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Politiker schalten sich ein

Anlieger stemmen sich gegen Bahnlärm

Warendorf

Die Anlieger der Tillmannstraße sind es leid. Sie wollen den Lärm, genauer gesagt das Hupsignal der Eurobahn auf der Zugstrecke zwischen Warendorf und Münster, nicht länger hinnehmen. Sie würden notfalls sogar selber Geld in die Hand nehmen, um möglichst schnell zwei der sechs Bahnübergänge, und zwar an den Hofstellen Schabhüser und Neuhaus – notfalls auch selbst mit Holzbalken – zu sperren.

Joachim Edler

Das Pfeifen, der sogenannte Hupton ist Pflicht vor jedem unbeschranken Bahnübergang. Foto: Edler

Dass Bahnübergänge geschlossen werden, ist auch im Interesse der DB Netz AG: „Auf der Strecke zwischen Münster und Rheda gibt es 105 Bahnübergänge, 64 davon technisch nicht gesichert. Das ist umgerechnet alle 500 Meter ein Bahnübergang. Da kann mir doch keiner sagen, die werden alle benötigt“, sprach Guido Göldner (Leiter DB-Regionalnetz) Klartext und versprach, dass noch in diesem Jahr erste Planungsunterlagen vorliegen werden, um diese dann Anfang 2017 in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Ziel sei es, einen Halb-Stundentakt zwischen Warendorf und Münster zu erreichen. Göldner: „Wichtig ist, dass wir jetzt konzeptionell arbeiten und alle mit ins Boot nehmen.“

Erste Maßnahmen wurden ergriffen

Erste Maßnahmen zur Schließung oder Sicherung der insgesamt sechs Bahnübergänge östlich der BÜSTRA-Anlage bei Allendorf in Neuwarendorf: Die DB Netz AG hat ein Ingenieurbüro beauftragt. Fünf der sechs Übergänge sollen geschlossen werden. Der Bahnübergang in Höhe des Hofes Altenau soll erhalten und mit einer BÜSTRA-Anlage ausgebaut werden. Dafür brauche man aber noch den Konsens aller Beteiligten – vor allem des Straßenbetriebs NRW, sagte Jürgen Akkermann, Leiter Anlagenplanung der DB Netz AG in Münster, am Rande der gestrigen Zusammenkunft zwischen Anliegern der Tillmannstraße, Kommunalpolitikern, Bürgermeister Axel Linke und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Reinhold Sendker gegenüber unserer Zeitung.

Die Anlieger der Tillmannstraße sind es leid. Sie wollen den Lärm, genauer gesagt das Hupsignal der Eurobahn auf der Zugstrecke zwischen Warendorf und Münster, nicht länger hinnehmen. Sie würden notfalls sogar selber Geld in die Hand nehmen, um möglichst schnell zwei der sechs Bahnübergänge, und zwar an den Hofstellen Schabhüser und Neuhaus – notfalls auch selbst mit Holzbalken – zu sperren. Beide Hofstellen haben ihre Zufahrt von der K 3. Die erste Querung zur Bundesstraße 64 werde überhaupt nicht mehr benötigt, hieß es, geschweige denn genutzt. Und den zweiten Bahnübergang würden nur noch Fußgänger oder Reiter mit Pferde nutzen. Guido Göldner, Leiter DB-Regionalnetz, hatte zwar Verständnis für die Anlieger, doch könne man nicht einfach zwei – auch wenn diese unproblematischer erscheinen – der insgesamt sechs Bahnübergänge aus einem Gesamtkonzept herausreißen. Je schneller es jedoch einen Konsens unter allen Beteiligten (Landwirte, Anlieger, Straßen NRW, Naturschutz) gebe, umso schneller käme man auch ans Ziel. Bislang fehle der DB Netz aber noch die Planungstiefe, um mit allen Beteiligten – vor allem den privaten Eigentümern – diskutieren zu können.

Anlieger sind unzufrieden

„Was ist denn bis jetzt passiert?“ warf ein Anlieger in den Raum und gab auch gleich die unbefriedigende Antwort: „Nichts“. Und die Anlieger erfuhren, dass die DB Netz AG bereits seit 15 Jahren an der Schließung und Sicherung der Bahnübergänge zwischen Münster und Rheda arbeite – immer mit unterschiedlichen Schwerpunkt-Abschnitten. Göldner versprach, dass frühzeitig mit den direkt betroffenen Anliegern gesprochen werde, zumal es sich vier private Bahnübergänge handelt. Je früher sich dabei Vereinbarungen erzielen ließen, könnten einzelne Maßnahmen verwirklicht werden.

„Wir hoffen, dass sich die Sicherheit und damit die Verkehrsinfrastruktur an dieser Bahnstrecke bereits im kommenden Jahr verwirklichen lässt, auch im Interesse der Anwohner der Tillmannstraße und weiterer Nachbarn in Neuwarendorf, die sich durch das jetzt noch notwendige laute Hupen der Züge beeinträchtigt sehen“, versprach Sendker „Dampf“ in der Sache zu machen.

Pfeifen ist Pflicht vor dem Bahnübergang

Das Pfeifen des Zuges, so Göldner, sei übrigens keine Willkür des Zugführers, sondern Pflicht vor jedem unbeschrankten Bahnübergang. Der Zugführer müsse mindestens drei Sekunden lang das Signal drücken. Bei 249 Zugfahrten in der Woche ertönt das Signal fast 500 Mal.

Die Stadt steht Gewehr bei Fuß, versicherte Bürgermeister Axel Linke und auch Sendker will weiter Druck machen – genauso wie die SPD, die heute mit ihrem Bundestagsabgeordneten Bernhard Daldrup das Gespräch mit den Anliegern sucht. Wieder mit dabei ein Vertreter der DB-Netz. Und da gibt es auch noch Warendorfs Liberale, die – nach dem Gespräch mit den Tillmann-Anliegern – die Schließung der zwei Bahnübergänge fordern. Göldner fände es schade, wenn das Ganze zu einem politischen Spielball würde: „Wir müssen hier inhaltlich etwas bewegen können.“

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