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Schrittweise Aufhebung des Shutdown

Beratung und Verkauf zur Not vor der Tür

Warendorf

Ein wenig Normalität zog am Montag ein, als die Geschäfte in der Warendorfer Innenstadt wieder öffneten. Die Kunden allerdings stürmten nicht die Läden, sondern kauften sehr besonnen ein. Viele, so die Beobachtung einer Verkäuferin, kauften ganz bewusst nur wirklich Notwendiges. Dass nur Läden bis zu einer Gesamtgröße von 800 Quadratmetern öffnen durften, ärgerte Geschäftsleute, deren Ladenlokale deutlich größer sind. Die Verkaufsflächen zu begrenzen, wäre ein Leichtes gewesen, ist in Nordrhein-Westfalen aber verboten.

Joke Brocker

Christine van der Meer hatte im Ebbers-Wäscheladen beobachtet, dass die Kunden wirklich Wichtiges kaufen. Foto:

Während sich an Tag eins der schrittweisen Aufhebung des Shutdown in Köln die Kunden durch die Schildergasse schieben, ist es in den Warendorfer Einkaufsstraßen Montagvormittag relativ ruhig. Lediglich vor dem Stoffladen Werning am Wilhelmsplatz bilden sich immer wieder lange Schlangen. Weil immer nur zwei Kunden auf einmal in das Ladenlokal eingelassen werden, ist Geduld gefragt. Viele Kunden kommen mit sehr genauen Vorstellungen, wollen nicht etwa Stoffe für neue Frühjahrs- und Sommerkleider, sondern Stoff für Masken kaufen: „Tatsächlich komme ich heute nur deshalb“, bemerkt eine Kundin, die für die Familie Masken nähen will. „Alles Weitere kaufe ich später.“

Anders im Schuhgeschäft Dreier. „Ich bin schon ganz zufrieden“, sagt der Mitarbeiter, der aus Sicherheitsgründen einen Mundschutz trägt und am Morgen schon einmal das gesamte Ladenlokal, Boden inklusive, mit einem Desinfektionsspray behandelt hat: „Es waren schon eine ganze Reihe Kunden da, die auch gekauft haben. Die Leute wollen raus und neue Outfits haben.“ Auch er selbst habe sich darauf gefreut, nach fünf langen Wochen, in denen immerhin der Bringservice gut funktionierte, endlich wieder arbeiten zu dürfen, gibt er zu.

An die Handschuhe habe sie sich ja schon gewöhnt, aber der Mundschutz sei noch ein wenig ungewohnt, sagt Lisa Frohne, Leiterin der zum Modehaus Ebbers gehörenden „Stylebar“, aber ansonsten sei es ein schönes Gefühl, nach vier Wochen wieder arbeiten zu dürfen. Auch die Kunden, die sich über die neuesten Modetrends informieren, berichteten, dass sie froh seien, wieder raus zu können.

Eine Theke mit Desinfektionsmitteln hatte Christoph Berger vor seinem Wäschehaus in der Freckenhorster Straße aufgebaut, gleich daneben einen Frequenz-Zähler in Ampelform, der dafür sorgen soll, dass nie mehr als 15 Kunden zur gleichen Zeit in dem rund 400 Quadratmeter großen Ladenlokal unterwegs sind. Als sich Kaffeetrinker, die beim Kaffeeröster nebenan ein Getränk bestellt hatten, anschickten, die Theke zum Kaffeetisch umzubauen, zog Berger die Reißleine und baute die Theke wieder ab.

Im Wäschehaus selbst hat Christine van der Meer an diesem Vormittag gut zu tun. Die Kunden, hat sie festgestellt, kauften vor allen Dingen wirklich Notwendiges. Und: „Der Bedarf an Kommunikation ist groß.“

Menschenmassen, wie am Montag in der Kölner Innenstadt, hält Christoph Berger weder für erstrebenswert noch für zielführend. Weil sie eine weitere Lockerung des Shutdown gefährden könnten. Und das würde die drei Großen in der Warendorfer Innenstadt – das Modehaus Ebbers, C&A und auch Intersport Kuschinski – noch härter treffen.

Dass der Online-Verkauf gut gelaufen ist, gerade vor Ostern, als zum Beispiel Inliner und Fitness-Kleinteile besonders gefragt waren, sei ein „Trost“ gewesen, sagt Bärbel Kuschinski, während Sohn Rainer vor der Tür eine sportliche Kundin berät, der das Fitness-Center fehlt und die daher Inliner kaufen möchte. Gleichwohl ärgern sich auch die Kuschinskis über die 800-Quadratmeter-Regelung, zumal es für sie ein Leichtes gewesen wäre, die obere Etage des Sporthauses abzuriegeln. „Dann hätten wir 670 Quadratmeter im Erdgeschoss“, erzählt Bärbel Kuschinski, die wie Tochter Anja und Sohn Rainer Mundschutz trägt und hinter einem Spuck- und Nies-Schutz aus Plexiglas steht. Das Einhalten von Mindestabständen auf einer so großen Fläche wäre da gar kein Problem gewesen. Doch was in Rheinland-Pfalz, Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, im Saarland und Sachsen kein Problem ist – dort dürfen Läden, die mehr als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche haben, einen Teil der Verkaufsflächen absperren, um so auf die 800 Quadratmeter zu kommen, ist in Nordrhein-Westfalen, sehr zum Missfallen der hiesigen Geschäftsleute, nicht vorgesehen. Dass Christoph Berger mit dem Wäscheladen trotzdem einen Teil seines Modehauses öffnen konnte, hat bauordnungsrechtliche Gründe. Das Ladenlokal befindet sich in einem separaten Gebäude. Die Risikogruppe, zu der alte oder vorerkrankte Menschen gehören und Shopping-Touren besser vorerst noch meidet, kann sich weiterhin auf den Warendorf-bringt‘s-Lieferservice verlassen, wie Alice Kaufmann, bei der Stadtwerke Warendorf GmbH für das Marketing verantwortlich, betont. Inzwischen sind dort 121 Unternehmen eingetragen.

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