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Hybridveranstaltung des CDU-Stadtverbandes

„Da fehlt jedes Vertrauen“

Warendorf

Der CDU-Stadtverband hatte Knut Abraham, Mitgliedes Bundestages und zuvor Leiter des Referats für die Beziehungen zu den Staaten Mittel-, Ost- und Südosteuropas sowie zu Zentralasien und zum Südkaukasus im Bundeskanzleramt und Gesandter an der Deutschen Botschaft in Warschau, zu einer Diskussion im Hybridformat eingeladen. Abraham machte seine Einschätzung im Ukraine-Krieg deutlich: „Das Vertrauen zu Putin ist unumkehrbar erschüttert. Da fehlt jedes Vertrauen.“

Von Marion Bulla

Zerstörung und Gewalt verursacht der Krieg in der Ukraine. Knut Abraham (v.l.) äußerte sich auf Einladung des CDU-Stadtverbands zum Ukraine-Krieg. Foto: Ukriform/dpa

Seit knapp zwei Wochen herrscht Krieg in der Ukraine. Das macht betroffen und hilflos. Die Menschen haben Angst, machen sich Sorgen und suchen nach Antworten. Der CDU-Stadtverband um Marija Ruzhitskaya als Vorsitzende hatte am Dienstagabend zu einer Hybridveranstaltung in das Hotel „Im Engel“ eingeladen, um wenigstens einige Fragen zu beantworten. Eingeladen war per Zuschaltung Knut Abraham (MdB), zuvor Leiter des Referats für die Beziehungen zu den Staaten Mittel-, Ost- und Südosteuropas sowie zu Zentralasien und zum Südkaukasus im Bundeskanzleramt und Gesandter an der Deutschen Botschaft in Warschau.

Knut Abraham (v.l.) äußerste sich auf Einladung des CDU-Stadtverbands zum Ukraine Krieg. Die Christdemokraten Henning Rehbaum, Marija Ruzhitskaya und Daniel Hagemeyer freuten sich über die spannende Diskussionsrunde der Hybridveranstaltung. Foto: Marion Bulla

„Der Anlass ist alles andere als schön“, bedauerte Marija Ruzhitskaya in ihrer Begrüßung, freute sich aber, dass der Stadtverband einen „echten Russland-Experten“ für diesen Abend gewonnen hatte. „Einen kompetenteren Fachmann hätten wir nicht bekommen können“, so die Vorsitzende. Der Politiker sagte, die Nachrichtenlage sei, soweit sie erfassbar sei, „angespannt und gefährlich“. Doch hätte man den Krieg nicht verhindern können. „Putin ist entschlossen, und diplomatische Mittel hätten ihn nicht aufhalten können. „Wir wissen nicht, was Putin vorhat und müssen mit allem rechnen“, war Abraham sicher. Putin sei falsch eingeschätzt worden und das sei sicher ein fataler Fehler gewesen.

Situation für die Wirtschaft vor Ort

Auf die Frage, ob Unternehmer vor Ort sich Gedanken machen müssten, antwortete der Bundestagsabgeordnete Henning Rehbaum (CDU): „Putin macht uns Sorgen in der Wirtschaft. Bei der Energieversorgung etwa muss man ganz genau hinschauen.“

Dann ergriff Marija Ruzhitskaya wieder das Wort. Der Krieg mache sich in vielen Dingen bemerkbar. Zum Beispiel bei Energie und Klimapolitik. „Hätten wir anders agieren müssen? Gibt es diplomatische Lösungen?“, fragte die Stadtverbandsvorsitzende den digital zugeschalteten Knut Abraham.

Putin sei einer Fehlanalyse erlegen. Er habe geglaubt, die Ukraine sei eine vom Westen aufgebaute inhaltslose Fassade, die leicht zusammenbreche. „Das ist nicht so. Die stellen sich dem russischen Einmarsch entgegen“, bemerkte Abraham. Auch geht der Experte auf die Beziehung Russlands zu China ein. Das sei ein wichtiger Faktor für Putin.

Wirtschaftliche Schieflage

„Wir rutschen weltweit in eine wirtschaftliche Schieflage. Das will die Volksrepublik China nicht. Die Macht liegt in Peking“, erklärte Knut Abraham. Auch die hohe Abhängigkeit Deutschlands vom Gas Russlands kritisiert der 55-Jährige, ebenso wie den Zustand der Bundeswehr. Da müsse man umdenken. Deutschland habe 250 Panzer, wovon nur wenige einsetzbar seien. „Die Ukraine hat ein Gesicht bekommen, ist jetzt im europäischen Bewusstsein. Die haben das Recht, Mitglied der EU zu werden“, forderte eine Zuhörerin. Kurzfristig würde das nichts werden, entgegnete Abraham darauf.

Das Fazit des Russland-Kenners: „Das Vertrauen zu Putin ist unumkehrbar erschüttert. Da fehlt jedes Vertrauen.“

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