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Ruprecht Polenz referiert auf Einladung des Fördervereins Stupino-Telgte und Umgebung

Kontakte nutzen, um gegen die Lügen anzugehen

Telgte

Er gilt als ausgewiesener Fachmann, wenn es um die politischen Verhältnisse im Osten geht: Der Förderverein Stupino-Telgte und Umgebung begrüßte nun den Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde, Ruprecht Polenz, zum Gespräch.

-plk-

Ruprecht Polenz: Städtefreundschaften zwischen Russland und Deutschland sollte man derzeit ruhen lassen. Foto: Bernd Pohlkamp

Der Krieg in der Ukraine und die russische Partnerschaft mit Stupino waren Gespräch- und Diskussionsthemen des Fördervereins Stupino-Telgte und Umgebung im Johannes-Pfarrzentrum. Vor einer großen Zuhörerschaft begrüßte die Vorsitzende Dr. Irina Krasnova den Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde, Ruprecht Polenz.

Der Überfall Russlands auf die Ukraine am 24. Februar habe, so Ruprecht Polenz, der von 1994 bis 2013 für die CDU im Deutschen Bundestag auch acht Jahre lang Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses war, die Welt verändert. Das gelte auch für die Städtefreundschaften, die zwischen deutschen und russischen Städten bestehen. Er sprach in Telgte darüber, was man in einer solchen Situation mit einer Städtepartnerschaft machen könne: „Fortbestehen, einfrieren oder sie nutzen.“

Ausmaß der Katastrophe

Polenz weiter: „Es ist nicht die Zeit, Delegationen hin- und herzuschicken. Die persönlichen Kontakte kann man versuchen zu nutzen, indem man den guten persönlich Bekannten und den Freunden die Wahrheit über den Krieg erzählt. Denn von der eigenen Regierung und von den Medien werden die Menschen in Stupino belogen. Ob es eine Chance gibt, gegen diese Lügen anzugehen, das muss man sehen.“

Dr. Irina Krasnova zeigte sich ebenfalls entsetzt über das, was in der Ukraine durch Russland ausgelöst wurde: „Nach Charkiw, Cherson, Mariupol und Butscha wird nun das Ausmaß der Katastrophe, für die es keine Entschuldigung gibt, deutlich.“ Die Freundschaft zwischen den Partnerstädten, die man in der jüngsten Vergangenheit hatte, sei nicht mehr möglich. „Aber aus Respekt vor dieser Vergangenheit und in der Überzeugung, dass es in Stupino Menschen gibt, die den Krieg nicht akzeptieren, werden wir unsere russische Städtepartnerschaft zwar auf Eis legen, aber am Leben erhalten.“

Persönliche Beziehungen

Städtepartnerschaften leben sehr stark von persönlichen Beziehungen. Darin waren sich auch der Ehrenvorsitzende Klaus Beck, Dr. Rüdiger Robert und Bürgermeister Wolfgang Pieper einig. „Mir fehlt auch die Fantasie, wie ich beim nächsten Mal den Freunden in Stupino gegenübertreten soll angesichts des Dramas in der Ukraine. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass es eine Zukunft für Städtepartnerschaften gibt“, so Wolfgang Pieper.

Er machte auch deutlich, dass man bestehende Gesprächskanäle offen halten solle, um zu vermeiden, jetzt Gräben aufzumachen, die man später nicht mehr zuschütten könne. „Darum empfehle ich, derzeit nichts zu tun.“

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