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Konzert des „Ney Trio“ im Rahmen des „Summerwinds Münsterland“-Festivals

Musik-Grenzgänge zwischen Orient und Okzident

Telgte

Im Rahmen des „Summerwinds Münsterland“-Festivals trat das „Ney Trio“ am Donnerstagabend im Museum Religio auf und beeindruckte die zahlreichen Zuhörern mit den Melodien.

Von Axel Engels

Im Rahmen des „Summerwinds Münsterland“-Festivals trat das „Ney Trio“ am Donnerstagabend im Museum Religio auf und beeindruckte mit den gewählten Melodien. Foto: Axel Engels

Über so eine Resonanz bei den Musikliebhabern wie beim Konzert des „Ney Trio“ im Rahmen des „Summerwinds Münsterland“-Festivals am Donnerstag kann man sich als Veranstalter nur freuen. Einen freien Stuhl suchte man im Saal des Museums Religio vergebens, so ein außergewöhnliches Konzert wollte sich kein Liebhaber der Weltmusik entgehen lassen.

Dabei passte dieses Konzert bestens in die aktuelle Ausstellung „Er gehört zu mir“, die ja auch die Verflechtung von „christlichem Abendland und islamischem Morgenland“ thematisiert.

Murat Cakmaz ist ein in Deutschland geborener Musiker mit türkischen Wurzeln, der sich ganz dem Spiel der Ney widmet. Diese Rohrflöte hat auch dem Trio seinen Namen gegeben. Mit einer arabisch-persischen Rahmentrommel und seiner Darbuka sorgte Suat Borazan für einen ganz facettenreichen rhythmischen Grund, untermalte klangmalerisch die ausdrucksstarken Töne der Rohrflöte. Bereichert und mit leichter Harmonik versah Recep Seber am Kanun, einer orientalischen Kastenzitter, die jeweiligen Tänze.

Sehr farbenreich und wie ein Märchen von Scheherazade wirkte die Musik. Man konnte sich einfach treiben lassen im Fluss der innig gespielten Melodien. Mit den Bearbeitungen traditioneller Sufitänze durch Murat Cakmaz als stilistisch konzipierte Musik wurde das Publikum entführt in eine von Spiritualität erfüllte Welt.

In vielen Orden der Derwische besteht die Musik ihrer Tänze nur aus Gesängen. Aber es gibt auch Tariqas, in denen die traditionellen Tänze rein instrumental begleitet werden. Aus dem Schatz dieser Musik als Bestandteil des Gottgedenkens, dem Dhikr, hatte Murat Cakmaz mit Feinsinn Musik ausgewählt, die das Publikum mitnahm auf eine Reise durch mehrere Jahrhunderte. Denn die religiöse Musik aus der osmanischen Zeit bietet einen Melodienreichtum, der selten erreicht wurde.

Mit mystischen Weisen von Yunus Emre, einem Sufi aus dem zwölften Jahrhundert, und Ali Ufki Bey aus dem 16. Jahrhundert zeigte Murat Cakmaz seine musikalischen Wurzeln. Dabei ging Letzterer bei seiner Bearbeitung sehr sensibel und respektvoll mit diesen uralten Melodien um, die ihre ganze mystische Schönheit entfalten konnten.

Bei seinen Grenzgängen zwischen Orient und Okzident erlebte man auch eine Verbindung von Tradition und Moderne, wirkte die lyrisch-poetische Musik längst vergangener Zeiten ganz lebendig und frisch. Aber Murat Cakmaz schaut bei der Musikauswahl auch ins benachbarte Griechenland. Bei „Weeping Eyes“ von Mikis Theodorakis als musikalische Huldigung an den in seiner Heimat als Volksheld verehrten Komponisten zeigte sich, dass Cakmaz in seiner „Modernisierung“ althergebrachter Musik ähnliche Wege geht.

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