1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Warendorf
  6. >
  7. Anwohner legen Kreuzung lahm

  8. >

Flashmob in Freckenhorst

Anwohner legen Kreuzung lahm

FRECKENHORST

Mehr Druck machen für die Freckenhorster Ortsumgehung wollen einige Anwohner. Deshalb besetzten sie am Montagnachmittag mitten im Berufsverkehr kurzerhand eine Kreuzung. Zu einem Flashmob. Die Autofahrer blieben weitestgehend ruhig und abwartend. Weitere Aktionen sind in Planung.

Peter Sauer

Montag, 16.36 Uhr: Diese Freckenhorster flashmobbten für die Ortsumgehung. Zuvor quetschten sich Lkw hier vorbei. Der Verkehr kam zum Erliegen. Foto: Fotos: Peter Sauer

Mitten im Berufsverkehr kommt in Freckenhorst der wohl am häufigsten frequentierte Straßenabschnitt für einige Minuten gänzlich zum Erliegen. Auf der Kreuzung Warendorfer/Westkirchener/Hoetmarer und Everswinkeler Straße hat es nicht etwa einen Unfall gegeben, wie bei der Dichte des Verkehrs zu erwarten wäre, nein, 14 mutige Menschen stehen mitten auf der Straße.

Sie versperren den Autofahrern gleich aus vier Richtungen die Durchfahrt. Sie packen sich an den Händen, und demonstrieren für eine gemeinsame Sache. Sie alle wollen in Freckenhorst eine verkehrsberuhigte Innenstadt und das geht nur mit einer Ortsumgehung. „Wie in Telgte“, ruft eine Demonstrantin in die Runde.

„Zufällig“ haben sich die Menschen an der Kreuzung getroffen und machen diesen Flashmob. Weil Transparente und Worte genug gewechselt seien. „Seit 60 Jahren tut sich hier nichts und der Verkehr wird immer schlimmer“, sagt Anwohner Achim Hensdiek. „Radfahrer und Fußgänger haben Angst und Anwohner sorgen sich um ihre Häuser.“ Etwa wenn tonnenschwere Lkw haarscharf aneinander durch den Ort brettern und nur durchkommen, indem sie mittig über die Kreuzung oder über den Bürgersteig fahren. Sie sorgen auf Trottoirs und an Häusern für Schäden und bei den Fußgängern für lebensgefährliche Situationen. „Ich erschrecke mich sehr vor den Lkw“, sagt der zehnjährige Lorenz Wiedeler. Und dann kommt noch der Ernteverkehr hinzu und jede Menge Pkw.

Für den Fall, dass eine Ortsumgehung gebaut werde, ist mit einer Verkehrsentlastung von 40 bis 50 Prozent im Ortskern zu rechnen. Im südlichen Abschnitt könnte die Entlastung sogar bis zu 80 Prozent betragen. Diese Zahlen wurden einmal genannt.

„Aber es tut sich nichts“, ist nicht nur Hensdiek sauer auf die Politik. Auch Warendorfs stellvertretende Bürgermeisterin Doris Kaiser steht mit ernstem Gesicht auf der Kreuzung: „Wir lassen nicht locker. die Anwohner leiden sehr unter dem Verkehr. Immer mehr Menschen ziehen weg!“

Die Autofahrer bleiben während des Flashmob überraschend ruhig. Ein Wagen schert haarscharf hinter den Demonstranten aus, einer hupt, wenige wenden. Nach wenigen Minuten ist der Spuk vorbei. Die Flashmobber verlassen die Kreuzung. Mit Zuversicht. „Dies war nur ein Warnschuss“, sagt Hensdiek. „Nächstes Mal wird alles umfangreicher.“ Nur langsam lösten sich in allen vier Richtungen die Staus auf.

Startseite
ANZEIGE