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Für den Blackout-Fall

6300 Kubikmeter heiße Luft

Warendorf

Auch wenn er unwahrscheinlich sein mag: Ein großflächiger Stromausfall erfordert Reaktionen. 

Von Andreas Engbert

Exemplarisch bauten die Einsatzkräfte einige Einrichtungsgegenstände einer Betreuungsstelle, hier Feldbetten, in der Turnhalle auf.

Wo soll man sich aufwärmen, wenn im Winter für einen längeren Zeitraum Gas und Strom ausfallen? Am Samstag wurde der Ernstfall geübt: Die Sporthallen des Mariengymnasiums wurden von Einsatzkräften von Feuerwehr, THW, DRK und DLRG mit einer Notheizung mit Wärme versorgt. Ein großes Stromaggregat sorgte zudem dafür, dass niemand im Dunkeln sitzen musste.

Notheizung und Stromaggregat

Aktuelle Einschätzungen von Experten halten derzeit eine Energiemangellage für äußerst unwahrscheinlich. Doch längere Ausfälle der Energieversorgung können vielfältige Ursachen haben: „Man denke nur an das Hochwasser 2001 in Ahlen, Schneechaos im Münsterland 2005 oder der Starkregen in Münster 2014“, fallen Frank Sölken, Sachgebietsleiter „Feuerwehr und Rettungsdienst“ der Stadt Warendorf sofort konkrete Katastrophen der aus der näheren Umgebung ein ein. Die vor einigen Monaten angestoßenen Vorbereitungen für den Ernstfall gehen also weiter.

Frank Sölken, Sachgebietsleiter Feuerwehr und Rettungsdienst

Die Übung war der erste Testlauf des Ersatzheizgeräts, das auch bei Minusgraden für muckelige Temperaturen sorgt. Die Einsatzkräfte werden nun als Multiplikatoren in ihren jeweiligen Gruppierungen fungieren.

Mit einer Heizleistung von 200 Kilowatt, dem Vielfachen dessen, was die Zentralheizung eines Einfamilienhauses leisten muss, bläst das Gerät 6300 Kubikmeter heiße Luft in der Stunde durch große gelbe Schläuche in die zu beheizenden Räume.

„Wir brauchen mehr Schlauch“, stellten die Einsatzkräfte beim Aufbau der Anlage fest, dass die angeschafften Rohre nicht ausreichten, um durch die Flure bis in beide Turnhallen zu legen. Ein eher kleines Problem, dass sich in den nächsten Tagen mit der Nachbeschaffung schnell lösen lässt, wie die Verantwortlichen betonten, die gleichzeig froh waren, den kleinen, aber entscheidenden Fehler nicht erst im Ernstfall bemerkt zu haben.

Heizleistung von 200 Kilowatt

Die angeschaffte Heizung diene nicht nur der Beheizung der Turnhalle, sondern sei multifunktional auch an anderer Stelle einsetzbar, etwa wenn im tiefsten Winter eine Heizung beispielsweise in einem Altenheim ausfällt: „Wir wissen ja nicht was uns ereilt“, erläutert Sölken, warum die angeschaffte Anlage möglichst flexibel sein muss.

Auf Rädern lässt sich das große, gelbe Heizgerät zum jeweilig benötigten Standort rollen. Foto:

Geplant wurde die Anschaffung durch ein Team aus ehrenamtlichen Feuerwehrkräften aus Mitteln der Stadt Warendorf. „Rat und Verwaltung haben die Zeichen der Zeit erkannt“, ist Frank Sölken froh, dass die Stadt Warendorf in den vergangenen Monaten aber auch in Zukunft vergleichsweise große Summen in den Katastrophenschutz investiert. Viele Jahre war das so gut wie gar nicht der Fall.

Bürgermeister Peter Horstmann zu  den Fortschritten in der Notfallvorsorge

In den letzten Monaten habe man schon einen enormen Schritt nach vorne gemacht, betont auch Peter Horstmann: „Da haben wir in letzter Zeit viel auf den Weg gebracht.“ Der Warendorfer Bürgermeister schaute sich die Übung, für die auch exemplarisch mit Betten und Informationsständen eine Betreuungsstelle aufgebaut wurde, persönlich an. Insgesamt sechs Betreuungsstellen sind im Stadtgebiet vorgeplant. Dort können Bürger sich im Ernstfall aufwärmen, informieren und gegebenenfalls sogar auf Feldbetten übernachten. Trotz aller städtischer Vorbereitung ruft Bürgermeister Peter Horstmann die Warendorfer auf, sich ebenfalls vorzubereiten: „Man wird den Bürgern nicht alles abnehmen können“, stellte er realistisch fest.

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