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Lisa Schäfer erinnert sich an die Anfangsjahre noch vor Gründung des TV Friesen

Pionierin der Turnbewegung

Telgte

Lisa Schäfer (86) gehört zu den Pionieren der Turnbewegung in der Emsstadt. Bereits vor Gründung des TV Friesen am 7. September 1951 wurde in der Emsstadt heimlich geturnt. Denn das Turnen hatte die Besatzungsmacht nach dem Zweiten Weltkrieg verboten.

Von Bernd Pohlkamp

Lisa Schäfer Foto: Bernd Pohlkamp

Lisa Schäfer (86) gehört zu den Pionieren der Turnbewegung in der Emsstadt. Bereits vor Gründung des TV Friesen am 7. September 1951 wurde heimlich geturnt. Denn das Turnen hatte die Besatzungsmacht nach dem Zweiten Weltkrieg verboten. „Nur langsam“, so erinnert sich Lisa Schäfer, „haben wir es gewagt, an Turngeräten zu üben. Wir turnten in der Turnhalle an der Ritterstraße, wo sich heute der öffentliche Parkplatz befindet. Ich gehörte zu den jüngsten Turnerinnen.“

1951 zählte sie als 15-Jährige zu den starken und vor allem mutigen Frauen, die ihre Leidenschaft für das Geräteturnen nicht mehr allein ausüben wollten. „So trafen sich Anfang 1951 turnbegeisterte junge Frauen und Männer, um gemeinsam an Geräten zu turnen. Geschicklichkeit, Konzentration, regelmäßiges Üben und Leidenschaft waren Voraussetzungen dafür, dass uns unser damaliger Turntrainer Walter Schirra auch öffentlich auftreten ließ.“

Vereinsfahne gemalt

Lisa Schäfer malte und zeichnete gerne. Als der TV Friesen zur Vereinsgründung eine Vereinsfahne anschaffen wollte, war es Lisa Schäfer, die einen Zeichenblock und Farbstifte in die Hand nahm und die Idee für die Vereinsfahne auf Papier zeichnete. Ihr Entwurf gefiel den Verantwortlichen um Walter Schirra, Hilde Grabs und Heinrich Scheve so gut, dass daraus die Vereinsfahne hergestellt wurde. Weil diese jedoch in der individuellen Ausführung sehr teuer war, sammelten die Turnerinnen und Turner in ihren eigenen Reihen und ganz besonders dann, wenn gerade der Monatserste war und die bare Lohnzahlung anstand. So waren die Gelder bald zusammen und die Fahne war pünktlich zur Vereinsgründung fertiggestellt.

In der früheren Turnhalle an der Ritterstraße trafen sich Frauen und Männer zum gemeinsamen Geräteturnen. Beheizt wurde die Halle mit Kohle in einem großen Eisenofen. Neben Lisa Schäfer gehörten auch Gisela Hansewinkel, Hilde Grabs und Hannelore Schütz zu den eifrigsten Turnerinnen.

Teilnahme am Deutschen Turnfest

Die frühe Geräteturn-Begeisterung löste die Gründung des TV Friesen am 7. September 1951 aus. Von da an wurde auch viel gefeiert. Gesellschaftliche Ereignisse mit großen Turnerschauen gab es im großen Saal des Hotel Althaus am Markt. Lisa Schäfer erinnert sich gerne an diese Auftritte. Sie hat in den 50er-Jahren an einigen Turnfesten teilgenommen. „Mein erstes Deutsches Turnfest vergesse ich nie: Es war der 2. August 1953, als in Hamburg das erste offizielle Deutsche Turnfest eröffnet wurde. Wir waren mit dem TV Friesen dabei. Ich durfte beim Geräteturnen antreten und war stolz, als ich den Siegerkranz als Kopfschmuck trug.“

Ziel des Deutschen Turnerbundes war es, bei den Turnfesten die sozialintegrative Kraft der Turnvereine zu stärken. 15 Jahre lang engagierte sich Lisa Schäfer ehrenamtlich in der Turnbewegung. Einige Jahre lang war sie auch Turngeräte-Trainerin, weil das Interesse der jungen Mädchen und Jungen für das Geräteturnen so groß war. Beruflich verdiente sie ihren Lohn als Herrenschneiderin.

„Nach der Heirat 1962 mit Paul-Adolf Schäfer habe ich das Geräteturnen aufgegeben. Denn nach der Heirat unterstützte ich meinen Mann in seiner Töpferei, die seit 1888 im Besitz der Familie Schäfer ist und 1730 von der Familie Göhrs an der Grabenstraße gegründet wurde.“ Die Töpferei wird heute von Sohn Rembert in der vierten Generation geführt.

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