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Für den schweren Raub fehlen nun die Beweise

Mutmaßliches Opfer verweigert die Aussage

Telgte/Münster

So klar, wie die Beweislage zunächst schien, war sie nun doch nicht mehr: Laut Aussage eines 36-Jährigen war dieser in Telgte beraubt worden. Vor Gericht wollte sich das vermeintliche plötzlich nicht mehr äußren...

-klm-

Überraschende Entwicklung während des Prozesses am Landgericht Münster. Dort zog das mutmaßliche Opfer seine Aussage zurück. Foto: David Ebener

Im Fall zweier in Münster lebender Männer, die Mitte Juni 2020 einen 36-Jährigen in Telgte ausgeraubt und mit dem Tod bedroht haben sollen, gibt es offenbar keine stichhaltigen Beweise mehr. Das mutmaßliche Opfer verweigerte beim Verfahrensauftakt am Landgericht am Freitag die Aussage, obwohl dessen früheren Angaben bei der Polizei Grundlage der Anklage sind.

Die Beschuldigten – ein 24 und ein 25 Jahre alter Mann aus Serbien – sollen ihren Bekannten, der ebenfalls aus dem Balkanstaat stammt, am Tattag an einer Bushaltestelle in Münster-Coerde mit einem Auto abgeholt haben, um „gemeinsam einen schönen Abend“ zu verbringen, heißt es in der Anklage.

Sie sollen ihn dann aber dazu gebracht haben, in einer Bankfiliale in Münster-Amelsbüren 850 Euro abzuheben. Mit dem Geld hätten sie „Kokain von einem Russen kaufen“ wollen, sagte der Staatsanwalt, um Schulden bei der Person begleichen.

Weil sich der 36-Jährige demnach weigerte, das Geld herzugeben, misshandelten ihn die Angeklagten auf einem Parkplatz an der Straße Lauheide in Telgte im Auto mit einem Elektroschocker. Der Mann wehrte sich und flüchtete. Die mutmaßlichen Täter holten ihn ein und traten ihm, als er auf dem Boden lag, „drei Mal fest gegen den Kopf“ und „vier bis fünf Mal gegen den Körper“. Zudem stahlen sie ihm 650 Euro und sein Handy, erklärte der Anklagevertreter.

Das vermeintliche Opfer erlitt eine Platzwunde am Hinterkopf und diverse Blutergüsse. Und: „Sie drohten ihm, wenn er die Polizei rufe, würden sie ihn töten und auch seiner Familie etwas antun“, hieß es weiter.

Im Vorfeld des Prozesses hatte der 36-Jährige den Hergang anders geschildert und letztlich einen Brief an das Gericht geschrieben, dass die von ihm Beschuldigten doch nicht die Täter seien. Am Landgericht wollte er nichts mehr sagen.

Der Staatsanwalt beantragte wegen der Beweislage Freispruch, die Anwälte der Angeklagten schlossen sich an. Das Urteil soll am 16. September verkündet werden.

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