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Spuren zwischen Bever und Ems

Wolf ist wohl nur auf dem Durchzug

Telgte

Wolfssichtungen in und um Telgte sorgen für jede Menge Gesprächsstoff. Noch fehlen Beweise, dass sich in der Region ein Wolf niedergelassen hat. Ein Wolfsgebiet wird erst nach Erfüllung eines besonderen Kriteriums ausgewiesen.

Von Bernd Pohlkamp

Eine weitere Wolfssichtung wird aus Telgte gemeldet. Zudem wurden bei zwei verendeten Rehen Proben genommen und an ein Fachlabor geschickt um zu eruieren, ob die Tiere möglicherweise von einem Wolf gerissen worden sein könnten. Foto: dpa

„Wölfe, die derzeit in der Region gesehen oder vermutet werden, sind durchziehende Jungwölfe. Sie haben sich von ihrem elterlichen Rudel getrennt und suchen sich ein neues Territorium,“ weiß Olaf Stähler, Forstwirt und Wolfsberater für den Landesbetrieb Wald und Holz im Münsterland. Er hat sich mit den verschiedenen Sichtungen, unter anderem in Telgte (WN berichteten bereits), beschäftigt. Eine Standorttreue könne er noch nicht feststellen.

„Wolfssichtungen sind in der Region selten zu beobachten“, betont der Experte. Und er stellt klar: Ein Wolfsgebiet werde erst bei einer nachweislich festen Ansiedlung ausgewiesen: „Der Wolf muss über die Dauer von bis zu einem halben Jahr mehrfach in einem Gebiet nachgewiesen werden“, erläutert Olaf Stähler die entsprechenden Hintergründe.

Doch zurück zu möglichen oder auch angeblichen Wolfsspuren in der Region: Jagdaufseher Stefan Beckmann entdeckte im April im Ostbeverner Ortsteil Brock und anschließend in Greven-Bockholt insgesamt zwei tote Rehe, und es gab einen entsprechenden Verdacht.

Nachdem Olaf Stähler am 22. April von dem in Bockholt verendeten Tier genetische Proben genommen hatte, sandte er diese über das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) in Recklinghausen zur weiteren genetischen Untersuchung nach Gelnhausen weiter. Dort wird mit Hilfe eines aufwendigen Verfahrens der Todesgrund ermittelt. Das Ergebnis steht allerdings noch aus, die entsprechenden Proben werden noch ausgewertet.

Zu einer neuen Wolfssichtung in Telgte: Reitlehrer Alfred Remkamp wohnt auf einem Bauernhof unweit der Ems im Bereich Lauheide. Am 2. Mai hat er frühmorgens beim Frühstück aus seinem Fenster heraus einen Rehbock gesehen. Diesem folgte in einem Abstand von etwa 50 Metern möglicherweise ein Wolf. „Ich bin mir absolut sicher, dass es sich um einen jungen Wolf handelte, weil ich diesen aus 20 Metern Entfernung deutlich erkannt habe“, sagt der Telgter. Reh und Verfolger seien in Richtung Waldfriedhof Lauheide verschwunden. Eine andere Anwohnerin habe den Wolf sogar fotografiert, weiß er.

Große Sorgen macht sich Reinhard Pröbsting, Leiter des Hegerings Telgte-Westbevern, um die Weidehaltung von Rindern, Schafen und Pferden. „Sie prägen das Münsterland nachhaltig. Der mögliche monetäre und emotionale Schaden an Tierverlusten ist das eine. Der Schaden, der durch panikhaftes Fluchtverhalten mit einhergehenden Verletzungen der Tiere und möglichen Fehlgeburten sowie die erhöhte Gefahr von nächtlichen Verkehrsunfällen mit flüchtenden Nutztieren das andere.“

Sollte der Wolf hier im dicht besiedelten Raum sesshaft werden, sieht Pferdezüchter und Landwirt Martin Dieckhoff-Holsen ein großes Problem auf Tierhalter zukommen. „Jagt der Wolf Pferde auf einer Weide, rasen diese los und erkennen auch keinen Zaun mehr. Die Verletzungen könnten heftig ausfallen. Wenn es bewiesen ist, dass der Wolf die verendet aufgefundenen Rehe angegriffen hat, werden wir uns im Vorstand des Reit- und Fahrvereins Gustav Rau Westbevern mit diesem Thema auseinander setzen,“ so dessen Geschäftsführer Martin Dieckhoff-Holsen.

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