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Vergewaltigungsprozess

Angeklagter schweigt weiter

Warendorf / Münster

Die psychiatrische Sachverständige hat ihr Gutachten im Vergewaltigungsprozess verlesen. Der Angeklagte sei „unangepasst und streitsüchtig.“

Von Eva-Maria Landmesser

Symbolbild Foto: Friso Gentsch

„Sein Verhalten passte nicht zu dem, was er gesagt hat“, schilderte die Polizeibeamtin, die den 49-jährigen Ahlener am Morgen des 6. November 2020 an der Leitstelle in Warendorf antraf. Er habe angegeben, seine Frau geschlagen zu haben und dass er mit seiner Schuld nicht leben könne. Dabei habe er reuig seine Arme den Polizeibeamten entgegengestreckt, damit ihm Handschellen angelegt werden können.

Die Sachverständige über den Angeklagten

Welches Martyrium sich jedoch dann bei der Befragung der Ehefrau offenbarte, wurde am Montagmorgen vor der 3. Strafkammer des Landgerichts Münster durch die Vernehmung der damals zuständigen Polizeibeamten noch einmal rekonstruiert. So hatte der Angeklagte seine getrennt lebende Ehefrau unter Vorhalt eines Küchenmessers mit einer Klingenlänge von 14 Zentimetern in ein Rapsfeld in Warendorf gezwungen und sie dort massiv mit Faustschlägen und durch schwere sexuelle Gewalt verletzt. Auch in ihrem Wohnhaus hatte er sie noch einmal vergewaltigt, bevor er sich der Polizei stellte.

Auslöser für die Tat soll der Umstand gewesen sein, dass der Ahlener, von dem die Opferzeugin seit 2019 getrennt lebt, dass sie einen neuen Lebensgefährten hat.

Da der 49-Jährige im Prozess komplett schweigt und sich auch nicht begutachten ließ, fertigte die psychiatrische Sachverständige ein Gutachten aufgrund des Akteninhalts und der Aussage der Geschädigten an, welche unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand.

Dissoziale Persönlichkeitsstörung, aber voll schuldfähig

Die Sachverständige nahm eine dissoziale Persönlichkeitsstörung beim 49-Jährigen an, die durch narzisstische und egozentrische Elemente sowie emotionale Instabilität gekennzeichnet sei. In der seit 2004 bestehenden Ehe habe es durch den Angeklagten immer wieder aggressive Übergriffe in körperlicher und sexueller Hinsicht gegeben. Er sei unangepasst und streitsüchtig, weshalb er auch gut bezahlte Arbeitsstellen immer wieder verloren habe. Im Ergebnis geht die Gutachterin von voller Schuldfähigkeit des Ahleners aus. „Er wusste, dass er Schlimmes tut“ und war auch nicht in seiner Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt. Am 31. März (Donnerstag) wird der Prozess fortgesetzt. Dann werden die Schlussvorträge gehalten und das Urteil gesprochen.

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