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„Alte Mädchen“ sorgen für einen grandiosen Kabarettabend

Voller Spritzigkeit und Lebendigkeit

Telgte

Anna Bolk, Jutta Habicht und Sabine Urig sorgten als „Alte Mädchen“ für einen grandiosen Kabarettabend im Bürgerhaus.

Axel Engels

Die „Alten Mädchen“ sorgten für einen großartigen Kabarettabend. Foto: Axel Engels

Mit einem grandiosen Kabarettabend startete am Samstagabend das neue Kulturangebot. Natürlich waren nicht so viele Liebhaber des geschliffenen Wortes wie gewöhnlich ins Bürgerhaus gekommen, schließlich galt es, die umsichtigen Maßnahmen des Hygiene-Konzeptes zu beachten. Aber wenn sich Veranstalter und Publikum so diszipliniert verhalten, dann kann das kulturelle Leben so langsam wieder lebendig werden.

Mit Anna Bolk, Jutta Habicht und Sabine Urig erlebte man drei Vollblutkabarettistinnen, die ihr Metier verstehen und auf hohem Niveau köstlich prickelnde Unterhaltung boten. Seit fast zehn Jahren sind sie ein eingespieltes Team, da funktioniert der Dialog untereinander ganz natürlich gewachsen. Ob als Trio oder solistisch, jederzeit hatten sie einen engen Kontakt zum Publikum, wirkten ihre permanenten Angriffe auf die Lachmuskulatur, und auch zum Nachdenken hatten sie jede Menge bitterböse Spitzen in ihre Show eingearbeitet.

„Alte Mädchen“ erscheint bei so viel Spritzigkeit und Lebendigkeit fast die falsche Bezeichnung für dieses Trio, denn Assoziationen zu Senioren kamen bei der bis ins kleinste Detail gestalteten Show wohl nie auf. Wenn sie sich stimmgewaltig und wortgewandt über ihre eigene Lebenssituation hermachten, dann mischte sich in die mitreißenden Songs so manche Prise an schwarzem Humor. „Alt werden muss Spaß machen, sonst ist es sinnlos“ hatte einer der ganz Großen der Kabarettzunft schon gesagt, und diesem Leitsatz folgten die drei sympathischen Künstlerinnen mit jeder Faser.

Wer über 160 Jahren Lebenserfahrung auch gleich auf drei Leben zurückblickt, der hat eben so manches erlebt und zu erzählen. Dabei machten die „Alten Mädchen“ kein reines Frauenkabarett, fühlte man sich auch als Vertreter des vermeintlich „starken“ Geschlechts bestens unterhalten. Zwischen Kinderkriegen und Hitzewallungen und erlahmendem Bindegewebe liegen ja die verschiedensten Welten, die man an diesem Abend grandios präsentiert bekam. Wenn Sabine Urig von ihrem Jahr bei Parship sang, sich dabei süffisant an diverse Männerbekanntschaften erinnerte und dabei feststellte, dass die Realität ganz anders aussehen kann als die Präsentation im Internet, dann schien dies wie aus dem wahren Leben gegriffen.

Mit ihren so unterschiedlichen Charakteren bedienten sie auf natürliche Weise die üblichen Klischees, überzogen sie und ernteten dafür immer wieder Applaus. Leicht naiv gab sich Anna Bolk als alleinerziehende Mutter mit einem pubertierenden jungen Sprössling am Bein, voller Sinnlichkeit agierte Sabine Urig, und Jutta Habicht versuchte sich gar als „alternde“ Musicaldarstellerin.

Geboten wurde dem Publikum ein Abend mit jeder Menge mit Selbstironie durchtränkten Sketchen.

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