1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Warendorf
  6. >
  7. Corona-Lager im Kreuzgang

  8. >

Ferienfreizeit vor der Haustür

Corona-Lager im Kreuzgang

Freckenhorst

Joke Brocker

Andreas Engbert, Christoph Nüßing und Roman Freye (v. l.) bekochen Kinder und Betreuer während des Lagers im Kreuzgang. Foto: Joke Brocker

Doch Lagerleitung, Betreuer und Kochteam, die zehn Ferientage fest eingeplant und zum Teil eigens dafür sogar Urlaub eingereicht hatten, stellten kurzfristig ein Alternativprogramm für die Neun- bis Zwölfjährigen auf die Beine. Mit Unterstützung der Kirchengemeinde, allen voran Dechant Manfred Krampe und Pastoralreferent Sebastian Bause, schlugen sie am Montag ein „Corona-Lager“ im Kreuzgang von St. Bonifatius auf. Selbstverständlich unter Berücksichtigung aller Hygiene- und Abstandsvorschriften. „Wir haben im Großmarkt erst einmal Flächen- und Handdesinfektionsmittel gekauft“, berichtet Katharina Freye. Jeden Abend sei das Betreuer-Team (Carla Uhkötter, Christoph Nüßing, Kathrin Rickmann, Henrik Freye, Andi Engbert, Paula Rickmann, Roman Freye, Sarah Lückenkötter, Katharina Freye, Laura Ripke, Hannes Niemeyer, Patrick Kofoth, Till Friehe) eine halbe Stunde lang damit beschäftigt, Toiletten, Tische und Bänke zu desinfizieren.

40 Kinder wurden von ihren Eltern, die ausschließlich via E-Mail von der Lagerleitung über alle Modalitäten informiert worden waren, für das einwöchige Ferienlager angemeldet und genießen es ganz offensichtlich, an der frischen Luft zu sein, zu toben und endlich wieder mit Gleichaltrigen zu sprechen. „Die Kinder haben einen großen Bewegungsdrang und sind froh, sich auspowern zu können“, hat die angehende Lehrerin Katharina Freye festgestellt.

Dass dabei die Abstandsregeln unbedingt eingehalten werden müssen, haben Betreuer und Lagerleitung ihren Schützlingen, in der Mehrzahl Mädchen, am Montag ebenso vermittelt wie die „30-cm-Stimme“-Regel, die besagt, dass beim Essen in normaler Lautstärke gesprochen und nicht quer über den Tisch gerufen wird. Die Verteilung der Kinder auf drei feste Bezugsgruppen garantiert, dass die Abstandsregeln zu 100 Prozent beherzigt werden. Für jede Gruppe steht eine eigene Toi­lette bereit, zusätzlich gibt es für Betreuer und Lagerleitung einen Toilettenwagen. Während eine Gruppe sich zum Basteln oder Essen an einem großen Tisch im Kreuzgang trifft, wurden für die beiden übrigen Gruppen Zelte aufgeschlagen, die das DRK zur Verfügung gestellt hat.

Halten die Kids sich in ihrer Bezugsgruppe auf, müssen sie keinen Mundschutz tragen, betreten sie das Pfarrheim oder treten sie mit einer anderen Gruppe in Kontakt, ist der Mund-Nasenschutz Pflicht. „Das klappt sehr gut, das sind die Kinder schon aus der Schule gewohnt“, hat Katharina Freye festgestellt. „Das ist ihnen schon in Fleisch und Blut übergegangen.“ Da verwundert es kaum, dass die Ferienfreizeit anno 2020 unter dem Motto „Corona-Lager – mit Abstand am besten“ steht. Aus Sicherheitsgründen ist das gesamte Gelände eingezäunt worden: „Touristen müssen leider auf die Besichtigung des Kreuzgangs verzichten, da andernfalls das Hygienekonzept nicht eingehalten werden kann“, bemerkt Katharina Freye.

Das Programm, das den Lagerteilnehmern geboten wird, orientiere sich im Wesentlichen am klassischen Ferienlager-Programm, verrät die 23-Jährige, während sie den Gruppen beim „Kaufhaus-Spiel“ zuschaut. Am Dienstag stand eine Stadtrallye auf dem Programm, am Mittwoch wurde mit Steinen auf einen Melonen-Vogel „geschossen“, um das Lager-Schützenkönigspaar zu ermitteln. Für Freitag steht ein Ausflug ins Blaue geplant. Und heute Abend soll am Lagerfeuer Stockbrot gebacken werden. Allerdings lange vor Einbruch der Dunkelheit, endet der Lagertag in Freckenhorst doch bereits um 17 Uhr. Während das Gros der Kinder dann acht Stunden Spiel, Spaß und Abwechslung hinter sich hat, nutzen acht Kinder, deren Eltern berufstätig sind, das Angebot der Frühbetreuung ab 7 Uhr.

Man kalkuliere 25 Kilo Essen pro Tag, berichtet An­dreas Engbert, der seit drei Jahren in den Ferienlagern der Gemeinde die „Kochfrau“ gibt und weiß, was Kinder mögen. Burger, Spaghetti bolognese und zum Schützenfest grüne Nudeln mit weißer Soße haben er, Christoph Nüßing und Roman Freye in dieser Woche schon gekocht und festgestellt: „Die Kinder haben viel mehr Hunger als sonst.“ Manche verdrückten mühelos zwei Burger.

Vielleicht auch, weil es so schön bequem ist, diese nicht selbst bauen zu müssen, sondern wegen der Corona-Auflagen fix und fertig auf den Teller zu bekommen. In jedem Fall aber, weil das Trio in der Küche täglich beweist, dass viele Köche nicht zwangsläufig den „Brei“ verderben.

Startseite