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Redakteure des Kultmagazins 11 Freunde im Bürgerhaus in Telgte

Toller Leseabend rund ums runde Leder

Telgte

Philipp Köster und Jens Kirschneck vom Fußballmagazin 11 Freunde waren im Telgter Bürgerhaus zu Gast.

Arndt Zinkant

Philipp Köster (l.) und Jens Kirschneck sind bereits seit 14 Jahren im humoristischen Doppelpass auf ihren Lesereisen unterwegs. Am Freitagabend waren sie – passend im Jubiläumsjahr der SG Telgte – im Bürgerhaus und begeisterten. Foto: Zinkant

Fußball ist für etliche Zeitgenossen Seelenkult und Ersatzreligion. Er kann aber auch etwas anderes sein: witzig! Das beweisen Philipp Köster und Jens Kirschneck bereits seit 14 Jahren im humoristischen Doppelpass auf ihren Lesereisen. Die Redakteure des Kultmagazins „11 Freunde“ haben in ihren Jugendtagen selber das runde Leder geflankt oder sich durch „dunkle Oberliga-Jahre“ von Arminia Bielefeld gequält, gebrüllt und gesoffen.

Wer dann noch Schreibtalent mitbringt, kann die Dinge so lässig über die Bürgerhaus-Rampe bringen wie ein gestandener Ruhrpott-Kabarettist, nur eben aus Ost-Westfalen. Na dann: Anpfiff!

Zum Warmspielen dribbeln die zwei Fußball-Schelme zunächst zu den üblichen Promi-Verdächtigen, und zum unvermeidlichen Lothar Matthäus, welcher tatsächlich privat genauso sei, wie sein Medien-Klischee vermuten lässt.

Köster und Kirschneck erinnern sich: Da baggerte „Loddar“ während des Interviews die Deutsch sprechende Kellnerin auf Englisch an – ganz weltmännisch eben.

Was zur oft diskutierten Frage der Intelligenz von Fußballprofis führte. Und natürlich fanden die Bühnenprofis einen bekannten Spieler heraus, der sich nicht übern Tisch ziehen ließ und statt des angebotenen Drittels mehr Gehalt auf ein Viertel bestand! Das er auch prompt bekam . . .

Ganz wehmütig wurde Köster, als er auf den fast vergangenen „Mythos Spielerfrau“ zu sprechen kam: „Blondierte Legenden einer untergegangenen Epoche.“ Als er dann ironisch-wortgewaltig den Damen Martina Effenberg, Bianca Ilgner oder Pilar Brehme satirische Kränze flocht, war man geneigt zuzustimmen. Allein die Erotikfotos des Ehepaars Effenberg! „Die Zungenküsse Stefans hätten auch als Organspende durchgehen können.“

Noch witziger waren die autobiografischen Einschübe. Da erträumte sich Jens Kirschneck seinen kleinen Sohn als Nationaltorhüter in spe. Das harte Baby-Training nebst Bestechung mit Bananenbrei erwies sich jedoch als untauglich; vermutlich weil Kirschneck junior noch gar nicht stehen konnte.

Noch atmosphärischer kam die Geschichte vom „Bus der Verdammten“ daher, den Philipp Köster mit 14 Jahren bestieg, um Auswärtsspiele von Arminia Bielefeld zu sehen. Wo der Gelenkbus fast auseinander fiel, die Reisegruppe wie aus einem Horrorfilm wirkte und Raststätten „wie kurz nach der Währungsreform“ aufgesucht wurden.

Ein toller Leseabend zwischen „Mecker-Fans“, Film-Einspielern und Stadion-Bier. Prost!

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