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Heute ist der „Tag gegen Gewalt an Frauen“

Corona hat die Lage erschwert

Warendorf

Am heutigen Donnerstag ist der „Tag gegen Gewalt an Frauen“. Um auf die Situation der Frauen aufmerksam zu machen, wird das Rathaus unter dem Motto „Orange the World!“ in Orange angestrahlt.

Von Ulrich Lieber

Weisen auf den „Tag gegen Gewalt an Frauen“ hin (v.l.): Melanie Kayser (Frauenhaus), Katharina Schildheuer-Rowe (Frauenberatungsstelle), Bürgermeister Peter Horstmann, Nicole Pellemeyer (Kreispolizeibehörde) und Ingeborg Pelster (Gleichstellungsbeauftragte). Foto: Ulrich Lieber

Das eigene Zuhause sollte eigentlich für jeden Menschen ein sicherer Ort sein. Doch für viele Frauen ist es das genaue Gegenteil, denn in den eigenen vier Wänden sind sie oft der Gewalt des Partners ausgeliefert. Die häusliche Gewalt gegen Frauen nimmt weiter zu.

„In Deutschland ist die Anzahl von 2019 auf 2020 um sechs Prozent, in NRW sogar um 7,9 Prozent gestiegen“, berichtet die Gleichstellungsbeauftragte Ingeborg Pelster im gemeinsamen Pressegespräch in der Frauenberatungsstelle. Um auf die Situation und den „Tag gegen Gewalt an Frauen“ aufmerksam zu machen, wird das Rathaus am heutigen Donnerstag (25. November) unter dem Motto „Orange the World!“ in Orange erstrahlen.

Schutzausrüstungen für persönliche Besuche

Bürgermeister Peter Horstmann erinnert sich noch gut an das Vorjahr, denn es war eine seiner ersten Amtshandlungen. „Das Rathaus war orange angestrahlt, aber das muss diesmal besser werden. Ich finde das Thema ungemein wichtig und unterstützenswert.“ Es sei wichtig, die Menschen zu sensibilisieren und sich der Lage bewusst zu werden. „Wir leben hier in Warendorf so ein wenig in einer heilen Welt.“

Bürgermeister Peter Horstmann

Tatsächlich berichtete Nicole Pellemeyer als Vertreterin der Kreispolizeibehörde und zuständig für den Opferschutz, dass im Kreis Warendorf die Zahlen von 287 im Jahr 2019 auf 256 im vergangenen Jahr zurückgegangen sind. Aber es gab auch 83 Wohnungsverweise mit Rückkehrverbot und 72 Fälle, die an die Frauenberatungsstelle verwiesen wurden. Bedingt durch Corona habe sich die Arbeit verändert, denn früher seien die betroffenen Frauen zu Hause besucht worden, das ging nicht. Mittlerweile gebe es aber Schutzausrüstungen, um wieder persönliche Besuche zu ermöglichen.

Fehlende Zuschüsse für Personalkosten

Melanie Kayser vom Warendorfer Frauenhaus wies darauf hin, dass es sich bei den Fallzahlen nur um die gemeldeten Fälle handle. Das Frauenhaus sei immer „randvoll“ und auch in 2020 waren 47 Frauen und 55 Kinder hier untergebracht. Gerade für die Kinder sei es problematisch gewesen, da sie bedingt durch Corona auch auf das Homeschooling angewiesen waren. Dass sich im ersten Halbjahr 2021 weniger Frauen gemeldet haben, führt Melanie Kayser auch auf Corona zurück. „Viele kamen vielleicht zu Hause nicht weg, auch bedingt durch Homeoffice.“ Nach Beendigung des Lockdowns seien die Zahlen wieder wie immer gewesen.

Katharina Schildheuer-Rowe

„Die Lockdown-Phase haben wir auch gemerkt. Wir hatten im März und April keine Einsätze. Wenn die täglichen Wege wegfallen, dann ist es für die Frauen schwer, mal eben in die Beratungsstelle zu gehen“, sagte Katharina Schildheuer-Rowe von der Frauenberatungsstelle. Trotzdem gebe es generell jedes Jahr mehr Fälle.

Finanziell gab es aufgrund der Corona-Situation Zuschüsse für die Sachkosten, berichteten Melanie Kayser und Katharina Schildheuer-Rowe. Doch es fehle an Zuschüssen für Personalkosten. Generell klagten alle darüber, dass die Zuschüsse nicht ausreichend seien und die Finanzierung nicht gesetzlich geregelt ist. „Die Personalkosten sind nicht so richtig abgesichert. Die Förderung wird immer nur für ein paar Jahre beschlossen“, machte Ingeborg Pelster deutlich. Das sei immer von der Politik abhängig, darum wünschten sich alle mehr Verlässlichkeit. „Wir erbringen eine gesetzliche Leistung, die nicht gesetzlich finanziert ist“, sagte Katharina Schildheuer-Rowe.

Insgesamt merken aber alle, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung gewachsen ist und es leichter geworden ist, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Das Thema komme langsam aus der Tabuzone raus. „Je öffentlicher das Thema ist, desto niedriger ist die Hemmschwelle“, sagte Melanie Kayser. Und darum ist der heutige „Tag gegen Gewalt an Frauen“ sehr wichtig. Am Freitag wird es darum auf dem Wochenmarkt noch einen Infostand mit hilfreichen Materialien geben.

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