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Stift und Stiftsdamen in Freckenhorst

Äbtissinnen prägen die Geschichte

Freckenhorst

Die Führung zum Thema „Stift und Stiftsdamen in Freckenhorst“ hat viel Spannendes zu bieten – es geht um die Menschen, die viele Jahrhunderte im Schatten der Stiftskirche gelebt haben. Gästeführerin Annemarie Enninghorst entführt in die Welt vergangener Jahrhunderte.

Die Heilige Thiatildis war die erste Äbtissin und Nichte des kinderlosen sächsischen Adeligen Everword. Ihr Sarg ist in der Stiftskirche zu sehen. Gästeführerin Annemarie Enninghorst hat viele Infos zu erzählen. Foto: Ulrich Lieber

Die Stiftskirche steht mitten im Zentrum von Freckenhorst und ist schon von weitem zu sehen. Sie ist das Wahrzeichen des Ortes und hat schon selbst viele Geschichten zu erzählen. In dieser Führung unter dem Thema „Stift und Stiftsdamen in Freckenhorst“ aber geht es um die Äbtissinnen, Kanonissen und Kanoniker, die viele Jahrhunderte im Schatten der Stiftskirche gelebt haben sowie um bedeutsame Epochen aus der Geschichte des Stiftes bis zur Säkularisierung im Jahre 1811.

Gästeführerin Annemarie Enninghorst lädt zur Führung „Stift und Stiftsdamen in Freckenhorst“ ein. Beginnend auf dem Kirchplatz vor dem monumentalen Westwerk der romanischen Stiftskirche wird die sogenannte „Stiftsfreiheit“ erläutert, in der die jeweilige Äbtissin Recht sprechen konnte. Wer dort Hilfe gesucht hat, stand unter dem Schutz der Äbtissin.

Anfangslegende auf dem Bronzeportal

Auf dem von Heinrich Bücker gestalteten Bronzeportal am Eingang auf der Südseite der Stiftskirche ist die Anfangslegende mit Everword, Geva und Thiatildis dargestellt. Weiter geht es im Kreuzgang, wo alle Äbtissinnen des Freckenhorster Stiftes mit Namen und Jahreszahlen ihrer Weihe und des jeweiligen Sterbejahres aufgelistet sind. Anhand dieser Auflistung werden wichtige Epochen aus der Stiftsgeschichte thematisiert, in denen es um wesentliche Veränderungen ging.

Der Wandel vom Kloster zum freiweltlichen Damenstift geschah im Jahr 1495: Damen und Mädchen aus adeligen Familien wurden aufgenommen. Sie erhielten Bildung und eine Versorgung bis an das Lebensende. Die Kanonissen versprachen im Gegensatz zu Klosterfrauen keine Ehelosigkeit und keine persönliche Armut – lediglich Gehorsam gegenüber der Äbtissin.

Vom Kreuzgang zum Schrein

Vom Kreuzgang aus geht es zum Schrein der Hl. Thiatildis im südlichen Querschiff der Stiftskirche. Sie wurde am 3. Mai 1669 im Rahmen großer Feierlichkeiten von Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen heilig gesprochen, als Claudia Seraphia von Wolkenstein Äbtissin im Stift Freckenhorst war.

Danach folgt ein Besuch in der Krypta, wo die Grabplatte der Äbtissin Geva zu sehen ist, die laut lateinischer Inschrift Äbtissin zur Zeit der Weihe der Stiftskirche war.

Für die Kloster- bzw. Stiftszeit und bis auf den heutigen Tag war und ist die Kreuzverehrung in Freckenhorst sehr bedeutsam. Beim jährlichen Krüßingfest steht das Freckenhorster Kreuz im Mittelpunkt bei den kirchlichen Feiern.

Den Abschluss jeder Führung bildet der Besuch in der Taufkapelle am weit bekannten romanischen Taufstein, auf dem als wissenschaftlich anerkanntes Weihedatum das Jahr 1129 durch den Bischof Egbert von Münster angegeben ist. In sieben Reliefbildern wird die Heilsgeschichte Jesu Christi dargestellt als Glaubensverkündigung für Menschen in einer Zeit, in der sie selber nicht die Bibel lesen konnten. Die zahlreichen Veröffentlichungen zum Taufstein, darunter eine Dissertation von mehreren hundert Seiten, zeigen die große Bedeutung des Taufsteins in theologischer und kunsthistorischer Hinsicht.

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