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Weltweit vernetztes Hilfsprojekt für Drogenabhängige

Ungewöhnliches Treffen in Telgte

Telgte

Auf Einladung der Telgterin Rita Budde kamen jetzt in der Emsstadt zwei Gründer von weltweit anerkannten kirchlichen Hilfsprojekten zusammen. Hans und Paul Stapel, die Begründer und Motoren der Fazendas da Esperança (Höfe der Hoffnung), und Pfarrer Dr. Rogers Biriija.

Von A. Große Hüttmann

Rita Budde (Mitte, weißer Schal) kennt Paul Stapel (2.v.l.) und seinen Bruder Hans (8.v.l.) über ihren verstorbenen Mann bereits seit Jahrzehnten. Sie hatte zu diesem ungewöhnlichen Treffen in Telgte eingeladen, an dem auch Dr. Rogers Biriija (6.v.r.) teilnahm. Foto: Andreas Große Hüttmann

Es war ein besonderes Treffen in Telgte. Denn auf Einladung der Telgterin Rita Budde kamen jetzt in der Emsstadt zwei Gründer von weltweit anerkannten kirchlichen Hilfsprojekten zusammen. Hans und Paul Stapel, die Begründer und Motoren der Fazendas da Esperança (Höfe der Hoffnung), und Pfarrer Dr. Rogers Biriija. Letzterer stammt gebürtig aus Uganda und hat im Westen seines Heimatlandes mit dem Bau einer Gesamtschule, eines Krankenhauses und eines Wallfahrtszentrums ebenfalls ein viel beachtetes Projekt initiiert.

Der Franziskanerpater Hans Stapel berichtete dabei vor einem kleinen Kreis von Freunden und Förderern von dem Gesamtprojekt, den Anfängen vor mehr als vier Jahrzehnten und seiner Methode, die in den Höfen der Hoffnung Hilfesuchenden – zumeist sind das Jugendliche – zu erreichen.

Generell habe er bei seiner Arbeit festgestellt, so der vielfach für sein Hilfsprojekt ausgezeichnete Pater, dass die Flucht in die Drogenwelt fast immer ein „Schrei nach Liebe“ sei. Die Arbeit in den Höfen der Hoffnung sei von einem tiefen Glauben getragen. „Unsere Methode unterscheidet sich von vielen anderen dadurch, dass wir das Wort Gottes leben“, sagte der Pater in Telgte.

Der Erfolg gibt ihm Recht. Vor mehr als vier Jahrzehnten nahm Hans Stapel in seinem Pfarrhaus den ersten Hilfesuchenden auf und kümmerte sich um ihn. Aus diesen bescheidenden Anfängen ist inzwischen Großes entstanden: Insgesamt leben nach Angaben des Hilfswerkes über 5000 junge Menschen in über 140 Einrichtungen in Brasilien und anderen lateinamerikanischen Ländern, in Afrika, den Philippinen und Europa. In Deutschland gibt es aktuell sieben solcher Höfe der Hoffnung.

Auf die Frage, ob die Entwicklung eines solchen Projektes einen nicht mit Stolz erfülle, antwortete Paul Stapel, der als Priester nicht nur jahrelang ebenfalls in Brasilien tätig war, sondern stets im Projekt mitgearbeitet hat. „Wir sind nur die Pinsel eines Künstlers, der Gott heißt. Wir staunen manchmal selbst über das ‚Kunstwerk‘, das aus den bescheidenen Anfängen geworden ist“.

Längst werden Hans und Paul Stapel sowie ihre Mitstreiter weltweit von vielen Personen sowohl bei der Arbeit als auch bei der Finanzierung unterstützt. Mittlerweile ist auch eine gleichnamige Lebensgemeinschaft aus Gleichgesinnten erwachsen, die sich alle intensiv der Höfe der Hoffnung widmen.

Die sogenannte „Familie der Hoffnung“ ist eine weltweit vernetzte Vereinigung von Gläubigen. Entstanden ist sie aus dem Lebensvollzug einer Pfarrei und dem einfachen Beginn einer Hand voll junger Leute mit ihrem Pfarrer Hans Stapel, hat sich von 1983 an eine geistliche Gemeinschaft und eine Bewegung entwickelt. Kirchlich 1999 auf diözesaner Ebene in Brasilien anerkannt, hat der päpstliche Laienrat die Gemeinschaft im Mai 2010 als „private internationale Gemeinschaft von Gläubigen“ anerkannt. Heute gehören weit über 600 Frauen und Männer dieser geistlichen Familie an. Sie sehen ihre Berufung im Dienst unter den Suchtkranken. Sie bilden nach Angaben der Gründer das „Herz jeder Fazenda-Gemeinschaft“ und seien zu einem großen Teil selber ehemalige Drogenabhängige.

„Das waren faszinierende und zugleich bereichernde Einblicke in ihr Lebenswerk“, sagte unter anderem Pfarrer Dr. Rogers Biriija am Ende des außergewöhnlichen Treffens in Telgte an Hans und Paul Stapel gewandt.

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