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Gepäck per Post verschickt

Reisetasche war 48 Tage lang verschwunden

Telgte

Die Familie Splitter-Braun schickt schon traditionell im Vorfeld ihres Wangerooge-Urlaubs einen Teil des Gepäcks per Post auf die Reise. Bislang hatte das immer gut geklappt. Doch diesmal nicht. Erst nach 48 Tagen tauchte die vermisste Sporttasche wieder auf. Nach dem Urlaub.

Bernd Pohlkamp

Glücklicher Manfred Splitter: Vor der Postfiliale zeigt er die schwarze Reisetasche, die 48 Tage lang verschwunden war. Foto: Pohlkamp

Endlich Ferien, endlich Badevergnügen auf der Nordseeinsel Wangerooge. So freute sich die Familie Splitter-Braun auf ihren Inselurlaub. Wie in den acht Jahren zuvor hatte sie eine Woche vor Reisebeginn, dieses Mal am 11. Juli, einen Koffer und eine schwarze Reisetasche mit Sport- und Badesachen bei der Post in Telgte aufgegeben. Am 18. Juli fuhr die Familie mit der Bundesbahn zum Urlaubsziel.

Stundenlang in DHL-Hotlines festgehangen 

Im Quartier angekommen, stand der Koffer bereits in der Ferienwohnung, die Reisetasche jedoch nicht. Was die Familie von diesem Tag an unternahm und erlebte, um die Reisetasche aufzuspüren, gleicht einem kleinen Krimi. Manfred Splitter beschreibt die Tage des Nachforschens so: „Auf Wangerooge haben wir stundenlang in Hotlines von DHL festgehangen und uns dort mit DHL-Mitarbeitern unterhalten müssen, die weder der deutschen Sprache mächtig, noch sachverständig oder höflich waren. So etwas habe ich vorher noch nie erlebt. Wir stellten mit dem Laptop unseres Vermieters am 19. Juli einen Nachforschungsauftrag.“ Die Suche nach der Tasche blieb jedoch erfolglos.

Familie schaltet Zeitung ein

Standard der Post ist es, dass der Postkunde den Lauf des Paketes online verfolgen kann und dabei auch den Zeitpunkt der Zustellung erfährt. Der Kunde muss auf der DHL-Internetseite die Sendungsnummer angeben und schon wird der aktuelle Status der Paketverfolgung angezeigt. Im nächsten Schritt gibt es alle wichtigen Detail-Informationen zum Paket. Bei der Reisetasche wurde als aktueller Status der Aufgabeort Telgte angegeben. Davon musste die Familie ausgehen. Versuche, die Tasche zu finden, scheiterten während des Urlaubs. Von der DHL kam auch keine Reaktion. Irgendwann wollte die Familie auch Urlaub machen. Man behalf sich. Der Sohn spielte zwar Fußball, doch ohne die fehlenden nagelneuen Fußballschuhe. Nach dem Urlaub meldete sich die Familie in der WN-Redaktion und bat um Hilfe.

Reaktion der DHL

Die WN nahmen am 23. August Kontakt mit der DHL-Pressestelle in Düsseldorf auf und berichtete von dem enttäuschten Kunden und der Odyssee seiner schwarzen Tasche, beschrieb den Inhalt und wollte wissen, was wohl damit geschehen sei. Danach ging alles schnell und die Spur zur Reisetasche wurde aufgenommen. Die Redaktion erhielt den Rückruf der Pressestelle der DHL und die Antwort per Mail: „Die Reisetasche ist gefunden, sie befindet sich in der DHL-Paketermittlung Wuppertal und kann nicht zugestellt werden, weil auf dem Paket weder Absender noch Empfänger zu finden sind“, hieß es.

Tasche landete in Wuppertal

Rainer Ernzer, Pressesprecher der Deutsche Post DHL Group, teilte auf Nachfrage weiter mit, dass die Reisetasche seit dem 16. Juli in Wuppertal eingelagert war, weil die Adressbanderole und die Paketnummer abgegangen waren. Deshalb konnte auch die Paketverfolgung nicht fortgeschrieben werden. Eine Dublette der Anschrift im Inneren der Reisetasche sei der Post bei der Durchsicht nicht aufgefallen. Den ersten nachvollziehbaren Kontakt – so die DHL – habe es am 1. August mit einer Online-Nachforschung gegeben. Ob die Hotline (vorher) auch kontaktiert wurde, sei nicht ersichtlich.

Warum weiterhin nichts geschah

Weiter teilt die DHL-Pressestelle mit, dass aufgrund der Onlinenachforschung vom 1. August, der Kunde am 8. August vom Kundenservice angeschrieben und um weitere Unterlagen/ Daten – unter anderem eine genaue Beschreibung des Inhaltes – gebeten wurde. Die Antwort sei am 8. August von Karin Braun gekommen, nicht aber vom auftraggebenden Manfred Splitter. Jetzt wurde es schwierig, weil die Anfrage ohne Vollmacht (wegen Datenschutz) eintraf und nicht ersichtlich war, ob es sich um den Absender oder Empfänger handelte, so die DHL. So geschah weiter nichts.

Keine Erstattungen

Pressesprecher Rainer Erzner bedauert die Unannehmlichkeiten. Für einen unmittelbaren Schaden nach den allgemeinen Geschäftsbedingungen hafte die DHL. Allerdings seien Erstattungen für Anschaffungen am Urlaubsort grundsätzlich ausgeschlossen. Am 28. August, also exakt nach 48 Tagen, hat die schwarze Tasche endlich ihre „lange Reise“ unbeschadet überstanden. Glücklich nahm Manfred Splitter am Mittwochabend die Reisetasche dort wieder entgegen, wo er sie fast sieben Wochen zuvor eingereicht hatte. Und bei der Redaktion bedankte er sich, weil sie den Anstoß zur Aufklärung gegeben hatte.

Gefreut hat sich auch der Sohn: Seine nagelneuen Fußballschuhe sind wieder aufgetaucht. Unbenutzt. Und die Stadtbücherei erhält ihre zwei Urlaubslektüren zurück. Ungelesen. Vermisst hat die Familie lediglich eine förmliche Entschuldigung.

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