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Breitbandausbau

„Ohne schnelles Internet abgehängt“

Telgte

Westbevern und Vadrup haben die Chance auf schnelles Internet via Glasfaser. Im Interview spricht Friederike von Hagen-Baaken, Vorsitzende des Krink, über die Vorteile der Technologie.

wn

Einstimmig hat sich der Krink-Vorstand bei seiner Sitzung für die Unterstützung des Glasfaserausbaus in Westbevern-Dorf und Vadrup ausgesprochen. Zuvor war das Thema intensiv diskutiert worden. Foto: Pansegrau

In Westbevern-Dorf und Vadrup hat die Nachfragebündelung für einen möglichen Glasfaserausbau begonnen. Andreas Große Hüttmann sprach mit Friederike von Hagen-Baaken, Vorsitzende des Krink, über das Thema und über die Bedeutung einer schnellen Internet-Infrastruktur für die beiden Ortsteile.

Frau von Hagen-Baaken, im Dorf und Vadrup läuft die Nachfragebündelung. Wie wichtig ist aus Sicht des Krink schnelles Internet für beide Ortsteile?

Friederike von Hagen-Baaken: In der Dorfwerkstatt Westbevern 2030 stand dieses Thema ganz oben auf der Prioritätenliste und der Krink hat das Thema gemäß dieses Auftrags auch bei der Stadt immer wieder angesprochen und intensiv begleitet. In einer Vorstandssitzung wurde eine Unterstützung des Glasfaserausbaus einstimmig beschlossen. Das schnelle Internet ist einer der wichtigsten Zukunftsfaktoren, wenn nicht der wichtigste Faktor hier im ländlichen Raum. Bald werden sich Immobilien weder verkaufen noch vermieten lassen, die kein schnelles Internet haben. Die erste Frage potenzieller Mieter und Käufer ist schon jetzt: Wie sieht es mit dem Internetanschluss aus? Neben den privaten Nutzern kommen immer mehr Personen und Institutionen dazu, die schnelles Internet für berufliche Zwecke benötigen – Freiberufler, Personen, die einen Heimarbeitsplatz haben, Unternehmen und Gewerbe. Die Technik bietet vielen zahlreiche Chancen. Hat eine ländliche Region kein schnelles Internet, wird sie bereits in naher Zukunft abgehängt – und das ist kein Horrorszenario, sondern bittere Wahrheit!

Gibt es aktuell eigentlich einen signifikanten Geschwindigkeitsunterschied beim Thema Internet zwischen dem Dorf und Vadrup?

Von Hagen-Baaken: Ja. Je näher ein Haus an den sogenannten Knotenpunkten ist, desto schneller ist das Internet. Es gibt einen Bereich in Westbevern-Dorf rund um die Vermittlungsstelle, der bereits annähernd über 50 MBit verfügt. Westbevern-Vadrup kommt im Kernbereich auf bis 13 MBit, und die Bauerschaften sind mit teilweise nur drei MBit sehr schlecht versorgt. Es ist möglich, diese Rate zum Beispiel durch sogenannte hybride Systeme mit LTE zu erhöhen. Freiberufler und Gewerbe im Innen- und vor allem im Außenbereich sind mit dieser geringen Übertragungsrate nicht gut genug versorgt, das heißt nicht zukunftsfähig aufgestellt.

Ein Glasfaseranschluss gilt als besonders zukunftsfähig. Sehen Sie das auch so?

Von Hagen-Baaken: Ja, der Glasfaser gehört die Zukunft, alles andere sind Übergangstechnologien. Die Glasfaser ermöglicht sehr hohe Übertragungsraten und auch die Menge der Daten ist nach heutigen Maßstäben fast unbegrenzt – mindestens aber sehr hoch, und beides ist im positiven Sinne nicht vergleichbar mit daneben in der Diskussion stehenden Übergangstechnologien.

Sie haben bereits mehrfach mit Unternehmen in Westbevern gesprochen. Was sagen die zum Thema schnelles Internet?

Von Hagen-Baaken: Die Unternehmen, die ich gesprochen habe, sind Feuer und Flamme für den Vorstoß der Verwaltung und des Rates der Stadt Telgte, zu einer Glasfaserversorgung in Westbevern zu kommen. Aus den vorgenannten Gründen muss das Gewerbe daran interessiert sein, um seine Zukunftsfähigkeit zu erhalten. Auch Neuansiedlungen zum Beispiel internetbasierter Unternehmen haben damit eine Möglichkeit, hier bei uns im ländlichen Raum ihren Geschäften nachzugehen – vielleicht eine Möglichkeit, leerstehende Scheunen einer neuen Nutzung zuzuführen. Der Außenbereich, hier insbesondere Landwirte, die auf ein funktionierendes und schnelles Internet sehr angewiesen sind, sollte also gleich mitgedacht und wenn möglich, mitgemacht werden. Hier muss zur Not mit Eigeninitiative dafür gesorgt werden, dass die Bauerschaften nicht abgehängt werden und Internetmäßig genauso gut aufgestellt sind, wie der Innenbereich.

Wie sind andersherum die ersten Rückmeldungen aus der Bevölkerung?

Von Hagen-Baaken: Die meisten der Menschen, die ich auf schnelles Internet angesprochen habe, sind sehr daran interessiert. Auch Menschen, die das Internet selbst vielleicht nicht so intensiv nutzen, sehen die Zukunftschancen, die in der Technologie liegen. Es geht ja auch darum, zum Beispiel Fernsehen und Telefonie über das Internet zu empfangen. Einige Personen, die im Dorf schon die entsprechenden Übertragungsraten haben, nutzen diese Möglichkeit bereits. Wir hoffen natürlich, dass die gut versorgten Bereiche sich solidarisch verhalten und auch an der Nachfragebündelung teilnehmen. Sie bekommen dadurch noch schnelleres Internet und zukünftig mehr Nutzungsmöglichkeiten.

Ein schneller Internetanschluss ist das eine, was muss in den nächsten Jahren noch passieren, damit das Dorf und Vadrup zukunftsfähig sind und bleiben?

Von Hagen-Baaken: Das große Thema ist die schnelle Verfügbarkeit von genügend Bauplätzen. Hier stehen eine ganze Menge junger Menschen bereit, in ihrer Heimat ein Haus zu bauen. Der Bedarf wurde vom Westbeverner Krink ja schon vor einiger Zeit nachgewiesen. Wird ihnen diese Möglichkeit nicht geboten, werden sie in andere Orte ausweichen, ohne das wirklich zu wollen. Einige Nachbarorte wie zum Beispiel Ostbevern, das sehr viele Bauplätze anbietet, haben davon bereits erheblich profitiert. Die Lage Westbeverns mit der guten Verkehrsanbindung nach Münster oder Osnabrück, sei es durch die Bahn oder zukünftig die neue Veloroute, hat so viele Vorteile auch gegenüber den Nachbargemeinden, dass es wirklich traurig wäre, wenn es den einheimischen jungen Menschen nicht ermöglicht wird, hier ihren Lebensmittelpunkt zu erhalten.

► Am kommenden Montag, 24. Oktober, um 19 Uhr findet in der Gaststätte „Zur Bever“ der erste Glasfaser-Informationsabend statt. Einen weiterer Termin, um Infos zum Thema zu bekommen, ist am Mittwoch, 26. Oktober, um 19 Uhr in der Mehrzweckhalle.

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