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Konzert für Menschenrechte zum Jubiläum von Amnesty International

„Damit wir alle atmen können“

Warendorf

Seit 25 Jahren gibt es die Warendorfer Ortsgruppe von Amnesty International. Doch zum Jubeln war den Mitgliedern nicht zumute. Stattdessen nutzten sie die Feierstunde im Rahmen des Klosterkonzerts für die Menschenrechte, um auf prekäre Situationen aufmerksam zu machen.

Yosief Mulugeta aus Eritrea erzählte seine Geschichte. Unterstützt wurde er von Hildegard Schoppmann. Foto: Beate Trautner

Die Warendorfer Klosterkonzerte für die Menschenrechte sind längst zu einer festen Institution geworden. Initiiert von der Amnesty-International-Ortsgruppe Warendorf bieten sie in der Klosterkirche des ehemaligen Franziskanerklosters anspruchsvollen Musikgenuss. Neben der Musik sind auch Menschrechtsverstöße immer ein Thema.

Das Klosterkonzert am Sonntag war gleichzeitig eine Feierstunde für Amnesty International (AI): 60 Jahre AI weltweit und 25 Jahre AI in Warendorf. Auch diesmal war der Eintritt frei und es wurde um eine Spende gebeten. Zudem bot die Ortsgruppe von AI in Warendorf verschiedene Petitionen zu Menschenrechtsverstößen an, die unterschrieben werden konnten.

„Frieden ist fragil“

Die Feierstunde begann mit dem evangelischen Posaunenchor unter der Leitung von Georg Potthoff. „In Jubiläum steckt das Wort Jubel“, begrüßte Konrad Schoppmann, Gründungsmitglied von AI Warendorf, im Anschluss die Gäste in der Klosterkirche. „Aber zum Jubeln und Feiern ist uns angesichts des tobenden Ukrainekrieges und zahlreicher Menschenrechtsverletzungen in der ganzen Welt kaum zu Mute – auch zum ,auf die Schulter klopfen‘ nicht“. So ging es auch in dieser Feierstunde „ums Aufmerksam machen“.

„Frieden ist fragil“, schloss sich die stellvertretende Bürgermeisterin Doris Kaiser den Ausführungen an. „Wenn einer demonstriert, passiert nicht viel. Wenn sich viele engagieren, bewirkt es eine Menge, wie man bei Amnesty sehen kann.“

Der evangelische Posaunenchor unter der Leitung von Georg Potthoff bot ungewöhnliche Arrangements. Foto: Beate Trautner

Der Leiter der Musikschule, Holger Blüder, spielte anschließend vier Sonaten von Domenico Scarlatti am Klavier. Der evangelische Posaunenchor und Holger Blüder wechselten sich an dem Abend mit ihren Darbietungen ab und bekamen einen „dicken“ Applaus vom Publikum.

Persönliche Geschichte von Yosief Mulugeta

Pfarrer Herwig Behring hatte mit Dechant Peter Lenfers verabredet, nicht viele Worte zu machen. „Menschenrechte sind nicht verhandelbar“, bemerkte er knapp. Behring griff auch die letzten Worte des US-Amerikaners George Floyd „I can‘t breathe – Ich kann nicht atmen“ auf. Amnesty International sei dafür da, damit wir alle atmen können. George Floyd konnte nicht geholfen werden, aber Konrad Schoppmann führte einige Fälle auf, in denen Amnesty Menschen aus ausweglosen Lagen befreien konnte, wie zum Beispiel Mohammad Reza Haddadi, der 18 Jahre lang unschuldig im Todestrakt eines iranischen Gefängnisses saß. Und auf lokaler Ebene nannte er die Familie N‘Finda, deren Abschiebung in den Kongo verhindert werden konnte.

Cersun Ekinci mit Gitarre und Gesang und Claudia Erlenkötter an der Klarinette boten zwei kurdische Friedenslieder. Foto: Beate Trautner

Yosief Mulugeta aus Eritrea erzählte seine Geschichte persönlich. Hildegard Schoppmann stellte ihm Fragen zu seiner Flucht und dem Leben in Beelen, auf die er mit bewegenden Worten antwortete.

Einen besonderen Akzent setzten Cersun Ekinci mit seiner Gitarre und Gesang und Claudia Erlenkötter mit der Klarinette. Sie boten zwei kurdische Friedenslieder.

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