Kreishaushalt: Dickes Plus 2019, für 2020 deutliches Minus vorausgesagt

Vielleicht gibt es nur ein blaues Auge

Kreis Warendorf

In normalen Jahren hätten die Zahlen wohl für sehr zufriedene Gesichter gesorgt. Der Kreis Warendorf hat 2019 ein dickes Plus von 3,2 Millionen Euro erwirtschaftet – deutlich mehr als ohnehin vorausgesagt. Wegen Corona wird das Defizit im laufenden Jahr aber wohl noch größer ausfallen.

Henning Tillmann

Um das liebe Geld ging es am Donnerstag im Finanzausschuss. Noch hat es der Kreis einigermaßen dicke. Wegen Corona wird aber für 2020 ein hohes Defizit erwartet. Foto: dpa

Es ist ein frommer Wunsch gewesen, den Peter Kreft (SPD) da an Kreiskämmerer Dr. Stefan Funke richtete. „Erzählen Sie uns in diesen schlimmen Zeiten etwas Positives“, sagte der Vorsitzende des Finanzausschusses, der am Donnerstag nach mehr als 30 Jahren im Kreistag seine letzte Sitzung leitete. Zumindest einigermaßen konnte Funke dieser Bitte dann auch nachkommen.

Dickes Plus 2019, wohl noch größeres Minus 2020

Denn der Kreishaushalt weist für das Jahr 2019 mit insgesamt 3,2 Millionen einen noch einmal um 1,3 Millionen höheren Überschuss aus als zuletzt im Dezember prognostiziert. Vor allem die gute Konjunktur im vergangenen Jahr hat es möglich gemacht.

Auf der anderen Seite wirft die Corona-Pandemie aber schon jetzt einen langen Schatten auf den aktuellen Haushalt. Für 2020 rechnet der Kreis nämlich in einer Schätzung mit einem Fehlbetrag von 6,57 Millionen Euro. „Das ist irgendwie verkraftbar, aber natürlich auch kein Pappenstiel“, sagte Funke dazu. Hinter der Zahl stehe aber noch ein großes Fragezeichen. „Wir fahren hier wie alle nur auf Sicht“.

Überschuss soll in die Rücklage fließen, um Coronaschäden auszugleichen

Voraussichtlich wird der Kreis wegen des guten Polsters des vergangenen Jahres mit einem blauen Auge durch die Krise kommen. „Es ist gut, 2019 Rücklagen aufgebaut zu haben, die wir 2020 nutzen können, um den Haushalt auszugleichen“, befand der Kreiskämmerer schon im Vorgriff auf die erwartete Ergebnisverwendung, wie es im Buchhalterjargon heißt. Das dicke Plus aus 2019 soll nämlich nach dem Willen der Kämmerei – und die Politik signalisierte zumindest im Ausschuss breite Zustimmung dafür – in die sogenannte Ausgleichsrücklage fließen, die damit vorübergehend auf 10,3 Millionen anwachsen würde. Sie müsste dann allerdings sogleich wieder angeknapst werden, um die wahrscheinlichen Corona-Folgen auszugleichen.

Weniger Schulden, mehr Eigenkapital, pralle Kasse – noch

Wie gewonnen, so zerronnen also. Deshalb hätten Zahlen wie die für 2019 in normalen Jahren sicher auch für deutlich fröhlichere Gesichter gesorgt. Immer noch besser aber, so die einhellige Meinung im Finanzausschuss, als wenn schon vorher das Portemonnaie leer gewesen wäre.

In vielen Bereichen ist der Kreis 2019 schließlich ein gutes Stück vorangekommen. So wurden von den rund 15,3 Millionen an Schulden im vergangenen Jahr 2,7 Millionen getilgt. Schulden und die damit verbundenen Zinszahlungen sind nun auf dem niedrigsten Stand seit der Einführung des Neuen Kommunalen Finanzmanagements (NKF). Zum Vergleich: 2007 hatte der Schuldenberg noch 35,3 Millionen betragen. Das gibt natürlich Luft für kommende Herausforderungen. Gleichzeitig wurde die Vorsorge für Pensionszahlungen ausgebaut.

Und auch die Liquidität ist aktuell sehr ordentlich. Der Kreis hatte zum Stichtag Ende 2019 mit 21,5 Millionen Euro zwar 1,2 Millionen weniger „auf dem Konto“ als ein Jahr zuvor. Aktuell beträgt der Kassenbestand aber sogar rund 25 Millionen, wie Funke vortrug. Sollte bei den Kommunen also die Gewerbesteuer wegbrechen und es mit der Kreisumlage eng werden, sollen sich die Bürgermeister bei ihm melden, um über eine mögliche Stundung zu sprechen.

Wie gesagt: Es könnte aktuell schlechter aussehen für die Kreisfinanzen.

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