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Wie gehen Nachhilfeinstitute mit Bildungsgutscheinen um?

Logistische Herausforderung

Telgte

Da sich durch Corona bei den Schülern teilweise Bildungslücken ergeben haben, können Schüler diese mit dem Programm „Ankommen und Aufholen“ schließen. Die meisten Schüler sind dankbar für das Angebot, so das Fazit der örtlichen Nachhilfeinstitute.

Von Marion Bulla

Silvia Thomaschik (links), Inhaberin der Schülerhilfe, hat beobachtet, dass das Lernverhalten sich verändert hat. Alexandra Marktfort, Leiterin des Studienkreises, wurde gleichsam „überrannt“ von den Bildungsgutschein-Nutzern. Foto: Marion Bulla

Anfang November vergangenen Jahres ist das Programm „Ankommen und Aufholen“ gestartet. Mit dieser Aktion möchte das Land NRW mit finanzieller Unterstützung des Bundes nach Corona anhand von Bildungsgutscheinen Schüler und Schülerinnen individuell fördern und ihnen die Möglichkeit bieten, Wissenslücken, die aufgrund der Pandemie entstanden sind, zu schließen.

Ein Bildungsgutschein im Wert von 200 Euro deckt zehn Lerneinheiten ab. Diese finden in der Regel mindestens einmal in der Woche statt und dauern 90 Minuten. Nur in registrierten Instituten kann der Bildungsgutschein für Nachhilfe genutzt werden. Wie etwa der Studienkreis und die Schülerhilfe in Telgte.

Dass die Gutscheine ausgerechnet im Mai, also zu der Zeit herausgegeben wurden, als die Zehntklässler und Abiturienten mitten in den Prüfungsvorbereitungen steckten, sei für sie und ihr Team eine logistische Herausforderung gewesen, sagt Silvia Thomaschik, die seit 1998 Inhaberin der Telgter Schülerhilfe ist. „Die Eltern und auch Schulen waren aber extrem verständnisvoll. Das hat viel Geduld gebraucht, aber dann am Ende doch gut gepasst“, erzählt sie weiter. Ihr zertifiziertes Institut, das am Ostwall beheimatet ist, verfügt über zehn qualifizierte Nachhilfelehrer, die auch in den Ferien unterrichten.

Die Lehrer in den Schulen verteilen die Gutscheine an Schüler, die ihrer Meinung nach eine Förderung gebrauchen könnten. „Die meisten Schüler sind hochmotiviert und dankbar für das Angebot“, weiß Silvia Thomaschik aus Erfahrung. Schon vor Corona hatte die Schülerhilfe sich übrigens digital aufgestellt und Online-Angebote im Programm. „Meine Lehrer wollten, dass damit auch kranke Schüler am Unterricht teilhaben können“, bemerkt Thomaschik.

Nachhilfeschüler sind konzentrierter

In Zeiten von Covid-19 habe sich eine Menge geändert, hat sie beobachtet. So seien es früher große Gruppen gewesen, die zusammen gelernt hätten. Heute sind es höchstens fünf Teilnehmer. Einzelunterricht wird nicht gefördert. „Auch die Nähe ist nicht mehr selbstverständlich. Einige haben noch Schwierigkeiten sich in den Arm zu nehmen“, hat Thomaschick beobachtet.

Auch, dass die Nachhilfeschüler konzentrierter bei der Sache sind, hat sie festgestellt. „Sie wollen ihre Lücken auffüllen und gehen bewusster mit Bildung um, auch um den Lehrplänen gerecht zu werden. Das ist unser Eindruck“, berichtet die Pädagogin. Mathe stünde dabei ganz oben, gefolgt von Englisch und Latein.

Beim Studienkreis ist die Zahl der Nachhilfeschüler seit der Aktion „Ankommen und Aufholen“ ebenfalls sprunghaft angestiegen. Das Telefon habe permanent geklingelt, erinnert Alexandra Marktfort sich. „Wir hatten sonst immer etwa 70 Nachhilfeschüler und plötzlich waren es 220. Das war schon eine große Herausforderung. Es gab lange Wartelisten. Und das alles in einer Pandemie“, so die Diplomübersetzerin weiter.

Das sei nicht zu stemmen gewesen. Selbst gute Schüler hätten einen starken Leistungsabfall in den Noten gehabt und plötzlich Nachhilfe benötigt. Corona habe ganz viel mit der Psyche der Kinder gemacht. Sie habe ebenso beobachtet, dass die Schüler sehr diszipliniert seien – sei es bei den Masken oder beim Lernen.

„Wenn im Herbst die neuen Gutscheine kommen, dann sollte dies besser geregelt und koordiniert sein“, wünscht sie sich. Die Aktion findet die Leiterin sehr gut. Doch es sei für sie alle auch Neuland, gibt Alexandra Marktfort zu bedenken. „Wir sind froh, wenn es jetzt im Sommer etwas ruhiger wird.“ Die Aktion läuft am 31. Dezember 2022 aus. Eine Verlängerung ist möglich.

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