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Endgültiger Abschied mit Würde

Bestatter Martin Huerkamp über Beerdigungen in Corona-Zeiten

Warendorf

Wenn ein Mensch stirbt, ist das ein trauriger Moment - besonders für die nächsten Angehörigen. Zu einem Trauerprozess gehört auch das Abschiednehmen – wie geht das in Corona-Zeiten?

Erhard Kurlemann

Bestattermeister Martin Huerkamp hat die Utensilien herausgelegt, die benötigt werden, um etwa einen an Covid 19 verstorbenen Menschen für die Beerdigung vorzubereiten. Foto: Erhard Kurlemann

Abschied nehmen – das ist für Angehörige wichtig, wenn ein Mensch gestorben ist. „Es ist ganz oft der erste Schritt im Trauerprozess“, sagt Bestattermeister Martin Huerkamp. „Und es ist ein endgültiger Abschied.“ Er findet: Diese Möglichkeit sollte es auch für Hinterbliebene geben, die einen an Covid-19 verstorbenen Menschen verloren haben.

„Wir haben uns noch einmal intensiv mit unserem Verband über die Möglichkeiten unterhalten, dieses zu gewährleisten“, berichtet Martin Huerkamp. Der Verband vertritt die rund 4500 Bestattungsunternehmen in Deutschland.

Martin Huerkamp

Bislang seien die Angehörigen eines Corona-Toten gleichsam zu einem „kalten Abschied“ gezwungen. „Wir haben den Verstorbenen in einem Leichensack mit eingesetzten Desinfektionsmitteln abgeholt, den Reißverschluss zugezogen und in einen ausgewählten Sarg gelegt. Dieser blieb dann verschlossen.“

Dieses Vorgehen gleiche eher einer Entsorgung denn einer Beerdigung, formuliert es Huerkamp bewusst überspitzt. Aber: Ihm und seinen 31 Mitarbeitern seien die Klagen der Trauerfamilien darüber nicht entgangen. Vier Corona-Tote habe er bislang bestattet. Nicht zuletzt durch die Gespräche des Verbandes sei es jetzt möglich, auch Covid-19-Tote aufzubahren. „Das allein ermöglicht schon eine andere Form des Abschiednehmens“, sagt Huerkamp.

Er unterstreicht: Zunächst einmal gehe von verstorbenen Menschen keine Infektionsgefahr aus, solange die Angehörigen auf Körperkontakt verzichteten. So sei eine berührungsloses Abschiednehmen am offenen Sarg mit entsprechendem Abstand möglich, betont Huerkamp.

Martin Huerkamp

Trotzdem empfehle er, zusätzlich weitere Hygienemaßnahmen einzuhalten, um jedes Risiko zu minimieren. Dabei sei es ihm zusätzlich wichtig, die Anforderungen und Wünsche der Religionen und Weltanschauungen zu respektieren. „Dafür kann alles organisatorisch Erforderliche getan werden, wenn dieses risikolos möglich ist“, erläutert Huerkamp. Der Infektionsschutz müsse jedoch absolut vorrangig sein. Es seien auch schon vor Corona Menschen an ansteckenden Krankheiten gestorben, wisse er um notwendige Vorkehrungen für Angehörige. Der Bestattermeister zitiert aus dem Bestattungsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen. Dort heißt es in Paragraf 7 unter anderem: „Jede Frau und jeder Mann haben die Ehrfurcht vor den Toten zu wahren und die Totenwürde zu achten.“

Martin Huerkamp ist eine weitere Veränderung aufgefallen – wohl ausgelöst durch die Corona-Krise. „Einige Urnen sind bei uns im Kolumbarium auf Wunsch von Angehörigen eingelagert worden. Es soll zu einem späteren Zeitpunkt eine große Beerdigung geben.“ Es gebe Fälle, in denen Verstorbene dieses als ihren Wunsch niedergelegt hätten. Es gebe auch Familien, die ihre Angehörige in einem solchen Rahmen beerdigen wollten.

Martin Huerkamp

„So etwas ist auch für uns eher ungewöhnlich“. Das sei für die Angehörigen mitunter eine große Herausforderung, weil eine Urne in einem Grab in gewisser Weise auch Abschluss des eigentlichen Abschiednehmens sei. In der aktuellen Situation sei nicht absehbar, wann große Beerdigungen wieder zugelassen würden.

Im Abschiedshaus an der Reichenbacher Straße gebe es bei Trauerfeierlichkeiten Platz für 30 bis 35 Gäste – unter Einhaltung der geltenden Abstandsgebote. „Unser Anspruch ist es, eine würdige Beerdigung zu leisten“, erläutert Martin Huerkamp die Philosophie des Hauses. Dazu gebe es das Angebot, eine Beerdigung zu filmen, und die Aufnahmen dann nach Vereinbarung zur Verfügung zu stellen – eine weitere Möglichkeit der Teilnahme, „die den Menschen helfen kann“, erfährt Huerkamp dazu durchaus positive Resonanz.

„Wir haben uns intensiv mit dem Thema Abschied beschäftig“, sagt Huerkamp. „Trauerbewältigung ist ein wichtiges Anliegen, das wir aufmerksam begleiten wollen.“

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