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Einschneidende Zäsur beim Berittenen Fanfarenzug Freckenhorst

Auftritte künftig ohne Pferde

Freckenhorst

Die Zeit der Auftritte mit Pferden neigt sich beim Berittenen Fanfarenzug dem Ende entgegen. Die Gründe dafür sind vielfältig und in der Summe zu viel, um die Tradition aufrechtzuerhalten. Beim Schützenfest in Freckenhorst im nächsten Jahr soll der letzte berittene Aufritt stattfinden.

Von Ulrich Lieber

Das beeindruckende Bild des Berittenen Fanfarenzuges Freckenhorst wird es zum Schützenfest 2023 ein letztes Mal geben. Danach wird es zum Bedauern des Vereins keine Auftritte mehr mit Pferden geben. Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurde Randolph Mevert (kl. Foto) zum Vorsitzenden wiedergewählt. Hier gratuliert er Kerstin Dühlmann zur 25-jährigen Vereinszugehörigkeit. Foto: Berittener Fanfarenzug

Ein berittener Fanfarenzug ohne Pferde? Das klingt merkwürdig, aber es wird in Freckenhorst traurige Realität. „Das ist eine einschneidende Veränderung, die extremen Einfluss hat“, sagt der Vorsitzende Randolph Mevert im Pressegespräch. Die Mitglieder haben im Rahmen der Jahreshauptversammlung am vergangenen Freitag davon erfahren.

Vorsitzender Randolph Mevert

Die Gründe für diesen harten Schnitt sind vielfältig und in der Summe so gravierend, dass es für den Berittenen Fanfarenzug Freckenhorst nicht mehr möglich sein wird, mit Pferden aufzutreten. „Es wird immer schwieriger, ruhige Pferde zu organisieren“, erklärt Mevert. Die Pferde müssten entsprechend ausgebildet werden, aber auch die Musiker müssen sicher im Sattel sitzen. „Es ist nicht leicht, berittene Auftritte durchzuführen. Wir hatten die Zahl der Pferde schon von 15 auf zwölf reduziert.“ Hinzu kommt, dass immer weniger Mitglieder Erfahrung mit Pferden haben, da die Musik in den Vordergrund getreten sei. Und auch die Anfragen nach Auftritten werden immer komplizierter und weniger, da auch bei den Veranstaltern immer weniger Pferdefreunde vorhanden seien. „Wir brauchen als Verein mindestens fünf Auftritte im Jahr, damit sich der Aufwand lohnt“, sagt der musikalische Leiter Jörg Middendorf.

Vorsitzender Randolph Mevert

Ein weiteres, aber sehr großes Problem, ist die öffentliche Wahrnehmung. „Die Gesellschaft wird immer kritischer gegenüber Veranstaltungen, an denen Tiere teilnehmen“, erklärt Mevert. So tauchten oft Videos in den sozialen Medien auf, die vermeintliche Tierquälerei dokumentieren sollen. „Alles wird gefilmt, und jede Kleinigkeit wird kritisiert.“ Durch Corona habe sich die Lange in den vergangenen zwei Jahren in allen Punkten noch verschärft, denn der Berittene Fanfarenzug hatte seitdem keine Auftritte mehr. Für dieses Jahr sind noch drei Auftritte geplant, wenn sie denn stattfinden.

Und als ob das alles noch nicht genug wäre, gibt es nun noch einen „Leitfaden zum Umzug mit Pferden“, der sich auf Karnevalsumzüge bezieht, sehr restriktiv ist und verschärfte Sicherheitskonzepte und mehr Personal beinhaltet. Dabei waren die Freckenhorster noch nie bei einem Karnevalsumzug. „Aber wenn jetzt eine Veranstaltung stattfindet, dann wird dieser Leitfaden als Basis genommen“, glaubt Mevert. So ist beispielsweise der Einsatz von „Paukenpferden“ verboten.

Jörg Middendorf schüttelt den Kopf, wenn er sich den Leitfaden anschaut. „Unser Verein soll Menschen Freude bringen.“ Das soll er auch weiterhin, aber nicht mehr mit Pferden. Doch der Verein möchte einen sauberen Abgang von der Bühne der berittenen Auftritte bei Straßenumzügen und plant daher zum 60-jährigen Bestehen beim Schützenfest in 2023 seinen letzten Auftritt.

In Zukunft soll die Fokussierung auf musikalische Auftritte in Kirchen, bei Hochzeitsmessen, Zeltfesten oder Sonderveranstaltungen liegen. Zudem plant der Verein eine Eigenveranstaltung pro Jahr, die selbst organisiert wird und an wechselnden Orten stattfinden soll. Und die Pferde? Sie werden als „Eyecatcher“ bei Standkonzerten oder im Showprogramm zum Einsatz kommen, so dass sie nicht vollständig verschwinden.

Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurde Randolph Mevert als Vorsitzender bestätigt und Lukas Achtermann als Beisitzer wiedergewählt. Geehrt wurden Christian Klosterkamp, Christian, Dennis und Diork Homann für zehn Jahre und Kerstin Dühlmann für 25 Jahre Vereinszugehörigkeit.

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