stadt Telgte wechselt Klimaschutzmanager Marco Imberge nun nach Münster. Im Interview erzählt er, warum das Thema Klimaschutz für ihn alternativlos ist. Foto: Andreas Große Hüttmann

Genau zehn Jahre lang hat sich Marco Imberge in der Verwaltung vor allem um das Thema Klimaschutz gekümmert. Zum 1. Juli wechselte der Verwaltungsmitarbeiter als Klimaschutzmanager in das entsprechende Fachamt nach Münster. Andreas Große Hüttmann sprach mit dem Klimaschutzmanager über seine Zeit in Telgte und die Projekte der nächsten Jahre.

Herr Imberge, als Sie nach Telgte kamen, wie war es da um das Thema Klimaschutz in der Verwaltung bestellt?

Marco Imberge: Ich kam als geförderter Klimaschutzmanager im Juli 2011 in die Stadtverwaltung und war ja sozusagen ein Produkt der bisherigen Klimaschutz-Arbeit. (lacht) Man hatte sich bereits mit dem European-Energy-Award auf den Weg gemacht und auch schon erste Projekte umgesetzt. Dabei wurde jedoch folgerichtig erkannt, dass auch ein konkretes Klimaschutzkonzept für Telgte und personelle Verstärkung zu dessen Umsetzung erforderlich waren – und selbstverständlich immer noch sind.

Was waren aus Ihrer Erinnerung die ersten größeren Projekte, die Sie in Angriff genommen haben?

Imberge: Das mag jetzt vielleicht überraschend klingen, aber das erste abgeschlossene Projekt hatte mit E-Mobilität zu tun: Gemeinsam mit den heutigen Stadtwerken Ostmünsterland wurde eine kostenlose Ladesäule für Pedelecs und E-Bikes auf dem Marktplatz in Betrieb genommen. Dann fällt mir noch die Umstellung der Erdgasheizung im Rathaus auf eine klimafreundliche Holzpelletheizung ein. Das Thema Windenergie war auch eines meiner ersten und wichtigsten, aber leider hat sich in den zehn Jahren aufgrund verschiedener Umstände nichts Wesentliches getan.

Was waren die größten Herausforderungen in den Jahren?

Imberge: Dabei komme ich auf das Stichwort Windenergie zurück, denn sie ist ohne Zweifel der Schlüssel für eine erfolgreiche Energiewende. Mir ist natürlich bewusst, dass Windenergieanlagen auch Auswirkungen auf die Umgebung haben. Aber einen Königsweg ohne irgendwelche Beeinträchtigungen gibt es eben nicht. Zuhause schaue ich auch auf drei Windenergieanlagen, die zwar keinen Schönheitspreis gewinnen, aber irgendwo muss der regenerative Strom ja herkommen . . .

Auf welches Projekt oder welche Idee sind Sie rückblickend besonders stolz?

Imberge: Auf die kontinuierliche und erfolgreiche Arbeit im European-Energy-Award, wofür wir in 2014 und 2018 jeweils mit dem wirklich anspruchsvollen Gold-Award ausgezeichnet wurden. Dies zeigt, dass man beim Klimaschutz immer am Ball bleiben muss. In 2022 steht übrigens die Rezertifizierung an.

Ihr Posten als Klimaschutzmanager war im Laufe der Jahre politisch nicht immer unumstritten. Hat Sie das belastet und in Ihrer Arbeit behindert?

Imberge: Das ist nett ausgedrückt, denn vereinzelt ist es dabei ja sogar über das Inhaltliche hinausgegangen. Aber davon abgesehen hat das natürlich gebremst. Ehrlich gesagt, hätte ich mir schon mehr Kontinuität der Politik bei Klimaschutz-Maßnahmen gewünscht.

Ist das Ziel, dass Telgte 2040 klimaneutral sein soll, eigentlich realistisch?

Imberge: Es ist zwar ambitioniert, aber auf jeden Fall erforderlich! Mit der Klimakrise kann man nämlich nicht verhandeln und Kompromisse finden. Wie realistisch unser Ziel ist, zeigt sich schon kurzfristig, wenn die Weichen für diesen Kraftakt entweder richtig gestellt werden oder nicht. Zur Wahrheit gehört aber selbstverständlich auch, dass wir auf geeignete Rahmenbedingungen aus Berlin, Düsseldorf und Brüssel angewiesen sind – zum Beispiel Förderprogramme, CO2-Bepreisung – ohne diese geht es vor Ort eben auch nicht.

Was wünschen Sie sich für Telgte in den nächsten Jahren vor allem?

Imberge: Zuerst einmal wünsche ich Telgte alles Gute! Im Sinne des Klimanotstands wünsche ich mir, dass alle Hebel in Bewegung gesetzt und auch unbequeme Entscheidungen pro Klimaschutz gefällt werden. Denn ehrgeizige Klimaschutz-Maßnahmen sind alternativlos und darüber hinaus die ökonomische Zukunft. Es geht um nichts weniger als den Erhalt unserer Lebensgrundlagen!

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