1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Telgte
  6. >
  7. Telgter Tierklinik: Kruzifix in der Röhre durchleuchtet

  8. >

Untersuchung von Kunstwerk aus Selm-Cappenberg 

Telgter Tierklinik: Kruzifix in der Röhre durchleuchtet

Telgte

Ein spätmittelalterliches Kruzifix aus der Stiftskirche St. Johannes Evangelist in Selm-Cappenberg ist in der Tierklinik in Telgte durchleuchtet worden.

Begleiteten die CT-Untersuchung des Kruzifixes (v.l.): Restauratorin Beate Zumkley, Dr. Martina Dlugaiczyk vom Bistum Münster, LWL-Restauratorin Anke Dreyer und Dr. Bernadette Rohwerder von der Tierklinik Foto: LWL/Bodi

Mittlerweile ist die radiologische Untersuchung von bedeutenden Kunstwerken, oft mit einem religiösen Hintergrund, für die Mitarbeiter der Telgter Tierklinik zwar keine Sensation mehr, aber immer noch ein besonderes Ereignis. Nachdem vor etwas mehr als zwei Jahren das Telgter Gnadenbild durch den Computertomographen der Tierklinik geschoben und von den Experten dabei eingehend analysiert worden war, wurde nun ein spätmittelalterliches Kruzifix aus der Stiftskirche St. Johannes Evangelist in Selm-Cappenberg unter die Lupe genommen.

Initiiert wurde die Durchleuchtung vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Zusammenarbeit mit dem Bistum Münster und der Diplom-Restauratorin Beate Zumkley, in deren Werkstatt sich die rund 550 Jahre alte Holzarbeit derzeit befindet.

„Während der Restaurierungsarbeiten fiel ein Verschluss an der Schädeldecke des Korpus auf“, erläutert LWL-Restauratorin Anke Dreyer die Maßnahme. „Die CT-Untersuchung sollte zeigen, was sich darunter befindet. Zudem erhofften wir uns näheren Aufschluss über die technische Ausführung des angestückten Lendentuchs und weiterer Teile“, so die Mitarbeiterin der LWL-Denkmalpflege.

Bei der Untersuchung zeichnete sich am Kopf eine tiefe Öffnung ab, die durch einen Zapfen verschlossen ist. „Das ist ein Indiz dafür, dass ursprünglich Reliquien enthalten gewesen sein könnten“, so Dreyer. Auch Hinweise zur Entstehung des Kruzifixes zeigen die Bilder: „Die angesetzte Falte am Lendenschurz scheint leicht eingeschoben zu sein, mit Blick auf das Röntgenbild sind vermutlich auch die Locken am Kopf angestückt worden.“

85 Zentimeter breit und 128 Zentimeter hoch ist das Astbalkenkreuz, auf dem der Korpus angebracht ist. Der große Röhrendurchmesser des Computertomographen der Tierklinik – einer der größten seiner Art in Deutschland und Europa – machte eine strahlendiagnostische Untersuchung trotz dieser Ausmaße möglich. Normalerweise kommt die rotierende Röntgenröhre zur Diagnosestellung bei Pferden zum Einsatz.

„Es war ein großes Glück, dass die Tierklinik uns diese Untersuchung ermöglicht hat“, bedankte sich Dreyer für die Unterstützung aus der Emsstadt. Denn: „Mit Hilfe des Computertomographen konnten wir wertvolle Informationen gewinnen, ohne Originalsubstanz zu zerstören.“

Die Befunde dienen nicht nur der Wissenschaft, sondern auch der Erhaltung des Kunstwerks, wie Anke Dreyer betont: „Je mehr wir über ein Kunstwerk und seine Entstehung wissen, desto besser und nachhaltiger können wir es konservieren.“ Die Ergebnisse der Untersuchung werden die Restauratorinnen auswerten und als Bericht veröffentlichen.

Startseite
ANZEIGE