1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Telgte
  6. >
  7. Mehr Zeit für Familie und Hobbys

  8. >

Karl-Heinz Greiwe blickt auf seine Amtszeit als erster stellvertretender Bürgermeister zurück

Mehr Zeit für Familie und Hobbys

Telgte

16 Jahre lang war Karl-Heinz Greiwe erster stellvertretender Bürgermeister. Jetzt möchte er mehr Zeit für Familie und Hobbys haben.

Bernd Pohlkamp

16 Jahre lang hat Karl-Heinz Greiwe die Stadt politisch mitgestaltet und sich für das Gemeinwohl eingesetzt. In den vergangenen zehn Jahren prägte er das kommunalpolitische Leben zusätzlich als erster stellvertretender Bürgermeister.

Zum Ende der Legislaturperiode war für ihn Schluss. „Es waren das Alter und die Zeit gekommen, diese bewegende politische Phase zu beenden, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen“, weint der Übergangs-Bürgermeister von 2010 diesem Schlussstrich schon eine Träne hinterher. „Weil mir die Arbeit als CDU-Ratsherr und als erster Stellvertreter unseres Bürgermeisters sehr viel Spaß gemacht hat, war es nicht leicht, das freiwillige Ende zu besiegeln.“ „Jetzt bin ich froh, diesen Schritt getan zu haben,“ sieht Karl-Heinz Greiwe mit Stolz auf seine kommunalpolitische Karriere zurück. Von 2004 bis 2020 – in insgesamt drei Legislaturperioden – hat der 71-Jährige viel Zeit für seine Heimatstadt Telgte investiert. Das war nur möglich, weil ihm die Familie den Rücken frei hielt. In den letzten sechs Jahren seiner Tätigkeit als erster stellvertretender Bürgermeister steckte Handwerksmeister Karl-Heinz Greiwe noch mehr Zeit in die Ratsarbeit. 2014 hatte er seinen Heizungs-, Sanitär- und Klempnerbetrieb, den er von seinem Vater übernommen hatte, nach 50 Jahren Unternehmertum aus Altersgründen aufgegeben.

In seiner letzten Wahlperiode trug Greiwe als stellvertretender Bürgermeister ebenso politische Verantwortung wie als CDU-Ratsherr im Bauausschuss, im Haupt- und Finanzausschuss, im Rechnungsprüfungsausschuss und beim Abwasserbetrieb. Von 2017 bis 2019 leitete Greiwe als Vorsitzender den Aufsichtsrat der Stadtwerke. Seine wohl bewegendste Zeit als Bürgermeister-Stellvertreter erlebte er in den Monaten, in denen Telgte quasi „führerlos“ war.

Es begann am 13. Dezember 2009, als Dr. Dietrich Meendermann als Bürgermeister abgewählt wurde, weil er bei der Wiederholungswahl nur 49,8 Prozent der Stimmen erhalten hatte. „Plötzlich hatten wir keinen Bürgermeister mehr. Ich war jetzt gefordert, und musste mich im Rathaus einarbeiten. Viele Abende habe ich in diesem ersten Halbjahr 2010 im Rathaus verbracht. Ich habe sehr viel über die Verwaltung erfahren. So lernte ich die innere Organisation der Stadtverwaltung kennen und erfuhr, wie Kommunalverwaltung funktioniert.“

Karl-Heinz Greiwe erinnert sich mit Dankbarkeit an die Verwaltungsmitarbeiter, die ihn in seiner nicht leichten Aufgabe unterstützten.

Denn als Erster Stellvertreter trug er nach der Abwahl des früheren Bürgermeisters bis zur Wahl von Wolfgang Pieper zum Ersten Bürger der Stadt am 9. Mai 2010 Verantwortung. Karl-Heinz Greiwe übernahm in diesen fünf Monaten sämtliche Bürgermeisteraufgaben, sowohl im Innen- als auch im Außenverhältnis.

„In dieser Phase hatte ich mit dem kommissarischen Verwaltungschef Heribert Schönauer einen hervorragenden Fachmann an meiner Seite. Gemeinsam haben wir die Ratssitzungen vorbereitet und geleitet. In kürzester Zeit erhielt ich nicht nur einen Einblick in die Verwaltungsarbeit, auch in Entscheidungen wurde ich immer wieder eingebunden. Auch Greiwes Signatur war jetzt gefordert: „Für den Bau eines neuen Pumpwerks in Westbevern musste ich für 80 000 Euro unterschreiben.“ Karl-Heinz Greiwe suchte immer den Konsens zu den anderen Parteien.

„Diese Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinaus habe ich sehr begrüßt.“ Allein stand Greiwe am 16. Januar 2010 auf der Bühne des Bürgerhauses. Beim Neujahrsempfang war er die Hauptperson. Als „Überbrückungs“-Bürgermeister begrüßte er die 300 Gäste, nahm Ehrungen vor und hielt die Neujahrsansprache. „Ich habe Blut und Wasser geschwitzt“, sagt er mit einem Lächeln. „Ich war gut vorbereitet, doch vor so großem Publikum zu reden, das war für mich Premiere. Ich hatte immer Respekt vor jedem Termin und konnte mich mit Unterstützung der Verwaltung immer gut vorbereiten“, erinnert sich Greiwe mit Freude an diese Zeit zurück.

Aus seinen Unterlagen zieht er die wesentlichen Sätze heraus, die er vom Rednerpult aus sprach: „2009 ist Vergangenheit. Alles Hadern und Fragen, warum es so gelaufen ist, bringt uns nicht weiter. Lasst uns gemeinsam Verantwortung für die Zukunft übernehmen. Dann werden wir nachhaltigen Erfolg ernten.“

Die schönsten Termine waren für Karl-Heinz Greiwe goldene und diamantene Hochzeiten und die vielen runden Geburtstage. „Da traf ich Menschen, die ich jahrelang nicht gesehen hatte.“ Vor jedem seiner Termine bereitete er sich vor. „Ich fragte mich oft: Wie muss die Ansprache, wie das Grußwort ausfallen, welches Geschenk bringe ich mit, wann ist der richtige Zeitpunkt zu kommen.“ An einige weitere Höhepunkte denkt er auch gerne zurück: Als er bei der Kutschen-Wallfahrt 2011 die Stadt repräsentierte und unter anderem mit dem Essener Bischof Franz-Josef Overbeck in der Ehrenkutsche durch die Stadt gefahren wurde. Oder die Festwoche im März 2015 in der amerikanischen Partnerstadt Tomball.

In den zehn Jahren als erster stellvertretender Bürgermeister sammelten sich an die 700 Reden in seinem Computer, die er auch für Einweihungen, Jubiläen, Konzerte, Trauertagen, Karnevals- und Vereinsfeiern selbst geschrieben hat: „Mir hat diese Tätigkeit, als Repräsentant aktiv zu sein, sehr viel Spaß gemacht.“ Stets suchte Karl-Heinz Greiwe den Kontakt zu den Bürgern und nahm sich ihrer Themen einfühlsam an. Ein Beispiel nennt der Paohlbürger: „Als Mitglied des Bauausschusses bin ich zu den Betroffenen gefahren und habe persönlich mit ihnen gesprochen. Weil das für mich wichtig war. Aus diesen Gesprächen erhielt ich Anregungen, wertvolle Tipps und lernte deren Wünsche und Ziele kennen und verstehen. Diese habe ich in die Ausschussarbeit einfließen lassen. Ein gesprochenes Wort kann man leichter verstehen als ein geschriebenes Wort.“

Auf die Frage: „Karl-Heinz, was bleibt dir in Zukunft?“, kommt die Antwort schnell. Die Familie nennt er an erster Stelle. Jahrzehntelang hat er sich auch in der Schützenbruderschaft St. Rochus-Verth-Schwienhorst engagiert. Als langjähriger Vorsitzender wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Und politisch? Ich bin Ortsvorsitzender der CDU-Seniorenunion, Kreisvorsitzender der CDU-Seniorenunion und beides möchte ich weitermachen. Außerdem bin ich Delegierter beim Bundesparteitag der CDU, der aus den drei Kandidaten Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen seinen Bundesvorsitzenden und potenziellen Kanzlerkandidaten wählt. Karl-Heinz Greiwe hat sich bereits festgelegt.

Startseite
ANZEIGE