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Gustav Peter Wöhler und Christian Maintz im Bürgerhaus auf der Bühne

Köstlich unterhaltsame Kost

Telgte

Der aus dem Fernsehen bekannte Gustav Peter Wöhler war zusammen mit Christian Maintz im Bürgerhaus zu Gast und begeisterte dort mit besonderen „kulinarischen Gedichten“.

Von Axel Engelsund

Gustav Peter Wöhler (l.) und Christian Maintz Foto: Axel Engels

Kann man einen ganzen Abend mit Geschichten und Gedichten über kulinarische Themen bestreiten und dabei überaus unterhaltsam sein? Vielen Akteuren gelingt dies sicherlich nicht, aber wenn sich zwei so versierte Künstler wie Gustav Peter Wöhler und Christian Maintz zusammen tun, funktioniert offenbar auch so etwas.

„Vom Knödel wollen wir singen“ heißt die 2018 erschienene Gedichtsammlung des Hamburger Autors, Literatur- und Medienwissenschaftlers Christian Maintz. Sie ist sicherlich etwas „leichtere Kost“, die man sich genüsslich zu Gemüte führen kann. Daher stammten wohl auch die meisten der ausgewählten Texte aus der Feder des sympathischen Hanseaten.

Dass ein so großer Rezitator wie der bekannte Schauspieler, Sänger und Hörspielsprecher Gustav Peter Wöhler ein kongenialer Partner für so einen Abend ist, war für das Publikum im nur mäßig gefüllten Bürgerhaus sicherlich ein Glücksfall. Denn er legte seine ganze Erfahrung und Kunst in die Rezitation der Texte, veredelte sie gleichsam durch seine ausdrucksstarke und hintergründige bis humoristisch eingefärbte Rezitation.

Schon der Start war besonders gewählt. Denn mit der bis ins Mittelalter aufzufindenden Form der „Leberreime“ sorgten die beiden Akteure für eine aufgelockerte Atmosphäre. Mit Esprit und Leidenschaft ging es dann zu „Deutschland – ein Wintermärchen“, dem leicht satirischen Versepos von Heinrich Heine. In der Stadt Hagen hatte Heine die altgermanische Küche genossen, dieser dann wortreich mit seinen Versen ein literarisches Denkmal gesetzt.

Die beiden Künstler wechselten die Jahrhunderte oftmals in Sekundenschnelle. Wenn die „ICE Romanze“ von Christian Maintz turbulent durch den Saal rauschte oder selbst der große Harry Rowohlt mit seinem „Gebet des Nashorns“ zu Worte kam, zeigte sich die Akribie und Detailgenauigkeit, mit der sich Gustav Peter Wöhler und Christian Maintz aus dem großen Feld der Literatur bedient hatten.

Von Friedrich Holländer kennt man sicherlich Lieder wie „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ aus dem Film „Der blaue Engel“. Sein Lied „Stroganoff“ taucht wohl auch gelegentlich in Kabarettprogrammen auf, denn da kann eine Sängerin ihre ganz schwarz-humoristische Seite einbringen. Aber so intensiv wie an diesem Abend rezitiert, zog der Text jeden Besucher in seinen Bann.

Die beiden Akteure beließen es aber nicht bei den Genüssen von Fisch (Christian Morgensterns Hecht) und Fleisch (Schnitzel von Eugen Roth), Kartoffeln bis Gemüse und der heilenden Wirkung von Drostes heißer Hühnersuppe. Auch den alkoholhaltigen Getränken widmeten sie ihre Kunstfertigkeit, von Wein bis Bier war ihnen nichts fremd, wie Gustav Peter Wöhler mit feinsinnig gespieltem übermäßigen Alkoholkonsum zeigte.

Dieser Abend wirkte durch die Bühnenpräsenz des großen Schauspielers intensiver und mit dem Autor Christian Maintz wurde den Literaturfreunden köstlich unterhaltsame und leicht verdaulicher Kost kredenzt.

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