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Erster Telgter Poetry Slam war ein voller Erfolg

Kreativ und wortgewandt

Telgte

Die Premiere des ersten Telgter Poetry Slams war ein voller Erfolg. Beim Finale auf der Slambühne im Kinder- und Jugendzentrum am Emstor präsentierten Nachwuchstalente sowie erfahrene Slampoeten ihre Künste. Zuvor hatte es einen Workshop gegeben.

Bernd Pohlkamp

Initiator Thomas Richhardt (r.) von der in Telgte ansässigen Künstlerinitiative Heimat X präsentierte mit Nina Heumann (2.v.l.) und Lynn Shirin-Bollmeyer (l.) zwei Nachwuchspoetinnen. Foto: Bernd Pohlkamp

Die Premiere der Sprachkünstler beim Telgter Poetry Slam ist gelungen. Initiator Thomas Richhardt von der in Telgte ansässigen Künstlerinitiative „Heimat X“ hatte diese Veranstaltung im Rahmen von „nachtfrequenz20 – Nacht der Jugendkultur NRW“ nach Telgte geholt. „Ein voller Erfolg“, freute sich der Autor und Dramaturg. Er wünschte sich aber für eine Neuauflage im kommenden Jahr ein noch größeres Interesse.

Beim Finale auf der Slambühne im Kinder- und Jugendzentrum am Emstor präsentierten Nachwuchstalente sowie erfahrene Slampoeten Gedichte, Geschichten, Sprachexperimente, Comedy-Szenen, verbale Abenteuer, philosophische Exkurse und musikalische Poesie. Höhepunkt war schließlich der Dichterwettstreit zwischen vier wortgewandten professionellen Poetinnen und Poeten. Diese Show hätte im Bürgerhaus ein viel größeres Publikum verdient gehabt.

Begonnen hatte der Tag mit einer Schreibwerkstatt und einem Beatbox-Training in der Stadtbücherei. Die Leitung lag in den Händen von August Klar. Bei dem Poetry-Slammer aus Paderborn, der als selbstständiger Künstler, Musiker und Beatboxer nationale und internationale Bühnenerfahrung hat, lernten die sieben jugendlichen Teilnehmer verschiedene Beatboxtechniken kennen. Dazu gehören die richtige Atmung, die perfekte Mund-Technik und wie man mit dem Mund Töne erzeugt. Zudem förderte der Workshop das Selbstvertrauen der jungen Teilnehmer, weil auch das Performen vor einer kleinen Gruppe geübt wurde.

Beim Workshop lernten alle kreatives Schreiben. Dazu ein Beispiel: Aus zwei vorgegebenen Wörtern wie „Berg“ und „Bär“ mussten die Teilnehmer innerhalb von zehn Minuten eine Geschichte oder ein Gedicht schreiben oder einfach nur kreative Gedanken auslösen und diese dann vortragen.

Zu den Jüngsten zählten die 14-jährige Telgterin Nina Heumann und die 15-jährige Lynn Shirin-Bollmeyer aus Beelen. Sie hatten sich auf einem Workshop von „Heimat X“ in Heek kennengelernt. Nina Heumann zeigte sich begeistert: „Weil wir so viel Spaß am Poetry-Slam hatten, treten wir seitdem gemeinsam auf.“ So meldeten sie sich zu diesem ersten Telgter Poetry-Slam mit Workshop erneut an. Für ihre Bühnenshow hatten sie die Idee, aus ihren englischsprachigen Lieblingsliedern ein Mixed zu performen und beim gemeinsamen Auftritt, einmal Anfangstexte – live – in Englisch zu singen und danach in Deutsch und in Worten zu übersetzen.

Die Bühnenshow lief im „Haus der Jugend“ ab: Moderator August Klar stellte die jungen Slam- und Comedy-Talente vor und freute sich auf deren Wortbeiträge, die sie zuvor beim Workshop einstudiert hatten. Alle sorgten mit ihren Texten und Tönen für spannende Unterhaltung.

Worauf es auf einer Slambühne ankommt, verdeutlichte Thomas Richhardt, der – wie auch alle anderen – die Bühnenshow mit Maske genüsslich verfolgte: „Es ist alles erlaubt, was man mit Worten anstellen kann. Man darf nur eigene Texte vortragen und keine Hilfsmittel einsetzen.“

Die Unterhaltungsshow wurde noch aufgewertet durch die Gastauftritte professioneller Slammer. Zu ihnen gehörte neben August Klar auch der Paderborner Alexander Paul. In Telgte begeisterte der Wortakrobat mit einer lustigen, sehr unterhaltsamen Rede, die sich ausschließlich um seine Person drehte.

Kristin Kieltsch (Bochum) erhielt für ihren Poetry-Slam-Auftritt ebenso viel Beifall vom Publikum wie Evgenija Kosov (Paderborn), die Gewinnerin des Deutschen Jugendfilmpreises 2017. Sie alle traten im zweiten Teil des Abends bei einem Dichterwettstreit erneut auf.

Das Publikum entschied sich schließlich für zwei Sieger: Alexander Paul und Kristin Kieltsch hatten mit ihren flammenden Wortbeiträgen das Publikum fasziniert.

Nina Heumann möchte in einigen Jahren auch soweit sein, dass sie bei einem Dichterwettstreit mit den Profis mithalten kann. Ihre in jüngster Zeit erlernten Fähigkeiten setzt sie inzwischen um. Sie schreibt eigene Liedtexte und wünscht, dass die Dichterkunst auch am Maria-Sibylla-Merian-Gymnasium Einzug halten möge.

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