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„Ensemble Aureo“ gastiert im Bürgerhaus

Mit viel Akribie und Feinsinn

Telgte

Als Ersatz für das „UWAGA!-Quartett“ angekündigt, wusste das das „Ensemble Aureo“ seine Zuhörer im Bürgerhaus mehr als nur zu überzeugen.

Von Axel Engelsund

Wusste im Bürgerhaus zu begeistern: Foto: Axel Engels

Voll auf ihre Kosten kamen am Sonntag Liebhaber feinster Kammermusik im Bürgerhaus. Ursprünglich war ja das „UWAGA!-Quartett“ mit seinem Crossover von Klassik, Jazz bis Pop angekündigt, aber kurzfristig musste das „Ensemble Aureo“ einspringen. Dass dieses Ensemble nicht nur ein „Ersatz“ war, zeigten Uta Heidemann-Dietrich und Stefan Marx an den Violinen, Magdalena Steiner an der Viola und Shengzho Guo am Violoncello sofort beim ersten Werk, dem „Streichquartett F-Dur op. 18 Nr. 1“ aus der Feder Ludwig van Beethovens.

Der hatte bei seinem Lehrer Joseph Haydn viel über die Kompositionsweise eines Streichquartetts gelernt und auch sein Geigenlehrer und Freund Ignaz Schuppanzigh, dem er die erste Fassung sogar widmete, mag Beethoven zu diesem Werk inspiriert haben. In der später von ihm überarbeiteten Fassung zeigt sich die Klasse Beethovens auf diesem Gebiet, und so wählte das „Ensemble Aureo“ auch diese im Konzertbetrieb selten zu hörende Fassung.

Mit Akribie und Feinsinn gestaltete das Quartett dieses so interessante und facettenreiche Werk, wusste die Lebendigkeit und Frische des ersten Satzes in ein mitreißendes Gewand zu kleiden. Dabei setzte das „Ensemble Aureo“ seine Virtuosität und versierte Spielkultur immer in den Dienst des musikalischen Ausdrucks.

Lebendigkeit und Frische

Erst seit fünf Jahren konzertieren die Musiker außerhalb ihrer Tätigkeit im Symphonieorchester Münster zusammen und zeigen ein intuitives Verständnis für eine gemeinsame Interpretation. Wenn sie zum Scherzo aufspielten, genoss man die Eleganz und Grazie dieses symphonisch angelegten Satzes, und im schnellen Finale ließen sie ihrer Spielfreude dann freien Lauf.

Danach „reduzierte“ sich das Ensemble um Shengzhi Guo, der beim „Terzett für zwei Violinen und Viola C-Dur op. 74“ von Antonín Dvorák sicherlich ebenso begeistert vom Spiel des Trios war, wie das Publikum im Bürgersaal. Für den Komponisten war Kammermusik mit Streichern immer eine Herzensangelegenheit, hier gelangen ihm wahre Meisterwerke, es zeigt sich ein intensiver Zugang zu dem Denken und Fühlen des Komponisten.

Klangfarben der Streicher

In seinen Terzetten zeigt sich gleichsam ein akribisch-liebevoller Umgang mit den Klangfarben der Streicher. Dieser Ansatz muss Uta Heidemann-Dietrich und Stefan Marx an den Violinen sowie Magdalena Steiner an der Viola wohl auch inspiriert haben, denn sie ließen dieses innige Terzett in seiner ganzen Schönheit erklingen.

Nach der Pause ging es dann mit dem „Streichquartett Nr. 6 Sz 114“ von Béla Bartók in eine Welt, die der englische Musikwissenschaftler Cecil Mason schon als einzigartig für das 20. Jahrhundert beschrieben hat. Dieses letzte Werk dieser Gattung, das nach der Emigration Bártoks dann im Jahre 1941 in New York uraufgeführt wurde, gilt unter Fachleuten als Meisterwerk der Quartettkunst.

Dass jeder Satz mit der Bezeichnung „Mesto „traurig“ überschrieben ist, zeigt schon die große Emotionalität des Werkes. Zwischen innerer Zerrissenheit, hartem Marsch und Resignation spannte Bártok den kompositorischen Bogen, und das „Ensemble Aureo“ wusste dies mit einem an Klangfarben überaus reichen Spiel umzusetzen.

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