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Bewährungsstrafe nach Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang

„Besonders tragischer Fall, der für alle belastend ist“

Warendorf

Gerechtigkeit werde es trotz des Urteils für die Angehörigen der Verstorbenen nicht geben. Das sei nicht möglich, betonte der Vorsitzende Richter im Rahmen der Verhandlung. Ein 20-jähriger Warendorfer wurde durch das Jugendschöffengericht wegen eines Verkehrsunfalls mit tödlichem Ausgang zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Von Christopher Irmler

Recht und Gerechtigkeit liegen auch im Rahmen eines Gerichtsurteils manchmal auseinander. Foto: Archiv

Wegen eines schweren Verkehrsunfalls mit tödlichem Ausgang musste sich am Mittwoch ein 20-jähriger Warendorfer vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Am Ende stand eine Bewährungsstrafe. Laut Anklage befuhr er am 19. Dezember 2020 gegen 0.25 Uhr mit einem Mercedes CLS die L 547 in Fahrtrichtung Warendorf. Dabei habe der Angeklagte die zugelassene Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometer deutlich überschritten - er fuhr demnach 165 km/h, schloss zu einem vor ihm fahrenden Renault Laguna auf und entschloss sich für ein Überholmanöver. In diesem Moment wollte die 48-jährige Fahrerin jedoch nach links in eine Grundstückseinfahrt abbiegen. Laut Gutachter wurde ihr langsam rollendes Fahrzeug seitlich mit 140 Stundenkilometern auf Höhe der B-Säule erfasst, wenig später verstarb sie im Krankenhaus. Der Angeklagte bestätigte die Anklage und Geschwindigkeitsangaben vollumfänglich.

Staatsanwalt

Der Vorsitzende Richter machte deutlich: Es sei schwierig, Gerechtigkeit zu erreichen. „Wir werden den Angehörigen der Verstorbenen nicht gerecht werden können.“ „Für beide Verkehrsteilnehmer wäre dieser Unfall vermeidbar gewesen“, befand der Staatsanwalt. Die Fahrerin hätte in den Rückspiegel schauen und den Abbiege-Vorgang abbrechen, der Angeklagte generell angemessen fahren müssen. Der zum Tatzeitpunkt 19-Jährige habe sich durch sein Rasen bewusst in eine derartige Lage gebracht und sei entsprechend schuldig der fahrlässigen Tötung in Tateinheit mit einer vorsätzlichen Gefährdung des Straßenverkehrs. Der Vertreter der Nebenklage monierte den Umstand, dass zwischenzeitlich von Seiten des 20-Jährigen Rechtsmittel gegen den Einzug des Führerscheins eingelegt worden waren: Erst im Mai 2021 erfolgte nach abgewiesener Anfechtung vor dem Landgericht Münster die Einziehung. Der Verteidiger sprach von „einem besonders tragischen Fall, der für alle belastend ist.“ Die Verhandlung habe einen Erziehungszweck erzielt. Er plädierte für eine „gerechte, milde Strafe“.

Er habe viele Verfahren wegen fahrlässiger Tötung erlebt, so der Vorsitzende Richter. „Es ist das erste Mal, dass ich sage‚ so ein Unfall kann mir nicht passieren. So einen Unfall bekommt nur ein Raser hin.“ Der Angeklagte habe nicht mit Vorsatz, aber grob fahrlässig gehandelt. Das Gericht verurteilte ihn zu einer sechsmonatigen Haftstrafe zur Bewährung, sowie einem vierjährigen Führerscheinentzug. In vier Jahren entscheidet dann das Straßenverkehrsamt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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