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Ausstellung „Eine Stadt verändert ihr Gesicht“ ist eröffnet

Alte Ansichten neu fotografiert

Warendorf

Beate Trautner hat alte Ansichtskarten neu fotografiert, um die Veränderungen sichtbar zu machen. Rudolf Berger hat dazu Begleittexte verfasst. Die Fotos der Gegenwart sind im Vergleich zu den historischen Karten von Hans Rennemeier in einer Ausstellung im Modehaus ebbers zu bewundern.

Von Ulrich Lieber

Im Modehaus ebbers wurde die Ausstellung „Eine Stadt verändert ihr Gesicht“ eröffnet (v.l.): Rudolf Berger, Beate Trautner, Christoph Berger, Mechtild Wolff und Hans Rennemeier. Foto: Ulrich Lieber

Warendorf hat sich im Laufe der Zeit verändert. Das ist nicht ungewöhnlich, und das ist auch nichts Schlechtes. Trotzdem ist es spannend, sich einmal anzusehen, was aus alten Stadtansichten heute geworden ist. Eine Aufgabe, der sich Beate Trautner und Rudolf Berger mit ihrer Ausstellung „Eine Stadt verändert ihr Gesicht“ gestellt haben, die bei Ebbers zu sehen ist. Zu sehen sind Bildpaare von damals und heute, die mit einem Begleittext von Rudolf Berger versehen worden sind.

Die Idee entstand dabei schon während der letzten Ausstellung, wie Rudolf Berger bei der Eröffnung berichtete. „Manche Straßen sehen komplett anders aus.“ Auf der Basis der Sammlung historischer Ansichtskarten aus dem Fundus von Hans Rennemeier stellte sich Beate Trautner der Aufgabe, die alten Ansichten neu zu fotografieren. Doch das stellte sich alles andere als leicht dar.

Beate Trautner, Fotografin

Die Schwierigkeit lag bei vielen Motiven darin, dass sie zum Teil nicht wiederzuerkennen waren, oder dass der Standort nicht zu betreten war, ohne sich in Gefahr zu begeben. „Man sieht ganz gut, wo es mir gelungen ist, die alten Ansichten zu übernehmen. Aber bei einigen passt es nicht übereinander“, sagte die Fotografin. Am schwierigsten sei es an der Ems gewesen, denn dort waren viele Ansichten aufgrund der massiven Veränderungen einfach gar nicht mehr da.

Beate Trautner riskierte zum Teil gefährliche Manöver, um ihre Fotos zu schießen. „Ich bin auf der Straße rumgelaufen. Es gab Hupkonzerte und Beschimpfungen“, schildert sie ihre Erlebnisse. Am Ostwall sei gar nichts mehr wie früher gewesen, und sie habe gar nicht gewusst, wie sie fotografieren soll. „Es war insgesamt eine echte experience für mich.“

Rudolf Berger geht in seinen Begleittexten auf die Veränderungen ein und informiert über die Motive. „Die Postkarten erzählen noch Geschichten. Heute darf man ja keine Nummernschilder oder Menschen mehr fotografieren“, wies er darauf hin, dass sich die Bedingungen geändert haben. Zur Ausstellung gibt es ein Heft, das in einer Auflage von 150 Stück gedruckt worden ist und kostenlos mitgenommen werden darf. Rudolf Berger macht darauf aufmerksam, wie rasant sich die Städte verändern. Wie lässt sich die Individualität der Innenstadt bewahren? „Der nächste Wandel steht bevor, wenn die Handelsleute nicht mehr so aktiv sind“, blickt er in die Zukunft. Trotzdem möchte er nicht in der Vergangenheit verharren. „Es ist kein Blick zurück im Zorn, sondern wir sollten überlegen, was wir tun können, um die Stadt attraktiv weiterzuentwickeln.“

„Es ist faszinierend, dass Warendorf eine graue Stadt war und heute eine bunte Stadt ist“, sagte Mechtild Wolff vom Warendorfer Heimatverein. Das Fachwerk sei früher verdeckt und die Häuser weiß angestrichen gewesen.

Hans Rennemeier hat mit seiner riesigen Sammlung an Ansichtskarten, insgesamt 7000 aus dem Kreis Warendorf und davon allein 1600 aus Warendorf selbst, den Anstoß für diese Ausstellung gegeben. „Ich habe 1994 angefangen zu sammeln und bin 2001 in den Vorruhestand gegangen“, berichtet der 78-Jährige, der sich hauptsächlich auf Ansichtskarten bis 1970 konzentriert. Mit dem Computer sei es dann „explodiert“. Denn nun konnte er online recherchieren, viele Karten entdecken und kaufen, zum Teil sogar ganze Sammlungen erstehen. Die Warendorfer Sammlung hat er bereits vertraglich den Altstadtfreunden vermacht, die anderen Ansichtskarten dem Kreisarchiv. „Ich möchte keine Fledderei“, erklärt er diesen Schritt.

Die Ausstellung bei Ebbers ist übrigens auch in der Nacht der Museen am Samstag von 18 bis 23 Uhr vom Eingang Freckenhorster Straße geöffnet.

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