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Prozess wegen Körperverletzung vor Asylbewerberheim

Viele sprachliche Unklarheiten

Telgte/Münster

Klaus Möllers

Der Prozess wegen einer Körperverletzung vor einem Asylbewerberheim in Telgte am Orkotten wurde jetzt fortgesetzt. Foto: dpa

Ein Streit um 360 Gramm Marihuana war es womöglich, der die brutale Schlägerei vor dem Asylbewerberheim am Orkotten auslöste. Einer der Verletzten, ein 18 Jahre alter Münsteraner, ist seit dem Vorfall Ende August vergangenen Jahres halbseitig gelähmt und kann sich kaum mehr mitteilen.

In dem Verfahren am Landgericht Münster wegen schwerer Körperverletzung (WN berichteten bereits) wurde diese Drogenmenge jetzt genannt. Die Polizei hatte in einem BMW, mit dem der 18-Jährige, dessen Bruder und zwei weitere Männer aus Münster zum Orkotten gefahren waren, mehrere Tüten gefunden, in denen sich der Stoff befand.

Doch wer wen mit einem Baseballschläger, einem Hammer oder einem Messer verletzte und wer wen schlug oder trat, das ist nach etlichen Zeugenvernehmungen noch nicht sicher.

Eine Kriminalpolizistin erklärte zur Vernehmung eines der Angeklagten, eines 30 Jahre alten Bewohners der Unterkunft aus Ghana, dass dieser dem mitangeklagten Bewohner aus Marokko (30) vor dem Haus habe helfen wollen. Der 18-Jährige habe ihm dabei mit einem Baseballschläger auf den Kopf geschlagen. Er sei dem Münsteraner zu Fuß gefolgt. Er sei über den Schlag „so wütend“ gewesen“, zitierte die Polizistin, dass er dem 18-Jährigen, der auf der Flucht gestolpert war, „mehr als 30 Mal“ gegen den Kopf und gegen den Oberkörper geschlagen und getreten habe. Die beiden Brüder seien „mit schwarzen Tüchern“ vermummt gewesen.

Der Anwalt des Ghanaers stellte infrage, ob sein Mandant bei der Vernehmung wusste, dass gegen ihn „wegen eines versuchten Tötungsdelikts“ ermittelt wurde. Die Polizistin hatte, so erklärte sie, dem Beschuldigten dargelegt, dass sich ein Opfer mit schwersten Verletzungen im Uni-Klinikum Münster befinde und möglicherweise sterben werde. Dass der Ghanaer „getreten“ habe“, sei eine Schlussfolgerung der Polizistin gewesen, mutmaßte der Anwalt, denn es sei aus der Vernehmung lediglich das Wort „beat“ („schlagen“) dokumentiert.

Bei der gerichtlichen Befragung des Dolmetschers, der zur Vernehmung hinzugezogen worden war, wurde klar, dass der für den Ghanaer nicht in dessen Muttersprache übersetzt hatte, weil er selbst aus Niger stammt. Die Übersetzung war womöglich ungenau. Der Anwalt fragte den Dolmetscher, warum er die Vernehmung nicht „sofort abgebrochen“ habe, als sich herausstellte, dass eine Übersetzung in der Muttersprache nicht möglich war. Der Dolmetscher: „Ich dachte, wenn es auf Englisch geht, dann eben auf Englisch.“

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